Bei Miraplast in Würmla setzt man auf Innovationen. Das gilt auch für den erneuerten Maschinenpark. © Tobias Neumann/ENGEL
Markus Brunnthaler, Geschäftsführer Miraplast GmbH, im Interview.
Markus Brunnthaler ist nicht nur Geschäftsführer des vom Hochwasser 2024 schwer getroffenen Kunststoffverarbeiters Miraplast, sondern setzt sich zudem als Entsandter der Wirtschaftskammer für die Interessen von KMU in ganz Europa ein.
Herr Brunnthaler, was war für Sie der entscheidende Wendepunkt, an dem klar wurde: Wir schaffen ein Comeback?
Einen einzelnen Zeitpunkt könnte ich gar nicht benennen. Es stand für mich außer Zweifel, dass wir eine Rückkehr schaffen. Ich konnte am Tag nach dem Hochwasser sehr schnell mit der Versicherung, den wichtigsten Banken und den Kunden telefonieren. Von überall kamen Zusagen und Unterstützung. Der unglaubliche Einsatz meiner Mitarbeiter und die Unterstützung der Feuerwehr und des Militärs haben schnell großen Fortschritt gebracht. Mittlerweile sind wir wieder voll hergestellt.
Hatten Sie Sorge, dass Kunden abspringen könnten?
Ja schon, immerhin beliefern wir die großen Einzelhändler sowie die Industrie. Ein Lieferausfall hätte uns wirklich in große Schwierigkeiten gebracht. Mein Ansatzpunkt war, sehr offen und zeitnah mit allen Beteiligten zu kommunizieren. So haben wir regelmäßig den Fortschritt unserer Arbeit im Internet veröffentlicht. Auf Anfrage wurden Kunden auch im Detail über den Stand ihrer Bestellungen informiert. Regelmäßig habe ich auch an unsere Finanzierungspartner berichtet. Für diese Art von Krisenkommunikation haben wir von vielen Seiten Anerkennung bekommen.
Gab es Kundenreaktionen, die Sie besonders berührt oder motiviert haben?
Berührt hat mich in dieser Zeit sehr vieles. Ein sehr wichtiger Kunde hat es sich zum Beispiel nicht nehmen lassen, persönlich mit Verpflegung für die ganze Mannschaft vorbeizukommen und natürlich auch die Lage zu sondieren. Aber auch Lieferanten oder pensionierte Mitarbeiter haben uns bei den Aufräum- und Reparaturarbeiten unterstützt.
© Miraplast
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"Besonders kritisch sehe ich Regelungen, die nur für Großbetriebe gelten, dann aber bis zu den KMU durchsickern und so für zusätzlichen Aufwand sorgen."
Markus Brunnthaler, Geschäftsführer Miraplast GmbH
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Setzen Sie technologische Neuerungen ein, die es vor dem Hochwasser so noch nicht gab?
Natürlich, dafür hätte es aber das Hochwasser nicht gebraucht. So versuchen wir, regelmäßig Arbeitsschritte zu vereinfachen oder zu automatisieren. Das Hochwasser hat einfach dazu geführt, dass wir vieles in sehr kurzer Zeit umgesetzt haben. Dieses große Investitionspaket müssen wir jetzt erfolgreich verdauen.
In welchem Segment sehen Sie derzeit die stärkste Nachfrage?
Die Wirtschaft in der EU und ganz besonders in Österreich steht nicht gut da. Wir sind im dritten Jahr einer Rezession und die Prognosen sehr verhalten. Insofern können wir also nicht von einer starken Nachfrage sprechen.
Welche Rolle spielt der ungarische Standort aktuell?
Durch den Standort in Ungarn konnten wir einen Teil des Produktionsausfalls nach dem Hochwasser kompensieren. Ohne diese Unterstützung wäre es nicht gegangen. Mittlerweile macht uns die starke Lohndynamik dort zu schaffen. Mehr als 30 Prozent in drei Jahren ist eine Herausforderung.
Was führt Sie regelmäßig nach Brüssel?
Ich war von der Wirtschaftskammer entsandt, um für den europäischen KMU Verband (SmeUnited) an den Verhandlungen zum ersten Omnibuspaket teilzunehmen. Die EU-Kommission hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bürokratie um mindestens 25 Prozent zu reduzieren. Dafür brauchte es den Input der Firmen. Obwohl die KMU mit über 99 Prozent oder knapp 25 Millionen Unternehmen in ganz Europa die breite Basis bilden, ist unsere Stimme sehr leise. Ich bin deshalb auch im Dezember zu weiteren Gesprächen in Brüssel.
Welche Bedeutung hat Europa insgesamt für ein produzierendes Unternehmen wie Miraplast?
Europa hat einen großen Einfluss auf unsere Unternehmen. Schließlich kommt eine Vielzahl der Gesetze aus Brüssel. Problematisch ist die schiere Anzahl an Gesetzen – es herrscht eine regelrechte Regulierungsflut. Als KMU hier den Überblick zu bewahren, ist praktisch unmöglich, geschweige denn, die Umsetzung zu stemmen – es fehlt schlicht das Personal dazu. Besonders kritisch sehe ich Regelungen, die nur für Großbetriebe gelten, dann aber bis zu den KMU durchsickern und so für zusätzlichen Aufwand sorgen. Solche Effekte für KMU zu verhindern, war unter anderem ein Grund für meine Reise nach Brüssel. (BO)
www.miraplast.at