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Bundesinnungsmeister Frank Böhler freut sich über die Zusammenarbeit mit Michaela Plank und Matthias Katschnig. © Plank&Katschnig

Die Bundesinnung der Kunststoffverarbeiter steht vor essenziellen Aufgaben, um die Branche zukunftssicher zu machen.

Die Bundesinnung der Kunststoffverarbeiter vertritt über 700 Betriebe und steht vor essenziellen Aufgaben, um die Branche zukunftssicher zu machen. Die größten aktuellen Herausforderungen liegen in der Bewältigung strenger Regulierungen, hohem Wettbewerbsdruck und dem Streben nach Nachhaltigkeit.

Die Themen Kreislaufwirtschaft, Recycling und Nachhaltigkeit haben das kunststoffverarbeitende Gewerbe in den vergangenen Jahren stark verändert. Unternehmen arbeiten heute enger zusammen, entwickeln gemeinsame Lösungen und bauen neue Netzwerke auf. Gleichzeitig steigen durch europäische Richtlinien und gesetzliche Vorgaben die Anforderungen an die Betriebe laufend an. Viele dieser Herausforderungen lassen sich, besonders von kleinen und mittelständischen Unternehmen, kaum mehr alleine bewältigen. Vor diesem Hintergrund werden technische Beratung, regulatorisches Know-how und praxisorientierte Unterstützung für viele Unternehmen zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

"Die Betriebe brauchen keine zusätzlichen theoretischen Unterlagen, sondern konkrete Orientierung für die praktische Umsetzung", betont Bundesinnungsmeister der gewerblichen Kunststoffverarbeiter Frank Böhler. Ziel ist es, komplexe europäische Vorgaben frühzeitig zu analysieren und praxisnah aufzubereiten.

 

© brand images
 

"Unser Ziel ist es, KMUs mit unserer gesamten Erfahrung und Expertise praxisnah und anwendungsorientiert durch den Verordnungs- und Regulierungsdschungel unterstützend zu begleiten – damit notwendige Anforderungen effizient umgesetzt werden können, ohne den Fokus auf eine funktionierende Produktion zu verlieren."
Michaela Plank

 

Verstärkte Serviceangebote
Die Wirtschaftskammer setzt verstärkt auf Service- und Unterstützungsangebote für ihre Mitgliedsbetriebe. In den Landeskammern finden regelmäßig Informationsveranstaltungen zu Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und regulatorischen Entwicklungen statt. Ergänzend stehen Beratungsangebote und Expertennetzwerke zur Verfügung. Iris Dittenbach, Geschäftsführerin der Bundesinnung, betont: "Die Angebote sind vielfältig – sie müssen von den Unternehmen nur abgeholt werden!" Vielen ist noch nicht bewusst, dass sie auch indirekt von Berichtspflichten betroffen sind, etwa über Anforderungen entlang der Lieferketten: "Wenn ein Unternehmen die Anforderungen nicht erfüllen kann, ist es als Zulieferer nicht mehr gefragt."

Kunststoffverarbeitung in Europa im nachhaltigen Wandel 
Getrieben durch neue Regulierungen und veränderte Marktanforderungen entstehen für Kunststoffverarbeiter erhebliche Chancen. Unternehmen, die frühzeitig auf ressourceneffiziente Produktion, nachhaltige Materialien und transparente Lieferketten setzen, können Wettbewerbsvorteile sichern und neue Märkte erschließen. Nachhaltigkeit wird damit zum strategischen Erfolgsfaktor. Im Zentrum stehen zwei zentrale (europäische) Ziele: Ressourcen- und Klimaschutz.

Der Ressourcenschutz verlangt insbesondere eine verstärkte Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen. Im Fokus steht dabei vor allem die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation). Sie betrifft nahezu alle Kunststoffverarbeiter direkt oder indirekt, da Verpackungen einen erheblichen Anteil am Kunststoffverbrauch ausmachen. Bis 2030 sollen alle Verpackungen recyclingfähig sein. Gleichzeitig werden verbindliche Mindestanteile für Rezyklate eingeführt, die bis 2040 weiter steigen sollen, ergänzt durch Vorgaben zur Reduktion von Verpackungsmengen, Begrenzung von Leerraum sowie gesteigerte Mehrwegquoten.

Für die Kunststoffverarbeitung bedeutet dies vor allem eine Änderung im Produktdesign: komplexe Multilayerverpackungen werden zunehmend durch Monomateriallösungen ersetzt, um Recyclingströme zu vereinfachen und gleichzeitig hochwertige Rezyklate einzusetzen.

Bereits heute wirksam ist zudem die Einwegkunststoffrichtlinie SUPD (Single Use Plastics Directive), die Kunststoffabfälle in der Umwelt reduzieren soll. Bestimmte Produkte werden verboten, für andere gelten neue Designvorgaben, etwa fest verbundene Verschlüsse bei Trinkflaschen. Ressourcenschutz umfasst auch die Vermeidung umweltschädlicher Emissionen in Luft, Wasser und Boden.

Daher verschärft sich branchenübergreifend die Chemikalienregulierung: Im Rahmen der REACH-Verordnung werden Additive und bewusst zugesetztes Mikroplastik stärker reguliert, während die PFAS-Regulierung per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen beschränkt. Dies wird zu tiefgreifenden materialtechnischen Anpassungen vieler Kunststoffprodukte führen.

 

INFO-BOX
Brücke zwischen Regulatorik und industrieller Umsetzung
Plank&Katschnig ist eine Kooperationsmarke der MPLANK e. U. und der KCG Katschnig Consult GmbH. Hinter der Zusammenarbeit stehen zwei Kunststofftechniker der Montanuniversität Leoben mit insgesamt über 30 Jahren Erfahrung in den Bereichen Kunststoffverarbeitung, Maschinenbau und Nachhaltigkeit. 

Das Leistungsspektrum umfasst Beratung und Dienstleistungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Recycling und Kreislaufwirtschaft, 3D-Druck/Additive Fertigung, Kunststoffauswahl und Werkstoffberatung, Gutachten und Schadensanalyse, Verfahrens- und Prozesstechnik (Extrusion, Compoundierung, Aufbereitung und Spritzguss) sowie KI-Konzepte für die Kunststoffverarbeitung. Als kooptierte Mitglieder im Bundesinnungsausschuss verbinden Plank&Katschnig akademisches Know-how mit praxisorientierter technischer Umsetzung – mit dem Anspruch, regulatorische Anforderungen verständlich in die industrielle Praxis zu übersetzen und damit zusätzliche Wertschöpfung für die Unternehmen zu generieren.
office@plank-katschnig.at

 

Auch der Klimaschutz betrifft Kunststoffverarbeiter zunehmend. Wesentliche Treiber sind der EU-Emissionshandel (ETS), der steigende CO2-Preis sowie der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), der CO2-intensive Importe verteuern soll. Unternehmen müssen daher Energieverbrauch, Materialeinsatz und produktbezogene Emissionen systematisch erfassen und reduzieren. Kunden und OEMs verlangen bereits heute belastbare CO2-Daten entlang der Lieferkette. Unternehmen ohne transparente CO2-Bewertung ihrer Prozesse und Produkte riskieren künftig Wettbewerbsnachteile und Umsatzeinbußen.

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sowie dem Voluntary Sustainability Reporting Standard (VSME) für KMU entstehen zudem einheitliche Standards für den Nachweis von unternehmerischen Klima- und Ressourcenschutzmaßnahmen. Diese Berichtsstandards verhindern Greenwashing und wirken entlang der gesamten Lieferkette und betreffen damit direkt die Kunststoffverarbeiter.

Es lassen sich generell drei zentrale Trends ableiten: Nachhaltiges Produktdesign im Sinne von Design for Recycling wird zunehmend regulatorisch bestimmt, Sekundärrohstoffe entwickeln sich vom günstigen Rohstoff zum strategischen Premiumwerkstoff und die Anforderungen an Datenqualität sowie Nachhaltigkeitsnachweise steigen erheblich. Kunststoffverarbeiter, die sich frühzeitig systematisch mit der neuen Regulatorik auseinandersetzen und diese in ihre Wertschöpfung integrieren, werden zu den Gewinnern der entstehenden Märkte zählen. (PR)

www.kunststoffverarbeiter.at