Bei der Eröffnung des Tech-Centers (v. l. n. r.): Radek Dziuban (Geschäftsführer café+co-Tochter Delikomat), Zuzana Plodkova (Leiterin Technik-­Center), Fritz Kaltenegger (Geschäftsführer café+co International) © Barevné Fotky

café+co-International-Geschäftsführer Fritz Kaltenegger im Gespräch über eine finale Etappe der digitalen Transformation, bürokratische Hürden, eine strategische Entdeckungsreise u. v. m.

Herr Kaltenegger, was können Sie uns über den jüngsten Geschäftsverlauf berichten?
Unser Geschäftsjahr startet am 30. 9., so haben wir zum Jahreswechsel das erste Quartal bereits hinter uns. Dieses hat sich etwas besser als im Vorjahr entwickelt, unsere Erwartungen wurden aber nicht ganz erfüllt. Das liegt unter anderem an der konjunkturellen Erholung, die unser Business, also das Vending-Geschäft, erfordert, die so noch nicht eingetreten ist. 65 Prozent unseres Kundenstamms sind direkt in der produzierenden Industrie tätig, daher sind wir eine Art Konjunkturindikator, und sehr stark von der Produktionsmenge bzw. -schichten abhängig.

Im Jahr 2026 hat es bereits Anzeichen einer Erholung gegeben, doch dann kam der Krieg im Persischen Golf und mit ihm gestresste Lieferketten, Versorgungsschwierigkeiten mit fossiler Energie und ein sehr verhaltenes Investitionsklima.

Stichwort Digitalisierung: Mit welchen Innovationen treibt café+co diesen "Dauerbrenner" weiter voran?
Wir sind dabei, das umfassende Thema Digitalisierung in diesem Jahr abzuschließen, das wir seit ungefähr zwei Jahren intensiv vorantreiben – auch mit kräftigen Investitionen. 
Unsere digitale Transformation basiert auf drei Elementen. Zum einen müssen wir unsere Geräte mit entsprechender Hardware und Telemetrie-Modulen ausstatten, um schneller reagieren zu können, sei es auf allfällige Störungen oder nachfrageorientierte Optimierungen im Sortiment. Diesen Punkt konnten wir im letzten Jahr erfolgreich abschließen. 

Das zweite Element ist die dynamische Routenplanung, um den planbaren Tagesbetrieb weitestgehend zu automatisieren. Das funktioniert bereits auch ganz gut. Damit diese beiden Elemente miteinander entsprechend integriert werden können, setzen wir auf ein neues ERP-System, das uns momentan sehr in Anspruch nimmt. Dieser gewaltige Kraftakt mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 10 Mio. Euro soll noch in diesem Jahr gruppenweit finalisiert werden. Unsere Kunden profitieren dadurch vor allem von einer schnelleren Erbringung unserer Services sowie einer flexibleren Reaktion auf individuelle Bedürfnisse.

Sie haben uns in vergangenen Gesprächen von zahlreichen Initiativen in Sachen Nachhaltigkeit berichtet. Gibt es in diesem Zusammenhang neue Errungenschaften?
In puncto Nachhaltigkeit fokussieren wir vor allem auf den vernünftigen Einsatz von Ressourcen. Der klassische Getränkebecher, unser wichtigstes Verpackungsmaterial, wurde sukzessive von Kunststoff auf Papier umgestellt. Auch diese Transformation soll noch in diesem Jahr zum Abschluss kommen.

Was mich in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit allerdings in höchstem Maße ärgert, sind die Steine, die uns die Regierung durch Gebührenerhöhungen in den Weg legt. Zur Veranschaulichung: Die gesamte Abgabenbelastung für Getränkebecher liegt derzeit bei 2.800 Euro pro Tonne. Das kostet uns rund 900.000 Euro Ergebnis im Jahr nur in Österreich. Selbst durch betriebliche Optimierungen, sprich Bechereinsatz oder Rücknahmesysteme, lässt sich eine solche Abgabenlast nicht mehr ausgleichen.

Auch aus Sicht der gesamten Branche ist die Belastungsgrenze eindeutig überschritten. Ein Gebührenstopp ist für mich mehr als fällig, auch weil die Weiterentwicklung nachhaltiger Systeme mit den derzeitigen bürokratischen Hürden kaum möglich ist.

café+co hat die Präsenz in Tschechien deutlich ausgebaut und kräftig investiert. Wie entwickeln sich die Geschäfte in diesem Markt?
Was die operative Performance betrifft, hat der tschechische Markt Österreich überholt und ist mittlerweile gruppenweit klare Nummer 1. Diese Position hat man sich durch exzellenten Service erarbeitet – der Grundlage für unseren wirtschaftlichen Erfolg. 

Die Kollegen in Tschechien haben sich letztes Jahr auch im Bereich Kaffeespezialitäten für die Gastronomie erweitert und 75 Prozent von Mia Coffee mit Sitz in Liberec akquiriert. Dabei handelt es sich um einen kleinen, erfolgreich etablierten Maschinenhändler, der Gastrobetriebe mit professionellen Kaffeelösungen und -spezialitäten ausstattet. Die monatlichen Berichte aus Liberec sind mehr als vielversprechend, davon profitiert natürlich auch unser Gesamtauftritt im tschechischen Markt.

Anfang des Jahres wurde im tschechischen Modrice ein neues Technik-Center eröffnet. Welche Rolle nimmt dieses innerhalb der Unternehmensgruppe ein und was können Sie über den laufenden Betrieb berichten?
Die Idee für das Tech-Center ist als Initiative unseres Strategieprojektes "Explorer" entstanden, das vor 2,5 Jahren gestartet wurde. Im Zuge dessen haben wir Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen zusammengebracht, die sich über die mögliche Entwicklung unseres Wirtschafts- und Gesellschaftslebens bis zum Jahr 2035 Gedanken gemacht haben und wie café+co in diesen Szenarien, mit den zur Verfügung stehenden Technologien, sein Angebot verbreitern kann. Seit der Eröffnung werden im Tech-Center – gruppenweit an einem Innovationshub gebündelt – neue Ideen auf ihre Umsetzbarkeit und ihren dauerhaften Einsatz geprüft. 

Ein erster Erfolg aus Modrice ist auch schon da. Bei dieser Innovation, die alle Anforderungen zu erfüllen scheint, handelt es sich um einen Automaten, der den gewünschten Kaffee, wahlweise mit Sirup, sowohl heiß als auch kalt servieren kann. Dafür wurde ein internes Kühl- bzw. "Ice Cube"-Modul entwickelt. Ein kleiner "Costa Coffee" oder "Starbucks" in Automatenform, wenn man so will. Aktuell durchläuft der Prototyp bereits Praxistests im betrieblichen Umfeld ausgewählter Kunden. Wenn das Produkt bei den Konsumenten erfolgreich ankommt, steht einem gruppenweiten Roll-out nichts mehr im Wege.

Hat die künstliche Intelligenz auch bei café+co ihre Spuren hinterlassen?
Ganz klar ja! Vor allem in der Optimierung unserer Systeme, auch wenn ich sagen muss, dass wir erst an der Oberfläche kratzen. Da liegt noch ein weites Feld an Möglichkeiten vor uns.
Was uns vorrangig antreibt, ist der Fortschritt für unsere Kunden und die Fragen: Was können wir anbieten, um entspannende Genussmomente zu schaffen, die Pause zu verbessern, einen Energieschub zu geben oder einfach nur ein gutes Gespräch zu begleiten?

Technologische Innovationen, mit oder ohne KI, sollen uns am Ende des Tages helfen, unser Service zu verbessern und unseren Kunden mehr Möglichkeiten zu eröffnen. Mit diesem Anspruch wollen wir Serviceleader in Zentral- und Osteuropa bleiben, diese Position ausbauen und weiter wachsen. Und das werden wir auch tun. (red.)

INFO-BOX
Über café+co International
café+co ist als Qualitäts- und Service-Leader im Bereich Automaten-Catering und Kaffeeversorgung in Zentral- und Osteuropa mit derzeit elf operativen Tochtergesellschaften in Österreich und in sieben weiteren Ländern tätig. Die Unternehmensgruppe beschäftigt sich vor allem mit dem Betrieb und Service von Automaten für Heiß- und Kaltgetränke bzw. Snacks sowie Espressomaschinen. Im Jahr 2025 wurden rd. 432 Millionen Portionen an den über 55.000 café+co-Standorten konsumiert. Neben den vollautomatischen café+co-Shops in Privatunternehmen und öffentlichen Einrichtungen betreibt café+co zudem Selbstbedienungscafés. In der Unternehmensgruppe sind über 2.300 Mitarbeitende beschäftigt.
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