Stefan Friedrich, Mitgründer und Geschäftsführer der Bioblo Spielwaren GmbH, im Porträt.

NEW BUSINESS - NR. 3, MÄRZ 2026
»Das Herz auf der Zunge zu tragen, ist für manche Entwicklungsmomente des eigenen Unternehmens vielleicht durchaus ­ehrenwert, aber nicht unbedingt erfolgbringend.« © Bioblo

Nachhaltig die Fantasie anregen: Durch einen Zufall zum passenden Zeitpunkt kam Stefan Friedrich von der Werbebranche zur Spielwarenherstellung.

Es gibt Karrieren, die schnurgerade verlaufen. Andere setzen sich Stein für Stein zu einem bunten Mosaik zusammen – so wie bei Stefan Friedrich, Mitgründer und Geschäftsführer der Bioblo Spielwaren GmbH. Geboren ­wurde er zwar in Mödling, doch sieht er sich selbst als „klassischen Tullner“. In der Stadt an der Donau hat der früher „ausgesprochene Streber“, wie er mit einem Augenzwinkern von sich selbst sagt, das Gymnasium besucht und fast sein ganzes Leben verbracht, mit kleinen Ausnahmen: „Während des Studiums habe ich in Wien gewohnt und später als Werbetexter einen dreijährigen Auslandsaufenthalt in Hamburg eingelegt.“

Dabei standen auf seinem Lehrplan ursprünglich weder PR noch Marketing, sondern Handelswissenschaften an der WU. Wie kam er dann in die Werbebranche, möchten Sie wissen? „Ins Berufs­leben eingestiegen bin ich lustigerweise als HTML-Programmierer bei einer Werbeagentur, weil ich mir diese Fähigkeit neben dem Studium selbst angeeignet hatte und dafür mehr praktische Anwendungen sah als für das theoretische WU-Wissen. In dieser Agentur habe ich dann den Beruf des Werbetexters kennen und lieben gelernt und ­meine Karriere dahingehend umgesattelt“, erzählt er.

Eine schicksalhafte Begegnung
Insgesamt war er rund zehn Jahre in diversen Wiener und Hamburger Werbeagenturen beschäftigt bis das Gefühl wuchs, dass sich dieses Modell für ihn „überlebt“ hatte. Er wollte Veränderung, etwas Eigenes, Selbstbestimmtes machen – und das Schicksal lieferte die ­passende Begegnung dafür. Denn just in dieser Phase der Neuorientierung traf Stefan Friedrich auf Hannes Frech: „Als Materialforscher an der BOKU hatte er einen neuartigen Baustein erfunden, wusste aber noch nicht genau, wie er diesen vermarkten sollte – da haben wir uns perfekt ergänzt.“ Unterstützung holten sie sich bei Dietmar Kreil, den Friedrich während seiner Werber-Zeit kennengelernt hatte. Der Designer vervollständigte das Gründer-Trio, und so schlug 2015 die Geburtsstunde von Bioblo – biologische Blocks.

Statt dem bekannten Platzhirschen der Branche nachzueifern, besetzte Bioblo eine eigene Nische: Ein völlig freies Spielkonzept, bewusst ohne feste Verbindungen und ohne Hunderte verschieden gestaltete Bausteine, dafür materialtechnisch seiner Zeit voraus durch den Einsatz von recycelten Materialien und nachwachsenden Rohstoffen. „Wir haben als einziges Spielzeug überhaupt das Österreichische Umweltzeichen und den Blauen Engel aus Deutschland. Das hat sonst niemand“, sagt er nicht ohne Stolz.

Loslassen ist nicht leicht
Mittlerweile lassen mehr als 200.000 Kinder europaweit mit den Steinen aus Tulln ihrer Fantasie freien Lauf und Stefan Friedrich findet es spannend, zu beobachten, wie die Firma „immer strukturierter, professioneller und besser wird“. Das bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich. „Wenn man als Firma wächst, müssen sich die Aufgaben des Chefs eigentlich laufend reduzieren beziehungsweise fokussieren – aber es ist nicht immer leicht, loszulassen, wenn man es aufgrund der gewachsenen Strukturen gewohnt ist, alle Fäden in der Hand zu halten“, gibt er offen zu. 

Überhaupt ist „bedingungslose Offenheit“ so etwas wie sein Markenzeichen – selbst wenn das im Business-Kontext nicht immer taktisch klug sein mag. Wo andere Player mit verdeckten Karten spielen, legt er selbst etwaige negative Punkte oder eigene Defizite für alle sichtbar auf den Tisch. „Das Herz auf der Zunge zu tragen, ist für manche Entwicklungsmomente des eigenen Unternehmens vielleicht durchaus ehrenwert, aber nicht unbedingt erfolgbringend“, schmunzelt er. Doch davon lässt er sich nicht beirren.

Die Reise von Bioblo ist noch lange nicht zu Ende. Mit „Pixel“, einer Erweiterung seines Systems, wagt das Unternehmen den Sprung von der Spielkiste an die Wand – und auch in den B2B-Bereich. Mit den quadratischen Steinen lassen sich Motive gestalten und dekorativ aufhängen. Das kommt nicht nur bei Kindern gut an, sondern auch bei Unternehmen. „Durch die kleineren Dimensionen der Steine können wir Logos oder auch Maskottchen von Firmen in einfacher und kostengünstiger Weise nachbauen und als Give-aways oder Streuartikel zugänglich machen“, erklärt Friedrich. Die Erste Bank und Sparkasse verschenkte beispielsweise zum 100. Weltspartag im vergangenen Jahr ein entsprechendes Sparefroh-Set.

Familie hat die größte Priorität
Wenn er nicht gerade an der Zukunft der Spielwaren tüftelt, findet man Stefan Friedrich möglicherweise auf dem Padel-Tennis-Platz. „Ich kann diese relativ neue Sportart nur jeder und jedem ans Herz legen. Es ist meiner Meinung nach einfach wesentlich angenehmer, schneller zu lernen, weniger frustrierend und insgesamt viel spaßiger als Tennis“, lautet sein Urteil.

Immer zählen kann der dreifache Vater auf seine Frau und seine Eltern – seine wichtigsten Wegbegleiter. Das gilt aber auch umgekehrt: „Familie hat für mich die größte Priorität im Leben, neben der Gesundheit.“ Und nicht allzu weit danach kommen vielleicht ein paar bunte Klötzchen, die die Welt Stein für Stein ein Stück nachhaltiger machen. (RNF)


12 FRAGEN AN STEFAN FRIEDRICH

Was wollten Sie als Kind werden?
Diplomat – wahrscheinlich, weil ich einen jüngeren und einen älteren Bruder habe. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich liebe.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„Careless People“ von Sarah Wynn-Williams, einer ehemaligen Facebook-Managerin. Sie beschreibt darin ihre Erfahrungen mit der rücksichtslosen Unter­nehmenskultur und dem Einfluss von Meta auf die globale Politik.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?
Steve Jobs. Weil er zu 100 Prozent auf seine Vision ­fokussiert war. Menschlich war er allerdings keinerlei Vorbild.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?
Mit einem möglichst intelligenten Lebewesen in einer anderen Galaxie. Weil es total interessant wäre.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Wie trinkt Chuck Norris aus der Wasserleitung? 
Auf Ex.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug springen. Aber die Dinger unterm Sitz sind Schwimmwesten, oder?

Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Im Rahmen der großen Bruegel-Ausstellung 2018 haben wir einen „Turm zu Babel“ aus 30.000 verklebten ­Bioblo-Bausteinen im Kunsthistorischen Museum in Wien zur Schau gestellt. Die Konstruktion des Turms an sich war schon ein absoluter Wahnsinn, das Resultat ein echter Hingucker, aber auch das Ambiente im Museum war einfach sensationell. Es war eine perfekte Verschmelzung aus Bautechnik, Spielzeug, Kunst und Kultur. Ich bin nach wie vor sehr stolz darauf, dass wir dieses Projekt damals erfolgreich umgesetzt haben.

Was ist das Verrückteste, das Sie je getan haben?
Ich bin als 14-Jähriger mit meinen Brüdern und meinem Vater um 3 Uhr nachts an die Spitze der Cheops-Pyramide in Kairo hochgeklettert. Das war – im wahrsten Sinne des Wortes – schräg.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Der Wecker. NUR der Wecker. 

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie dann?
Dagobert Duck. Wegen der Kohle.


ZUR PERSON
Nachhaltig kreativ
Stefan Friedrich studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie an der Wisconsin School of Business der UW Madison in den USA. Er ist Mitbegründer und Geschäftsführer der Bioblo Spielwaren GmbH, einem in Österreich ansässigen Hersteller von Bauklötzen aus nachhaltigen Materialien. Das Unternehmen wurde im Jahr 2015 von Friedrich und seinen beiden Geschäftspartnern Hannes Frech und Dietmar Kreil ins Leben gerufen. Vor seinem Einstieg in die Spielwarenbranche verfolgte Friedrich eine Karriere im Marketing, die ihn zu mehreren namhaften Werbeagenturen in Wien und Hamburg führte, wo er als Texter und Creative Director tätig war. Stefan Friedrich ist verheiratet und hat drei Kinder.