Antrag beim Landesgericht Krems © APA - Austria Presse Agentur
Über drei Gesellschaften der in der Autozulieferer-Branche tätigen Pollmann-Gruppe ist am Dienstag am Landesgericht Krems ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet worden. Betroffen sind die Pollmann International GmbH, die Pollmann Austria GmbH und die Pollmann Werkzeugbau GmbH mit Hauptsitz in Karlstein in Niederösterreich. Beschäftigt werden rund 500 Mitarbeiter, der Gesamtschuldenstand liegt bei 74 Mio. Euro, wurde auf APA-Anfrage mitgeteilt.
Eine Fortführung der Unternehmen werde angestrebt, die Produktion laufe weiter, hieß es in einer Presseinformation. Geplant sei weiters "kein Kahlschlag", Ziel sei, "einen Großteil" der Beschäftigten zu halten, wurde seitens des Unternehmens auf Anfrage konkretisiert. Es gebe "weit fortgeschrittene Investorengespräche".
Betriebsrat und Arbeiterkammer seien eingebunden
"Aufgrund der Vielzahl der betroffenen Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer wurden der Betriebsrat und die Arbeiterkammer in den Prozess eng eingebunden", wurde in der schriftlichen Mitteilung festgehalten. Die ausländischen Tochterunternehmen in Tschechien, Mexiko und China seien von den österreichischen Verfahren ebenso wenig betroffen wie die Maxxom Automation GmbH.
Bei Pollmann International handelt es sich um die Konzernholding, Pollmann Austria betreibt nach Angaben des KSV1870 das größte Produktionswerk innerhalb der Pollmann-Gruppe. Die Pollmann Werkzeugbau GmbH beschäftigt sich demnach mit der Konstruktion und Fertigung von Spritzguss- und Stanzwerkzeugen für die Serienproduktion. Laut KSV1870 weist die Pollmann International GmbH (83 Dienstnehmer) Passiva von 32,1 Mio. Euro auf. Bei der Pollmann Austria GmbH (321 Dienstnehmer) sind es demnach 34,3 Mio. Euro, bei der Pollmann Werkzeugbau GmbH (57 Dienstnehmer) 7,5 Mio. Euro.
Neuaufstellung des Unternehmens
Verwiesen wurde von der Pollmann-Gruppe darauf, dass die Neuaufstellung des Unternehmens seit einiger Zeit laufe. "Ein Wechsel an der Unternehmensspitze, die Zusammenlegung und Verlagerung von einem Standort nach Karlstein, der Verkauf nicht betriebsnotwendiger Liegenschaften sowie parallel dazu ein strukturiert aufgesetzter Investorenprozess" wurden hervorgehoben. "Für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist ein Wandel und eine Restrukturierung in dieser Dimension aus eigener Kraft schwer umsetzbar, weshalb die Einleitung der Sanierungsverfahren nicht vermeidbar war." Begleitet werden die Gesellschaften nun von der Insolvenzrechtsexpertin Andrea Fruhstorfer.
Grund für den Sanierungsbedarf sei der "strukturelle Wandel der Automobilindustrie", eine "dauerhafte Verschiebung, die derzeit viele europäische Zulieferer" treffe. Weltweit wachse die Automobilproduktion weiter, der Druck entstehe im europäischen Markt. Wie der KSV1870 berichtete, werden den Gläubigern jeweils Sanierungsplanquoten von 20 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren ab Annahme des entsprechenden Sanierungsplans, angeboten. Die Anmeldungsfrist läuft jeweils bis zum 21. Oktober. Berichts- und Prüfungstagsatzungen sind für 4. November angesetzt, die Sanierungsplantagsatzungen folgen am 25. November.
Für Landesvize Udo Landbauer (FPÖ) ist die Insolvenz der "nächste schwere Schlag für den Industriestandort Niederösterreich". Es handle sich zudem um einen "Beleg für den industriellen Niedergang Europas, der von der Bundesregierung in Kauf genommen" werde.