Auch für die Bauern sollte die Lage nun erleichtert werden © APA - Austria Presse Agentur

Nach dem angekündigten Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf ist am Freitag ein Durchbruch bei der Versorgung mit heimischem Gemüse gelungen. Unternehmen wie Waldland wurden als Abnehmer und Verarbeiter gewonnen, das ebenfalls in Groß-Enzersdorf ansässige Schneiders Gemüseland weitet seine Kapazitäten deutlich aus und kooperiert ab Frühjahr 2027 auch mit Iglo. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) kann künftig bis zu rund 2.000 Hektar Anbaufläche bewirtschaften.

"Statt Abhängigkeit von einem einzigen internationalen Konzern steht unsere Gemüseversorgung damit zukünftig auf mehreren Beinen. Das ist ein großer Erfolg für die Versorgungssicherheit in unserem Land und den Produktionsstandort Niederösterreich sowie ein wichtiges Signal für unsere Bäuerinnen und Bauern", teilten Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) und der designierte Landwirtschaftskammer-Präsident Lorenz Mayr in der gemeinsamen Aussendung mit Verweis auf lange und schwierige Verhandlungen mit. Positiv äußerten sich auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP). Der Ressortchef sah eine "Lücke in der rot-weiß-roten Wertschöpfungskette" geschlossen, die Landeshauptfrau eine "starke Lösung für die Versorgung mit heimischem Gemüse". "Dieser Erfolg zeigt, was möglich ist, wenn wir zusammenhalten und gemeinsam an Lösungen arbeiten", hob Bauernbund-Präsident Georg Strasser hervor.

Schneiders Gemüseland mit Schlüsselrolle

Eine Schlüsselrolle in den Planungen hat Schneiders Gemüseland aus Groß-Enzersdorf inne. Das Unternehmen, das bereits jetzt u.a. Spar beliefert, wird seine Verarbeitungskapazitäten deutlich ausweiten und neue Absatzmöglichkeiten für die Marchfelder Gemüsebaubetriebe schaffen. "Wir entwickeln unsere Verarbeitung weiter und schaffen damit zusätzliche Kapazitäten. Damit wollen wir den Gemüsebaubetrieben in der Region neue Perspektiven eröffnen", betonte die Familie Schneider in der Aussendung des Landes und der NÖ Landwirtschaftskammer. Bereits ab dem kommenden Jahr könnten 20 Gemüsesorten "in voller Qualität zur Verfügung gestellt" werden, skizzierte Landesvize Pernkopf im APA-Gespräch.

Eine Partnerschaft zwischen Iglo und dem Schneiders Gemüseland im Bereich Tiefkühlgemüse ab Frühjahr 2027 wurde ebenfalls am Freitag bekanntgegeben. "Im Rahmen der Vereinbarung wird Schneiders Gemüseland für Iglo Gemüse aus dem Marchfeld verarbeiten, darunter Erbsen, Zuckermais, Karotten und gelbe Karotten, Zucchini, Pastinaken, weiße Speiserüben und Erdäpfel", wurde in einer Iglo-Aussendung mitgeteilt.

Seitens der ETG wird auch der zusätzliche Aufbau einer eigenen Blattgemüse- und Innovationen-Verarbeitungslinie geprüft. 2.000 Hektar Anbaufläche könne aufgrund der nun gefundenen Lösung mit Sojabohnen und Edamame, Blatt- und Wurzelgemüse, Kräutern wie Dill, Petersilie und Koriander sowie Erdäpfeln bewirtschaftet werden. ETG-Obmann Robert Kriegl ortete "sogar neue Perspektiven für die Betriebe". Beliefert werden sollen Waldland und mehrere Unternehmen, die ihre Verarbeitung ausbauen, jedoch vorerst nicht genannt werden wollen. Weitere Anbauflächen - für Ardo war zuvor auf 3.300 Hektar produziert worden - dürften von Schneiders Gemüseland direkt über die jeweiligen Bauern akquiriert werden.

Sozialplan-Verhandlungsrunde verschoben

Die für Freitag geplante Verhandlungsrunde in Sachen Sozialplan fand indes nicht statt, sie wurde auf nächsten Donnerstag verschoben. Im Zusammenhang mit den Gesprächen wird es jedenfalls am Montag eine Protest- und Solidaritätskundgebung vor dem Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf geben, die von den Gewerkschaften PRO-GE und GPA organisiert wird. Sprechen werden ab 8.00 Uhr u.a. die Bundesvorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA) sowie Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich und Vorsitzender des ÖGB NÖ.

Ende September hatte die belgische Ardo-Gruppe bekanntgegeben, ihr Werk in Groß-Enzersdorf Ende August 2027 zu schließen. An dem Standort im Bezirk Gänserndorf wird beispielsweise für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar produziert. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die der Sozialplan erarbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Ardo hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für das Unternehmen produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.