Im August gab es einen neuerlichen Anstieg © APA - Austria Presse Agentur
Auch der August hat keine Entspannung am Arbeitsmarkt gebracht. Ende des Monats waren 375.730 Personen beim AMS arbeitslos oder in Schulung, das ist ein Zuwachs von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bedeutet den 41. Monat mit steigenden Zahlen in Folge. Besonders stark erhöhte sich neuerlich die Frauenarbeitslosigkeit (+5,8 Prozent), während sie bei Männern (-0,8 Prozent) rückläufig war. Grund ist unter anderem die Erhöhung des Pensionsantrittsalters von Frauen.
"Wir sehen, dass aufgrund der Anhebung des Antrittsalters die Arbeitslosigkeit von Frauen über 60 steigt. Das Positive ist, dass der Großteil der Frauen in Beschäftigung bleibt, aber eben ein Teil geht in die Arbeitslosigkeit ab und das verursacht das Steigen in dieser Gruppe", erklärte AMS-Vorständin Petra Draxl im Ö1-"Mittagsjournal". Hinzu komme, dass in typischen Frauenbranchen wie Gesundheit und Handel die Arbeitslosigkeit deutlich stärker steige, hieß es zuvor in einer Aussendung des Arbeitsmarktservice. Bei den Männern wiederum wirkt sich laut ORF-Radio die Erholung der Baubranche positiv aus.
Draxl verwies am Dienstag auch auf die neuen Zielvorgaben von Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) an das AMS, die jene Felder adressieren würden, die die größte Aufmerksamkeit bräuchten: Darunter die Arbeitslosigkeit von Frauen, Jugendlichen und Zugewanderten sowie generell unter älteren Personen.
Arbeitslosigkeit bei Älteren wächst
Für die Gruppe der Arbeitssuchenden über 50 Jahren gab es im August jedenfalls keine positiven Nachrichten, kletterte die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer doch um 6,4 Prozent nach oben. Immerhin zeigte sich bei den Jugendlichen (unter 25-Jährigen) mit minus 0,2 Prozent ein erfreulicher Trend.
Mit Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Bundesländern sticht Wien mit einem Rückgang von 1 Prozent hervor, während es in allen anderen Bundesländern zu Anstiegen kam. Am stärksten fiel dieser in Niederösterreich (+6,7 Prozent) aus, gefolgt von Vorarlberg (+5,9 Prozent), Tirol (+5,3 Prozent) und der Steiermark (+5,1 Prozent). Nach Branchen zeigten sich wesentliche Zuwächse allen voran im Gesundheits- und Sozialwesen (+11,5 Prozent), im Handel (+4,8 Prozent) und der Warenherstellung bzw. Industrie (+3,3 Prozent), während die Arbeitslosenzahlen in anderen wichtigen Branchen wie am Bau (plus 0,1 Prozent) kaum zulegten.
Weniger sofort verfügbare Stellen
Beim Jobangebot gab es laut den AMS-Daten neuerlich eine Verknappung, zumindest was sofort verfügbare Stellen betrifft. Die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen lag mit knapp 80.000 um 1,3 Prozent unter dem Vorjahr, bei den Lehrstellen fiel das Minus mit 15 Prozent noch deutlicher aus. Bei nicht sofort verfügbaren Stellen wies das AMS im Jahresvergleich hingegen deutliche Zuwächse aus.
Beim Stellenmonitor des ÖVP-Wirtschaftsbunds ergab sich mit rund 170.000 Vakanzen der "höchste Stand der vergangenen zwölf Monate". Er erfasst alle Jobportale und damit in der Regel mehr Stellenausschreibungen als das AMS. Damit zeige sich, dass die Betriebe "Mitarbeiter einstellen, ausbilden und investieren" wollen, hieß es in einer Mitteilung.
Kritik aus der Wirtschaft, Zuspruch von ÖGB und Arbeiterkammer
Dem Ruf von Schumann nach einem Bonus-Malus-System für ältere Arbeitskräfte kann der Wirtschaftsbund indes ebenso wenig wie die Wirtschaftskammer (WKÖ) abgewinnen, die ein solches für "kontraproduktiv, bürokratisch und ungerecht" hält. Die Unternehmerkammer bemängelt bei den neuen Zielvorgaben der Arbeitsministerin auch zu "wenig wirksame Ansätze". Ähnlich äußerte sich die Industriellenvereinigung (IV), die bei den Zielvorgaben den Fokus auf eine rasche Vermittlung vermisst. Immerhin sei positiv hervorzuheben, dass die Arbeitsministerin "die Herausforderungen der demographischen Entwicklung anerkennt".
Harsche Kritik kam von der FPÖ. Sie sah bei der Ministerin den "zynischen Versuch, von einem Totalversagen abzulenken" und eine Flucht in die "irrationale Hoffnung auf sogenannte Green Jobs". Rückendeckung kam hingegen von der Arbeiterkammer (AK), die die neuen Vorgaben als "wichtigen Schritt" bezeichnete und mit einem Fokus auf Qualifizierung klare "arbeitsmarktpolitische Prioritäten" erkennt. Ähnlich der Gewerkschaftsbund (ÖGB), der "wichtige Schwerpunkte, vor allem bei Qualifizierung, Weiterbildung und nachhaltiger Beschäftigung" ortet.