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Huawei hat beim Mobile World Congress in Barcelona sein neues SuperPoD-Portfolio vorgestellt. © Huawei

Beim MWC in Barcelona präsentierte Huawei seine Antwort auf die KI-Hardware von Nvidia. Ebenfalls Gesprächsthema war der mögliche Ausschluss chinesischer Anbieter aus Europas Telko-Netzen.

Künstliche Intelligenz war in diesem Jahr wieder eines der bestimmenden Themen am Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, das sich durch alle Hallen und Produktkategorien zog – von der infrastrukturellen Netzwerkebene bei den Betreibern bis hin zu den Devices in den Händen der Endkonsument:innen. Die Auswahl ist riesig.

Wo jedoch weniger Auswahl herrscht, das ist bei der technologischen Basis von KI: den Chips und Rechensystemen, auf denen die AI-Modelle trainiert und betrieben werden. Das beschert dem Marktführer Nvidia sagenhafte Umsätze. Schließlich gibt es kaum eine Alternative, die frei auf dem Markt verfügbar wäre.

Schlüsselfertiger KI-Cluster
Das soll sich jetzt ändern. Der chinesische Technologiegigant Huawei steigt mit seinem SuperPoD-Portfolio jetzt international gegen den Platzhirschen in den Ring. Allen voran mit dem Spitzenprodukt Atlas 950 SuperPoD soll in diesem Bereich Boden gut gemacht werden. Er ist als hochintegrierte, schlüsselfertige KI-Cluster-Lösung konzipiert und kombiniert leistungsstarke KI-Prozessoren, Hochgeschwindigkeits-Interconnects, optimierte Storage-Architekturen sowie ein durchgängiges Management-Framework zu einer vorkonfigurierten Infrastrukturplattform für Rechenzentren.

Mit dem "KI-Flaggschiff" sollen laut Aussage von Michael Lemke, Chief Security Officer und Senior Technology Expert bei Huawei Technologies Deutschland, im Vollausbau bis zu 8.192 Neural Processing Units (NPUs) in 128 Cabinets betrieben werden können. "Die Maschine ist sehr zuverlässig, das sieht man an der MTBF (Mean Time Between Failures) von über 30 Stunden im ununterbrochenen Training. Das ist schon eine Hausnummer", so der Experte.

"Mehr Diversität in den Markt"
Mit seinen neuen Lösungen will der vor allem als Netzwerkausrüster und Consumer-Devices-Hersteller bekannte Anbieter Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Cloud-Anbietern eine schnelle Implementierung großskaliger KI-Trainingsumgebungen ermöglichen und bekennt sich dabei zu Open-Source-Ansätzen sowie offener Zusammenarbeit. 

"Mit unseren neuen SuperPoD-Lösungen bieten wir dem globalen KI-Markt zusätzliche Alternativen und bringen mehr Diversität in den Markt", erklärt Michael Nowak, Unternehmenssprecher von Huawei Austria. "Der Ausbau souveräner und leistungsfähiger KI-Rechenkapazitäten ist eine zentrale Voraussetzung für Innovationsfähigkeit, Wettbewerbsstärke und digitale Resilienz. Ein breit aufgestellter Markt unterstützt diese Ziele." 

Michael Nowak,
Unternehmenssprecher
von Huawei Austria
© Huawei

Die Intelligenz wandert ins Netz
Neben der Vorstellung der SuperPoD-Lösungen setzte Huawei auf dem MWC 2026 einen weiteren strategischen Schwerpunkt: die enge Verzahnung von KI-Infrastruktur und künftigen Mobilfunkgenerationen. Mit Blick auf 5G-Advanced (5G-A) im U6GHz-Bereich und die Weiterentwicklung hin zu 6G arbeitet Huawei an Netzarchitekturen, die native KI-Funktionalitäten integrieren und so die Grundlage für intelligente, selbstoptimierende Netze schaffen. 

Im Fokus stehen ultra-hohe Datenraten, verbesserte Spektrumeffizienz sowie neue Anwendungsszenarien in Industrie, Mobilität und immersiven Diensten. Die Weiterentwicklung im U6GHz-Spektrum soll die Netzkapazität signifikant erhöhen und gleichzeitig eine stabile Grundlage für datenintensive KI-Anwendungen schaffen – von Edge-Computing bis hin zu verteilten Trainingsumgebungen. 

Ausschluss würde Europa zurückwerfen
Huawei ist für die Telekom-Betreiber Europas und insbesondere in Österreich ein geschätzter Partner und Lieferant. Doch in den letzten Jahren gibt es vermehrte Bemühungen von politischer Seite, außereuropäische und vor allem chinesische Anbieter aus der Infrastruktur zu verbannen. So etwa im jüngsten Cybersecurity Act 2 der EU, wo im aktuellen Vorschlag von "Hochrisiko-Anbietern" die Rede ist. Ohne Namen oder Nationen zu nennen ist doch klar, worauf damit abgezielt wird. Im Raum steht, Produkte von chinesischen Anbietern aus den Netzen zu entfernen und gegen die Produkte anderer Hersteller zu ersetzen – mit teilweise in der Praxis schwer umzusetzenden Fristen.

Unternehmenssprecher Michael Nowak unterstreicht im Gespräch mit NEW BUSINESS, dass Huawei das wahrscheinlich "am meisten geprüfte Unternehmen der Welt" sei und betont, dass es keinerlei Anhaltspunkte für Spionage gäbe und die Technologie zudem durch die jeweiligen Betreiber intensiv kontrolliert würde. Nowak dazu: "Egal, was für ein Produkt wir auf den Markt bringen, es schauen fünf mal so viele Leute drauf wie auf jedes andere Produkt." Zudem würden die mit einem Austausch der Hardware verbundenen Kosten teilweise massiv unterschätzt, ganz zu schweigen von dem Aufwand. Insgesamt würde es die Digitalisierungsbemühungen Europas seiner Meinung nach massiv zurückwerfen, wenn bestimmte Hersteller verbannt würden. (RNF)