Die Preise sind seit Monaten Thema © APA - Austria Presse Agentur

Die Statistik Austria hat am Montag eine neue Datenbank zur Entwicklung der Lebensmittelpreise präsentiert. Das sogenannte Preisradar soll die Preisveränderungen bestimmter Produkte über den Zeitverlauf sichtbar und Vergleiche von Produktgruppen mit anderen Ländern möglich machen. Außerdem erlaubt das Tool einen Blick auf und Vergleiche von Indizes wie Großhandels- oder Erzeugerpreisen. Die Datenbank ist ab sofort unter https://www.statistik.at/preisradar/ abrufbar.

Insgesamt sind im Preisradar gut 100 verschiedene Lebensmittel ersichtlich, darunter viele Güter des täglichen Bedarfs wie Brot, Milch, Eier sowie verschiedene Gemüse- und Obstsorten. Ziel der Datenbank sei es, einen schnellen und kompakten Überblick über die Preissituation zu geben, so Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk bei einer Pressekonferenz. Dafür seien vorhandene Daten "übersichtlich und sinnvoll" zusammengefasst worden. Auf Ebene von Produktgruppen - darunter Getreide und Fleischwaren - gibt die Datenbank auch Vergleiche mit anderen Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder dem gesamten Euroraum her.

Lebensmittel im vergangenen Jahr drittstärkster Inflationstreiber

Die Teuerung im Bereich der Lebensmittel und entsprechende Preistransparenz - Stichwort Rabattaktionen - sind hierzulande seit Monaten ein heißes Thema. Wie Daten der Statistik Austria zeigen, erwiesen sich Lebensmittel im vergangenen Jahr auch als wesentlicher Treiber der Inflation - nur die Bereiche Wohnen, Wasser und Energie mit dem Auslaufen der Strompreisbremse sowie die Gruppe Hotels und Restaurants hatten einen noch größeren Effekt. Starke Preissteigerungen habe es insbesondere bei alkoholfreien Getränken (plus 16,8 Prozent) sowie bei der gewichtigen Ausgabengruppe Milch, Käse und Eier (plus 5,1 Prozent) gegeben. Bei Fleisch bzw. Fleischwaren, die ebenso einen großen Teil des Korbs ausmachen, erhöhten sich die Preise gegenüber 2024 um 4,4 Prozent, wie Statistik-Austria-Preisexpertin Alexandra Schindlar erläuterte.

Lenk: Effekte von Mehrwertsteuersenkung bleiben abzuwarten

Zum möglicherweise inflationsdämpfenden Effekt der angekündigten Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Grundnahrungsmittel wollte sich Lenk nicht näher äußern, zumal dieser erst abzuwarten sei. "Einschätzungen werden wir keine geben, weil wir das in den Zahlen sehen müssen", so die Generaldirektorin. Die von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) in der gestrigen "Pressestunde" angekündigte Liste von begünstigten Produkten umfasst neben Milch, Butter und Eiern etwa Reis, Zwiebel und Knoblauch, Salate, Gurken, Paradeiser, Erdäpfel, Äpfel, Birnen, Steinobst wie Marillen, Brot und Gebäck. Der Fokus soll auf jenen Produkten liegen, die in Österreich produziert werden, so Babler.

Jahresinflation 2025 bei 3,6 Prozent

Nach der Teuerungskrise im Jahr 2022 und 2023 und dem Rückgang im Jahr 2024 stieg die Jahresinflation 2025 in Österreich indes wieder an: Mit 3,6 Prozent lag sie deutlich höher als 2024 mit 2,9 Prozent. Damit fiel die Rate (nach HVPI-Berechnung ebenso 3,6 Prozent, Anm.) nicht nur höher als in den meisten Ländern der Eurozone - Österreich lag auf Rang 16 und damit in der unteren Hälfte - aus, sie lag auch deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent. Für die Jahresinflation 2026 prognostizierte das Wifo im Dezember einen Rückgang auf 2,6 Prozent, das IHS rechnet mit 2,5 Prozent. Die Nationalbank wiederum erwartet einen Rückgang auf 2,4 Prozent.

Regierung zieht positive Bilanz zu Inflationsbekämpfung

Die Bundesregierung zog bei einer weiteren Pressekonferenz indes eine positive Zwischenbilanz zu ihren Inflationsbekämpfungsmaßnahmen. Ob die bereits beschlossenen Schritte in den Bereichen Wohnen, Energie und Lebensmittel ausreichen werden, um das Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen, könne man zwar wegen globaler Entwicklungen nicht voraussagen, so der zuständige Staatssekretär Josef Schellhorn (NEOS) bei dem Medientermin. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bekräftigte in einem schriftlichen Statement aber, die Inflationsrate heuer auf 2 Prozent drücken und "weitere Anstrengungen" in diese Richtung unternehmen zu wollen.

Dass es diese weiteren Anstrengungen braucht, glaubt jedenfalls Wifo-Chef Gabriel Felbermayr: Inwieweit die Mehrwertsteuersenkung die Inflation drücken könnte, hänge unter anderem davon ab, ob diese auch von den Handelskonzernen an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden. Aber selbst das reiche nicht aus, "da braucht es schon noch mehr", sagte er am Rande eines Medientermins. Was die Ausgestaltung der Steuersenkung betrifft, meinte der Ökonom, dass er sich im davon umfassten Korb auch andere Güter wie Hygieneartikel und nicht nur Lebensmittel gewünscht hätte.

Kritik der Opposition

Kritik an der Inflationspolitik der Regierung kam von FPÖ und Grünen. FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm sah in der weiterhin hohen Inflationsrate "kein Zufallsprodukt", sondern "das direkte Ergebnis einer falschen Energie- und Klimapolitik". Jakob Schwarz, Budgetsprecher der Grünen, machte wiederum deren "Zick-Zack-Kurs" verantwortlich, da sie alle inflationsdämpfenden Maßnahmen der Vorgängerregierung habe auslaufen lassen. Auch der wirtschaftsliberale Thinktank Agenda Austria ließ kein gutes Haar an der Politik der Dreierkoalition: So habe der Staat die Inflation zuerst durch galoppierende Staatsausgaben befeuert und dann versucht "von Hand an den Preisen herumzuschrauben", so Agenda-Austria-Ökonom Jan Kluge.

Reaktionen zum Preisradar

Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) begrüßte indes das Preisradar als "wichtigen Schritt zu mehr Preistransparenz bei Lebensmitteln". Nach Ansicht der Nichtregierungsorganisationen (NGO) foodwatch sind die angekündigte Mehrwertsteuersenkung und das heute präsentierte Preisradar "grundsätzlich richtige Signale im Kampf gegen die Teuerung im Supermarkt". Allerdings würden über 40 Prozent der angekündigten Lebensmittel im Preisradar nicht aufscheinen. Damit bleibe ein erheblicher Teil der versprochenen Entlastung für Konsumentinnen und Konsumenten intransparent.