AUA sieht politische Schritte als Baustein für eigenen Erfolg © APA - Austria Presse Agentur
Die Zukunft der Langstrecke der Austrian Airlines (AUA) steht infrage. Wie die Fluglinie am Dienstag auf Anfrage bestätigte, erhält sie vom deutschen Mutterkonzern Lufthansa vorerst keine weiteren, neuen Langstreckenflugzeuge des Typs Boeing 777 Dreamliner. Schon vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass unsicher sei, ob fünf der insgesamt zwölf geplanten Flieger nach Wien zur AUA kommen, um Druck auf die Politik auszuüben, die Kosten des Luftfahrtstandorts zu senken.
"Austrian Airlines bestätigt, dass die fünf fabriksneuen Dreamliner, die ab Ende 2027 zur Auslieferung stehen, innerhalb der Lufthansa Group anderweitig eingesetzt werden", erklärte die AUA in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. Das heißt, die bisherigen alten Jets des Typs Boeing 777 werden "jedenfalls bis Ende 2029/Anfang 2030 betrieben".
Ganz vom Tisch ist die Erneuerung der Langstreckenflotte aber nicht. "Für Austrian Airlines könnte sich eine andere Option realisieren, im Zuge derer die bestehende Boeing 777-Flotte ersetzt werden könnte. Die aktuellen Gespräche zur Standortsicherung mit der österreichischen Politik sind hierbei ein entscheidender Baustein", hieß es.
Die AUA verzeichnete im dritten Quartal mehr Umsatz und ein höheres operatives Ergebnis als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Die Erlöse stiegen von Juli bis September um 13 Prozent auf 851 Mio. Euro, das Ebit kletterte um 19 Prozent auf 140 Mio. Euro. Die Passagier-Zahl stieg um 3 Prozent auf 4,89 Millionen, teilte Austrian Dienstagfrüh mit. Die Auslastung sank um 1,4 Punkte auf 86,8 Prozent. Einmal mehr beklagte die AUA "lähmende Standortkosten".
"Es ist uns gelungen, unsere internen Kosten im Griff zu behalten sowie die ursprünglich für Nahost geplanten Kapazitäten in touristische Destinationen in ganz Europa zu verlagern", so Austrian-Chefin Annette Mann in der Unternehmensaussendung. Diese Verbindungen nach Mallorca, Nizza und Co. seien auch "sehr gut angenommen" worden.
Die AUA verwies in ihrer Aussendung weiters auf die Pünktlichkeit bei Abflug und Ankunft, die um 2,8 bzw. 2,5 Prozentpunkte gestiegen sind. Der Flugplan wurde zu 99,2 Prozent regulär abgeflogen. Im September sei man die pünktlichste Airline Europas gewesen.
Wo der Austrian-Schuh drückt
Doch insgesamt drückt der Schuh. Im Vergleich der ersten drei Quartale zusammen stieg der Umsatz zwar um 7 Prozent auf 2,07 Mrd. Euro. Das bereinigte Ebit brach allerdings um 37 Prozent auf 48 Mio. Euro ein. Die Bedingungen am Luftfahrtstandort Österreich blieben nämlich herausfordernd, bekräftigte die AUA.
Ein guter Sommer könne keine schwierigen Rahmenbedingungen ausgleichen. "Nach wie vor gilt: Die strukturellen Belastungen des Standorts lassen kaum eine nachhaltige Zukunftsplanung zu", kritisierte Mann einmal mehr. Zuletzt hatten sich immerhin insgesamt acht Landeshauptleute für ein Aus oder die Absenkung der Flugabgabe ausgesprochen. Nicht nur diese Abgabe ist wie vielfach berichtet auch Mann, ihrer AUA sowie weiteren Fluggesellschaften ein Dorn im Auge.
Angesichts der anhaltenden Rekordkosten für Kerosin stehen zudem weiter einige AUA-Verbindungen, insbesondere jene der Ultrakurzstrecken, wirtschaftlich auf dem Prüfstand. Zum Ende des Sommerflugplans wurden bereits die Verbindung Wien-Graz aus dem Streckennetz genommen und in Summe bisher 5 Prozent der Kapazitäten im Winterflugplan 2026/27 gegenüber dem Vorjahr reduziert.
AUA sieht politische Schritte als Baustein für eigenen Erfolg
Zudem sei die Verfügbarkeit neuer Flugzeuge am Weltmarkt sehr knapp, die Hersteller Boeing und Airbus sind teils Jahre bei den Auslieferungen im Rückstand. Entsprechend umkämpft sind Neuauslieferungen, auch innerhalb der Lufthansa-Gruppe. "Ersatz- und Wachstumsinvestitionen erfolgen dort, wo sie wirtschaftlich langfristig die besten Perspektiven bieten", hieß es von der AUA. Insgesamt seien die "Gespräche mit der Bundesregierung aber auf einem guten Weg", so Chefin Mann.