Die Wohnungsvergabe erfolgt künftig nach dem neuen System © APA - Austria Presse Agentur
Wien hat die Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen auf neue Beine gestellt. Künftig gibt es anstatt eines starren Kriterienkatalogs ein Bonuspunkte-System. Die entsprechenden Werte wurden nun veröffentlicht. Sie bestimmen die Reihung im Vergabeverfahren. Mehr Punkte erhalten etwa Personen, die einen größeren Unterstützungsbedarf haben.
Mit dem neuen System erfolgt auch die Zusammenführung der Vergabe von Unterkünften im Gemeindebau und im geförderten Segment. Zukünftig genügt ein einziges "Wohn-Ticket", um sich für eine dieser Wohnformen vormerken zu lassen. Ab 14. Juli wird die Vorab-Registrierung im neuen System möglich sein, am 22. September startet die "Wohnungsvergabe NEU" dann offiziell. Für Bewerberinnen und Bewerber, die bereits jetzt eingetragen sind, gibt es eine Übergangsfrist.
Pflegebedarf oder Gewalt stark gewichtet
Die Bonus-Liste steht nun fest, wie das Büro von Wohn-Stadträtin Elke Hanel-Torsch (SPÖ) der APA mitteilte. Bis zu 100 Punkte werden vergeben, wenn dringender Wohnbedarf aufgrund häuslicher Gewalt vorliegt. Auch eine Mobilitätseinschränkung in einer dafür ungeeigneten Wohnung fällt in die höchste Kategorie. Das gilt auch für Betroffene mit Pflegebedarf (ab Pflegestufe 3, Anm.), die zu Hause betreut werden.
Bis zu 80 Punkte können Alleinerziehende oder Personen, die von Wohnungsverlust bedroht sind, erhalten. Bei betreuten Personen sind es bis zu 75. Fast genauso hoch, nämlich mit 70 Punkten, wird auch ein Wechsel in eine kleinere Wohnung bewertet. Bis zu 50 Punkte können lukriert werden, wenn man bisher ohne Bad bzw. WC auskommen musste.
Auch eine Trennung bzw. Scheidung oder eine soziale Bedürftigkeit wirkt sich mit bis zu 50 Punkten aus. Ebenso viel können junge Menschen unter 25 Jahren erhalten. Für eine Aus- und Weiterbildung können noch einmal 20 Punkte dazukommen - und für eine Schwangerschaft 30. Den Wien-Bonus gibt es ebenfalls weiterhin: Wohnwerberinnen und Wohnwerber, die seit mindestens sechs Jahren einen durchgehenden Hauptwohnsitz in Wien haben, können bis zu 45 Punkte dadurch verdienen.
"Größte Weiterentwicklung des Systems"
"Das einzigartige Wiener Wohnbaumodell stellt die Weichen in die Zukunft. Die Wohnungsvergabe NEU ist die größte Weiterentwicklung unseres Vergabesystems seit Jahrzehnten", zeigte sich Stadträtin Hanel-Torsch überzeugt. Künftig werde leistbarer Wohnraum noch gezielter dort ankommen, wo er gebraucht werde.
Die Wiener NEOS-Klubobfrau Selma Arapovic äußerte sich ebenfalls zufrieden: "Das neue Bonuspunktesystem orientiert sich eng an den realen Lebensumständen der Wienerinnen und Wiener bei der Wohnungsvergabe." Durch die Kombination von Kriterien werde ein transparentes und flexibles Modell geschaffen.
Kritik der Opposition
Kritikpunkte - und auch ein wenig Lob - für das neue System gab es von der Opposition. Für die FPÖ bedeutet das Modell lediglich Mangelbewirtschaftung, da die geförderte Bauleistung nicht ausreiche, um die Menschen mit leistbarem Wohnraum zu versorgen, wie Parteichef Dominik Nepp beklagte. Faire Wohnungsvergabe würde überdies bedeuten, dass nur österreichische Staatsbürger Zugang haben dürften. Bemängelt wurde auch, dass viele Daten benötigt werden: "Das neue Punktesystem macht Wohnungswerber zu gläsernen Bürgern."
Die Grünen begrüßten die Reform grundsätzlich: "Die Vergabe von Gemeindewohnungen und geförderten Wohnungen war bisher ein ziemlicher Dschungel, der für viele schwer zu verstehen war", meinte Klubobmann Georg Prack. Das nun vorliegende System sei einfacher und nachvollziehbarer gestaltet. Die Grünen bekräftigten jedoch ihre Forderung nach einer regelmäßigen Überprüfung, ob dringender Wohnbedarf weiter existiert. Denn diese Wohnungen dürften kein "Freizeitwohnsitz" werden.
"Die neue Wohnungsvergabe bringt mehr Transparenz und ein nachvollziehbareres Punktesystem", hielt der Wohnbausprecher der Wiener ÖVP, Lorenz Mayer, fest. "Völlig unverständlich" bleibe jedoch, dass SPÖ und NEOS Deutschkenntnisse als Voraussetzung für eine Gemeindewohnung weiterhin ablehnen würden, befand er. Ohne gemeinsame Sprache werde Integration erschwert, der Alltag komplizierter und das Entstehen von Parallelgesellschaften begünstigt.
(S E R V I C E - Web: https://wohnberatung-wien.at/ )