Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin Austropapier, im Porträt

NEW BUSINESS - NR. 10, OKTOBER 2022
»Um die Zukunft zu verändern, musst du mit der Gegenwart beginnen. Dieses Statement ist so simpel und doch so wahr und betrifft alle unsere Lebensbereiche, beruflich wie privat.« © Austropapier/Asojka

Keine Scheu vor neuem Terrain: Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin von Austropapier, kommuniziert mit Leib und Seele – auch außerhalb der Komfortzone.

Wer sich als ­„passionierte Quatschtante mit einem Faible für Ernährung und Umwelt“ bezeichnet, der weiß, wie man authentisch kommuniziert. Zu Beginn jedoch lag der akademische und berufliche Fokus von Sigrid Eckhardt eher auf ihrem Faible, als auf ihrer Passion. Denn in den Anfangsjahren der 2000er studierte sie Ernährungswissenschaften und begann 2009 ihre Laufbahn beim internationalen Lebensmittelkonzern Danone als Health Affairs Managerin. Insgesamt verbrachte sie 13 Jahre bei dem Unternehmen und arbeitete dabei in den unterschiedlichsten Bereichen – vom Marketing bis hin zu Regulatory Affairs, Quality Management, Kommunikation und Stakeholder-Management.

Harte Zeit hat sich gelohnt
Ihr kommunikatives Naturtalent war der Niederösterreicherin sicher damals schon nützlich. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes entschied sie sich dann dazu, auch ihre Passion auf stabile ­Beine zu stellen. „Nachdem ich schon ­teilweise in der Presseabteilung gearbeitet habe, wollte ich mir auch die Theorie aneignen und das Handwerk erlernen. So kehrte ich 2015 zurück auf die Uni und ­studierte berufsbegleitend PR und integrierte Kommunikation. Es war eine harte Zeit zwischen Vollzeitjob, Kindern und Studium – aber es hat sich gelohnt! Denn ich bin der Meinung, dass Kommunikation zu den Top Future Skills gehört, nicht nur für Führungskräfte, sondern für jede Art von beruflicher Anforderung“, erzählt sie.

So verlagerte sich der Schwerpunkt ihrer Arbeit in den vergangenen sechs Jahren auf die strategische Ausrichtung der externen Kommunikation und Eckhardt stieg bis zur Konzernsprecherin auf. Ab 2018 leitete sie die Corporate-Affairs-Abteilung des Konzerns, wo die Bereiche Kommunikation, Public Affairs, CSR und Nachhaltigkeit gebündelt waren – und ihre Stärken somit optimal zum Einsatz kamen. Unter anderem zählten dort der regelmäßige Austausch mit NGOs, Politik und Behörden zu ihren Aufgaben, genauso aber auch Tätigkeiten im Verbandswesen.

Man könnte sagen, dass die Niederösterreicherin sich damit bestmöglich auf ihren im April übernommenen Job als Geschäftsführerin der Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie vorbereitet hat. Andererseits ist es doch ein großer Schritt von Joghurt & Co. zum Papier. Aber den bequemen Weg des geringsten Widerstands zu wählen, liegt ihr ohnehin nicht. „Ich hatte und habe stets das Bestreben, Neues zu erlernen, und keine Scheu vor unbekanntem Terrain. Ganz im Gegenteil, ich denke, regelmäßig die Komfortzone zu verlassen und sich in fremde Gewässer zu wagen, gibt dem Leben erst die gewisse Würze“, sagt sie.

In einer männerdominierten Branche ist es nicht immer einfach, sich als Frau Gehör und Respekt zu verschaffen – noch dazu als Quereinsteigerin. „Darin liegt aber auch gleichzeitig die Besonderheit beziehungsweise vielmehr die Chance, behaupte ich. Gerade durch meine Außensicht auf die Branche gelingt es mir, komplexe Inhalte sehr einfach zu übersetzen und für jedermann verständlich zu machen. Für eine Interessensvertretung, die nicht nur mit Experten spricht, von enormer Bedeutung“, findet Sigrid Eckhardt klare Worte und ergänzt: „Wenn es schließlich um Details und Fachwissen geht, habe ich mein Experten­team im Rücken. Diese Mischung ist aktuell sehr kostbar.“

Das Stichwort lautet: Zusammenarbeit
Die Wertschätzung für ihr Team, die da mitschwingt, ist kein Lippenbekenntnis. Ihr Führungsstil ist kollaborativ, sie hält nichts von strengen Hierarchien. „Ich ermutige meine Mitarbeiter:innen stets zur Eigenverantwortung und bemühe mich, allen den Raum für Selbstverwirklichung und eigene Ideen zu geben. Zusammenarbeit in den Teams über funktionale Grenzen hinweg ist mir sehr wichtig. Ich halte hier die Rolle der Mentorin, die coacht und dazu motiviert, eigenständig zu arbeiten und vernetzend zu denken.“

Was hat Eckhardt noch vor? „Jetzt steht erst einmal im Zentrum, eine stabile Organisation und Struktur und ein gutes und schlagkräftiges Team aufzubauen, unter Berücksichtigung der jeweiligen Kompetenzen und Bedürfnisse. Es ist nicht meine Absicht, keinen Stein auf dem anderen zu lassen, dennoch stehen natürlich Änderungen bevor, durch die wir als Team gemeinsam in den nächsten Monaten gehen werden.“

Einiges zu tun also – gerade jetzt, wo sich die Papierindustrie, so wie viele andere Branchen, aufgrund der Energie­situation in einer schwierigen Phase befindet. „Auch hier ist das Stichwort Zusammenarbeit. Wir evaluieren als Interessensvertretung regelmäßig die für uns relevanten externen Einflussfaktoren und Trends. Danach geht es um den Austausch mit Verantwortungs­träger:innen. Das Wichtigste ist der ständige Dialog mit Politik, Behörden und Öffentlichkeit, um Lösungen zu erarbeiten und Hindernisse zu überwinden.“

Wenn beruflich derart viel auf dem Plan steht, mangelt es zwangsläufig an Freizeit. Besonders bei so vielen Hobbys, wie sie die natur- und sportbegeisterte Austropapier-Geschäftsführerin offenbart: „Meine absoluten Lieblingssportarten sind Yoga und Beachvolleyball. Ich mag aber auch Wandern, Laufen, Snowboarden, Reiten und vieles mehr. Hauptsache draußen! Darüber hinaus habe ich ein großes Herz für Hunde, insbesondere für unsere Labradoodle-Hündin Lotti. Außerdem habe ich ein Faible für Ernährung und Nachhaltigkeit. Ich koche gerne und lege den Fokus stets auf gesunde, biologische Lebensmittel.“ An Lebensfreude und dem Willen, etwas zu bewegen, herrscht bei Sigrid Eckhardt jedenfalls gewiss kein Mangel. (RNF)


12 FRAGEN AN SIGRID ECKHARDT

Was wollten Sie als Kind werden?
Zuerst Tierärztin und später Sängerin. Für Ersteres hatte ich nicht das nötige ­Vertrauen in mich, nachdem ich ein Geburtsvideo eines Kalbes gesehen habe. Und für Zweiteres fehlte mir das nötige Talent. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Glück ist für mich, meinem Leben Bedeutung und Tiefgang zu geben und dabei Freude zu empfinden. Niemand wird am Ende der Reise fragen, wie viel wir gearbeitet haben oder wie genau die Wäsche gebügelt war, sondern in welchen Momenten wir richtig glücklich waren. 

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Es war „Unbox your life“ von Tobias Beck, einem Bestsellerautor und „dem“ Speaker im deutschsprachigen Raum, den ich großartig finde!

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?
Mich inspirieren Menschen, die ihr Leben aktiv gestalten und ihre Träume verwirklichen. Das sind häufig unbekannte Persönlichkeiten, die ich kennengelernt habe. Dann ist da noch Esther Perel, Psychotherapeutin und Bestsellerautorin, deren Lebensweisheiten und therapeutische Sichtweisen ich sehr inspirierend finde.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Fange immer bei dir selbst an! Probiere nicht, andere Menschen zu verändern, bevor du selbst nicht dein Bestes gegeben hast.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?
Jane Goodall – ich würde gerne erfahren, wie das Leben und der Alltag einer so großartigen Frau ablaufen.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Als Working Mum sind es die kleinen Erfolge, die am Ende des Tages zählen. Beispielsweise die Abendroutine mit meinen Kindern nicht zu verpassen, trotz eines intensiven und langen Arbeitstages.

Was ist das Verrückteste, das Sie je getan haben?
Acht Wochen mit dem Zelt durch Frankreich mit einem Baby, das war im Nachhinein ziemlich verrückt und gleichzeitig eine der schönsten Erfahrungen. Und der Bungee-Sprung von der Jauntalbrücke wegen einer verlorenen Wette reiht sich auch ganz vorne unter den verrücktesten Ereignissen ein.

Worüber haben Sie zuletzt ­gelacht?
Mein Sohn hat mir seinen größten Traum verraten. Er möchte Iron Man werden. Das fand ich lustig und inspirierend zugleich. Kinder zeigen uns, wie es geht, groß zu träumen. Er ist überzeugt, dass das möglich ist, weil in Iron Man ein Mensch steckt. Er braucht also nur Erfinder zu werden. Echt genial!

Gibt es etwas, dass Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Ich wollte schon immer einmal in ein Kloster gehen, um zu schweigen – habe allerdings großen Respekt davor, da ich für mein Leben gerne kommuniziere.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Alles – ich liebe mein Leben! Noch dazu bin ich absoluter Morgenmensch. Sobald ich meine Augen öffne, bin ich schon auf den Beinen.

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie dann?
Ein Vogel, vielleicht ein Falke oder ein Adler. Ich stelle es mir wunderschön vor, durch die Lüfte zu gleiten und alles von oben zu betrachten.


ZUR PERSON
Breiter Erfahrungsschatz
Sigrid Eckhardt studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Wien sowie PR und integrierte Kommunikation an der Universität für Weiterbildung Krems. Ihre Karriere startete sie bei Danone als Health Affairs Managerin, wo sie Erfahrung in verschiedenen Bereichen der Lebensmittelbranche sammelte. In den letzten Jahren beschäftigte sie sich schwerpunktmäßig mit der strategischen Ausrichtung der Unternehmenskommunikation und war als Pressesprecherin für den Bereich Krisenkommunikation zuständig. Ab 2018 leitete sie die Corporate-Affairs-Abteilung bei Danone. Im April wechselte Eckhardt als Geschäftsführerin zu Austropapier.