Gastronomie als übernahmestärkste Branche © APA - Austria Presse Agentur
In Österreich haben im Jahr 2025 so viele Betriebe wie noch nie den Eigentümer gewechselt. Mit 8.202 Übernahmen wurde ein Rekordwert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1998 verzeichnet, wie die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mitteilte. Das war ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den kommenden Jahren steht eine große Übergabewelle bevor, deshalb fordert die Wirtschaftskammer steuerliche Erleichterungen.
Seit 2021 wurden in Österreich mehr als 37.000 Betriebe übergeben. Bis 2034 stehen österreichweit rund 52.500 kleine und mittlere Unternehmen - ohne Ein-Personen-Unternehmen - zur Übergabe an. Das entspricht laut WKÖ rund 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe. Mit diesen Unternehmen sind rund 705.000 Arbeitsplätze verbunden.
Derzeit finden noch rund 55 Prozent aller Übergaben innerhalb der Familie statt, die Tendenz ist aber sinkend. Laut einer Studie der KMU Forschung Austria steigern 61 Prozent der Nachfolgenden ihren Umsatz, und 60 Prozent investieren mehr als ihre Vorgänger. Bei rund der Hälfte der Betriebe bleibt die Beschäftigung stabil, 36 Prozent stellen zusätzliches Personal ein.
Gastronomie als übernahmestärkste Branche
Der größte Anteil der Übergaben fand im Vorjahr mit 30,5 Prozent im Gewerbe und Handwerk statt, gefolgt von der Tourismus- und Freizeitwirtschaft mit 25,1 Prozent und dem Handel mit 19,9 Prozent. Weitere Anteile entfielen auf Information und Consulting (17,6 Prozent), Transport und Verkehr (6,5 Prozent) sowie die Industrie (0,3 Prozent). Die mit Abstand übernahmestärkste Einzelbranche war die Gastronomie mit 1.575 Betriebsübernahmen.
Angesichts der bevorstehenden Übergabewelle fordert die Wirtschaftskammer von der Politik eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Unter anderem verlangt die Kammer, den Freibetrag für Veräußerungsgewinne von derzeit 7.300 Euro auf 45.000 Euro anzuheben. Auch die Altersgrenze für die Tarifbegünstigung, den sogenannten Hälftesteuersatz, solle gesenkt werden. Dabei werden Gewinne aus einer Betriebsveräußerung unter bestimmten Voraussetzungen mit der Hälfte des sonst maßgeblichen durchschnittlichen Einkommensteuersatzes besteuert. Derzeit setzt die altersbedingte Begünstigung unter anderem voraus, dass der Übergeber mindestens 60 Jahre alt ist und seine Erwerbstätigkeit einstellt.
Für eine leichtere Finanzierung fordert die WKÖ einen Beteiligungsfreibetrag, durch den private Beteiligungen an Betriebsübernahmen bis zu 100.000 Euro über fünf Jahre steuerlich absetzbar sein sollen. "Jetzt müssen wir alles daransetzen, dass möglichst viele dieser Betriebe erfolgreich übergeben und weitergeführt werden", betonte Wirtschaftskammer-Präsidentin Martha Schultz. Auch Verena Eugster, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, betonte: "Wer diesen Schritt geht, braucht auch die richtigen Rahmenbedingungen. Jetzt ist die Politik am Zug."
Kammer bietet Unterstützung an
Die Wirtschaftskammer bietet Betrieben Unterstützung unter anderen durch Beratungen und ihre Online-Nachfolgebörse an, auf der aktuell mehr als 1.000 aktive Inserate zu finden seien. Allein im Jahr 2025 seien österreichweit 2.300 persönliche Nachfolgeberatungen durchgeführt worden.