Martina Hirsch, Geschäftsführerin s REAL Immobilien, im Porträt.

NEW BUSINESS - NR. 6, JUNI 2026
»Es ist mir ein Anliegen, dass stets beide Seiten Gehör finden und es immer Gesprächsbereitschaft gibt – natürlich auch von mir als Führungskraft.« © Marlene König

Keine Erfahrung ist vergebens: Der Weg von Martina Hirsch war vielleicht nicht schnurgerade, aber sie ist trotzdem genau am richtigen Platz angekommen.

Das Leben schreibt doch die besten Geschichten – oder in diesem Fall vielleicht besser Exposés. Sie zeigen, dass der gerade Weg nicht unbedingt auch der passendste sein muss. So wie bei Martina Hirsch, Geschäftsführerin der s REAL Immobilienvermittlung sowie der Sparkassen REAL Vorarlberg Immobilienvermittlung. 

Geboren in Wien und aufgewachsen in Niederösterreich, studierte sie ursprünglich Germanistik und Geschichte. Die ersten Sprossen auf der Karriereleiter erklomm sie im Marketing. „Kurz bevor ich meine Masterprüfung hatte, war ich als Marketingleiterin bei Meinl am Graben tätig. Dann habe ich familienbedingt durch die Geburt meiner beiden Kinder eine berufliche Auszeit genommen“, erzählt sie.

Beim Wiedereinstieg war eine gewisse Flexibilität im Beruf gefragt – die ihr die Immobilienbranche bieten konnte. Im Jahr 2008 fand sie zu s REAL und damit dem Bankenvertrieb bei Erste Bank und Sparkassen, wo sie bis heute geblieben ist – und zwar mit vielen verschiedenen Aufgaben und in unterschiedlichsten Positionen. „Begonnen habe ich ganz klassisch in der Immobiliendienstleistung. Mit der Befähigungsprüfung zur Maklerin habe ich diverse Grundschulungen der s REAL Akademie absolviert, wurde dann Abteilungsleiterin für Neubauvertrieb und Vorsorgewohnungen, anschließend kam die Prokura dazu“, sagt Hirsch. Zwischen 2016 und 2017 hat sie im Zuge eines Sabbaticals ein Wirtschaftsstudium begonnen und außerdem mit ihrer Familie ein halbes Jahr in ­China verbracht.

Leidenschaft für Kommunikation
Ende 2022 folgte der nächste Karriere­schritt: „Die s REAL Geschäftsführung war in Veränderung, ich habe mich beworben und es hat geklappt. Das zeigt ganz gut: Man kann sich auf Karriere­schritte durch entsprechende Ausbildungen vorbereiten und passende Erfahrungen sammeln – aber letztendlich müssen sich auch einige andere Punkte, wie das Timing, glücklich zusammenfügen.“ 

Was sie sich bewahrt hat, ist ihre Leidenschaft für Kommunikation – nicht nur im Marketing, sondern auch im Management eine sehr nützliche Fähigkeit. So stellt Martina Hirsch auch fest: „Keine Erfahrung oder Ausbildung ist jemals vergebens, auch wenn einen die Wege in andere Richtungen führen.“

Eine damit vergleichbare Leidenschaft und Begeisterung hat sie beim Einstieg in die Immobilienbranche gepackt: Menschen dabei zu unterstützen, einen Platz zum Leben zu finden. Bei ihrer Arbeit geht es weniger um großvolumige Geschäfte, sondern mehr um Privatpersonen. „Das bringt einen sehr schönen, emotionalen Zugang, wenn wir bei diesem entscheidenden Schritt im Leben anderer Personen dabei sein dürfen. All das im Rahmen eines großen Unternehmens machen zu können, in einem äußerst professionellen, gut aufgestellten Rahmen, schafft eine gute Mischung aus Emotion und Business bzw. Professionalität, die ich sehr mag.“

Es braucht positive Wege
Die vergangenen Jahre waren turbulent, nicht zuletzt in der Branche von ­Martina Hirsch. 2022 brach der Markt ein, was mit vielfältigen Herausforderungen in der Unternehmens- und Mitar­bei­te­r:in­nen-Führung verbunden war – ein Spagat zwischen Kostenreduktion und Zukunftsfähigkeit. „Zu mir kommen aber natürlich auch die Konfliktfelder – und nicht die kleinen! Dafür braucht es immer wieder positive Wege“, so Hirsch und weiter: „Aber das muss ich nicht allein stemmen. Wir haben eine Doppelgeschäftsführung und ein starkes Führungsteam mit entsprechenden Sparringspartner:innen und viel gegenseitiger Unterstützung.“

Im Unternehmen steht sie nicht nur für differenzierte Kommunikation, sondern auch ganz klar für Diversität. Das findet sich auch im Konzern wieder, etwa mit Gleichbehandlungsschulungen, Antidiskriminierungsmaßnahmen, einer Ombudsstelle oder auch mit der jährlichen Beteiligung an „Orange the World“, einer weltweiten UN-Kampagne, die auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam macht. „Aber es geht auch ums tägliche Tun, wie eine gendergerechte Sprache, kommunikative Feinheiten. Es ist mir ein Anliegen, dass stets beide Seiten Gehör finden und es immer Gesprächsbereitschaft gibt – natürlich auch von mir als Führungskraft“, spricht sie wichtige Themen an, für die sie sich auch in ihrer Freizeit einsetzt.

Beispielsweise im Zuge ihrer Tätigkeit für den „Salon Real“, einen Verein, der Frauen in Führungspositionen der Immobilienwirtschaft vernetzt. Dort ist sie schon seit vielen Jahren Mitglied und seit 2023 im Vorstand: „Es ist mir wichtig, diese ­Arbeit weiterzuführen, die es jetzt bereits seit 16 Jahren gibt, das Netzwerk zu pflegen und Know-how für die zukünftigen Generationen zur Verfügung zu stellen.“ 

Bei so viel Engagement muss auch die Freizeit geplant und – wie sie es ausdrückt – „auf wenige Personen gebündelt“ werden. „Wald und Meer sind meine persönlichen Erholungspunkte. Neben Spazierengehen mit meinem Hund verbringe ich gern Zeit mit meinen Liebsten, meinem Mann, meinen Kindern“, sagt die begeisterte Italien-Liebhaberin. (RNF)


12 FRAGEN AN MARTINA HIRSCH

Was wollten Sie als Kind werden?
Als Kind wollte ich Sängerin werden. Ich habe pausenlos gesungen. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Ich unterscheide zwischen Glück und Zufriedenheit. Glück ist das stärkere Gefühl, es kann bedeuten, alles zu haben, was man sich wünscht: Familie, gesunde Kinder, eine funktionierende Ehe, einen Job, den ich mag. Glück kann aber auch das Sesserl im Garten sein und sich der Momente bewusst zu sein, in denen alles stimmig ist. Im Moment bin ich wirklich zufrieden und habe das Glück, immer wieder glückliche Momente zu erleben.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„Opernball“ von Stefanie Sargnagel. Sargnagel ist ein sprachliches Genie und erinnert mich an Elfriede Jelinek.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?
Die kommen eher aus meinem privaten Umfeld. Ich mag es, mir Dinge abzuschauen, die auf Engagement, Kraft oder Lebensfreude einzahlen. Oder wenn jemand ganz anders tickt als ich und ich dadurch einen anderen Zugang oder Blickwinkel zum Leben erfahre.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
„Das Leben ist großartig!“ Ich möchte, dass jeder Tag meines Lebens mindestens einen tollen Moment hat und ich mir dessen auch bewusst bin.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?
Ich würde gern in den Schuhen von Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank, laufen. Weil es für mich so nah, im eigenen Konzern, und doch so fern (weil noch ein großer Schritt mehr Verantwortung und Leistungsbereitschaft) ist. Abgesehen von großem Know-how muss man sicherlich mental sehr stark sein, um hier entsprechend Abläufe, Termine und Verantwortungen zu fokussieren.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Beruflich, dass ich die Geschäftsführungsfunktion bei s REAL übertragen bekommen habe. Privat meine Kinder.

Was ist das Verrückteste, das Sie je getan haben?
Man könnte sagen, mit der Familie – und zwei schulpflichtigen Kindern – für eine Zeit nach China zu gehen, war mutig, außergewöhnlich und auch schwierig. Wenn man Menschen und Sprache mag und sich dann in einem fremden Land wiederfindet, in dem man niemanden versteht und die kulturelle ­Mimik nicht interpretieren kann, ist man von vielem abgeschnitten. Ich habe vor Rührung geweint, als ich nach unserer Rückkehr wieder am Wiener Stephansplatz gestanden bin.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Über den Podcast von Bill und Tom Kaulitz – erfrischend, wie offen und unterhaltsam die Brüder hier auftreten. 

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten?
Wenn ich etwas ausprobieren will, tue ich es.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Einfach das Leben an sich, das Leben ist schön und ich bin froh über meine aktuelle Situation. Auch arbeite ich sehr gerne und bin gerne gut ausgelastet. 

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie dann?
Ich würde gern fliegen können, um mir einen Überblick von oben zu verschaffen und eine andere Art des Reisens erleben zu können. Hunde finde ich auch toll. Aber die sind oft abhängig von der Familie, in der sie leben. ­Vögel hingegen genießen die ultimative Freiheit.


ZUR PERSON
Vom Marketing ins Immo-Business
Martina Hirsch ist Geschäftsführerin der s REAL Immobilienvermittlung sowie der Sparkassen REAL Vorarlberg Immobilienvermittlung und verantwortet dort die Bereiche Marketing und Sales, Immobilienbewertung, Aus- und Weiterbildung sowie Budget und Key Account. Die gebürtige Wienerin studierte Germanistik sowie Geschichte und startete ihre ­Karriere zunächst im Marketing, bevor sie in die Immobilienbranche wechselte. 2008 fing sie bei s REAL an, absolvierte die Befähigungsprüfung zur Maklerin und stieg über die Leitung des Neubau- und Vorsorgewohnungsvertriebs sowie die Funktion der Prokuristin bis in die Geschäftsführung auf. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich die zweifache Mutter im Vorstand des Frauen-Netzwerks „Salon Real“.