Günther Schwaiger, Geschäftsführer & Gründer Network Dimensions, im Porträt.

NEW BUSINESS - NR. 7/8, JULI/AUGUST 2026
»Trotz des Hypes rund um KI dürfen wir die Menschen nicht außer Acht lassen – das liegt mir sehr am Herzen.« © Robert Harson

Der Glaube an die Idee: Günther Schwaiger kam aus der Chemie, fand aber rasch zur IT. Heute treibt er die Digitalisierung der Baubranche voran.

Wenn man Günther Schwaiger, Gründer und Geschäftsführer der Network Dimensions GmbH, heute nach seinem Einstieg in die IT-Welt fragt, schmunzelt der gebürtige Waidhofner: Er sei damals „unfallhaft“ in die Branche eingestiegen. Der unverhoffte Auslöser dafür war ­eine Computeraktion für Studenten in den 1980er-Jahren. Denn eigentlich schlug das Herz des jungen Niederösterreichers voll und ganz für die Naturwissen­schaften.

Nach der Matura 1984 schrieb er sich daher auch für das Studium der Technischen Chemie an der TU Wien ein und belegte parallel einige Semester Handelswissenschaften an der WU. Doch nicht nur chemische Reaktionen sind oft unvorhersehbar, sondern auch Lebenswege. Beeinflusst durch diesen „digitalen Funken“, wurde aus dem ­angehenden Chemiker, der als Kind außerdem noch mit einer Karriere als Mediziner geliebäugelt hatte, ein leidenschaftlicher IT-Pionier.

Schwaiger ­saugte das neue Wissen auf und gab es bald in Schulungen für MS-DOS, Office und später auch das IBM-Portfolio weiter. So etwas wie ein Startschuss für seine unternehmerische Reise war dann die Programmierung einer Rezepturenverwaltung für eine Konditorei. Daraus entwickelte sich ein Produktionsplanungs- und Steuerungssystem für eine Süßwarenproduktion. Das war das Fundament für die Gründung von Network Dimensions im Jahr 1997.

Infiziert von der Komplexität
Ein weiterer großer Wendepunkt in Schwaigers beruflicher Laufbahn – neben dem Schwenk von den Naturwissenschaften zur IT – resultierte aus dem intensiven Austausch mit einem Freund im Baunebengewerbe. „Die Komplexität der Baukalkulation und der betrieblichen Abläufe hat mich ‚infiziert‘, der riesige Bedarf wurde schnell klar“, erinnert sich der Geschäftsführer.

Ab 1994 reifte eine Vision in ihm: eine integrierte Bausoftware zu entwickeln, mit der Absicht, alle betrieblichen Prozesse von Bauunternehmen zu digitalisieren. 1998 setzte er dieses Vorhaben in die Realität um: Auf Basis der ERP-Standardsoftware Navision (später von Microsoft gekauft, heute Microsoft Dynamics 365 Business Central) entstand die erfolgreiche Branchenlösung ­MEGABAU. Es folgten Markteintritte in Deutschland im Jahr 2006 und in der Schweiz 2008. 

Der Mut, neue Wege zu gehen, die damals noch keineswegs „State of the Art“ waren, machte sich bezahlt, auch wenn er damit anfangs durchaus den einen oder anderen skeptischen Blick auf sich zog. Heute nimmt das Unternehmen am Markt eine Sonderstellung ein. „Es gibt kaum vergleichbare Lösungen wie unsere Bau-Branchenlösung MEGABAU am Markt“, stellt Schwaiger fest. Den anhaltenden Erfolg führt er auf ein ­klares Rezept zurück: „Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen, Forschungsdrang und der Glaube an die Idee.“

Drei Rollen, ein Fokus
Seine Position bringt vielschichtige Herausforderungen mit sich. Schwaiger vereint im Alltag drei wesentliche Rollen: Er fungiert als Experte mit tiefem IT- und bauspezifischem Fachwissen, hält das Unternehmen zusammen und treibt als Visionär strategische Zukunftsthemen voran. Was hält seine Faszination für den Beruf nach all den Jahren aufrecht? „Das Sich-selbst-regelmäßig-Neuerfinden, die Möglichkeit, Dinge zu gestalten, sowie die Dynamik und die permanente ‚Innovation Power‘ der Softwarebranche – so wie im Moment auch betreffend KI-Integration“, erklärt er. Bei aller Begeisterung für den technologischen Wandel verliert Schwaiger das Wesentliche aber nicht aus den Augen: „Trotz des Hypes rund um KI dürfen wir die Menschen nicht außer Acht lassen – das liegt mir sehr am Herzen.“

Seinen Führungsstil beschreibt der Firmenchef kurz, prägnant und mit einem Augenzwinkern als „amikal, aber fordernd“. Er erwartet von seinem Team selbstständiges Denken und Handeln, Neugier, Freude an der Sache und die Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Im Gegenzug darf man sich von ihm Aufrichtigkeit, Kollegialität und tatkräftige Unterstützung erwarten. Schwaiger sieht sich dabei auch als Coach: „Es treibt mich an, wenn ich andere Menschen entwickeln kann.“ Diese Wertekultur spiegelt sich im gesamten Unternehmen wider, das von Kundennähe und hohem Qualitätsbewusstsein geprägt ist. 

Wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen begegnet er konsequent „angstfrei“ – immer mit der Vision im Blick und dennoch offen für neue Trends – und will den Wandel lieber aktiv selbst voranbringen. Begleitet wird er dabei seit Jahrzehnten von Mitarbeitern der ersten Stunde, langjährigen Partnern und natürlich seiner Familie – mit seiner Frau Martina ist er seit 1995 glücklich verheiratet und gemeinsam sind sie die stolzen Eltern von zwei Kindern. 

Die weiteren Ziele auf der beruflichen Reise sind gesteckt: Im Raum stehen die weitere Expansion im EU-Raum, sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten von KI in den Geschäftsprozessen der Bauwirtschaft und andere strategische Zukunftsthemen. Da bleibt wenig Freizeit übrig. Aber wenn doch, dann zieht es Günther Schwaiger in die Natur – sei es beim Bergsteigen, der Jagd, beim Golfen oder auf Reisen. Und zu einem guten Glas Wein sagt er auch nicht Nein. (RNF)


12 FRAGEN AN GÜNTHER SCHWAIGER

Was wollten Sie als Kind werden?
Mediziner oder Chemiker – wegen der ­Faszination für die Naturwissenschaften. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Die Natur zu genießen – eins zu werden mit der Natur – und schöne Momente mit der Familie und Freunden zu verbringen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Eines war „The immortal Life of Henrietta Lacks“, von der amerikanischen Autorin Rebecca Skloot.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?
Zum Beispiel der Hirnforscher Eric Kandel wegen seiner Bescheidenheit und Neugierde bis ins hohe Alter. Er hält auch als über 90-Jähriger noch Vorträge.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Visionen zu haben, Beharrlichkeit und Spaß an der Sache – nur mit Freude kann Großes entstehen.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?
Eigentlich mit niemandem – ich bin zufrieden mit meinen Lebensinhalten und schätze die Gestaltungsmöglichkeiten, die meine Rolle bietet.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Dass meine Vision Realität wurde – und aktuell mehr Relevanz hat denn je.

Was ist das Verrückteste, das Sie je in ihrem Leben getan haben?
Als ich einmal zu spät zu einer Vorstellung ins Kabarett Simpl kam und ungewollt auf der Bühne landete – zum Entsetzen meiner Frau, die sich im Publikum befand.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Über eine witzige Erzählung meiner Tochter.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Eine Weltumsegelung oder eine Atlantiküberquerung. Mich reizen die Fokussierung auf die Naturgewalten, der unvoreingenommene Kontakt mit Menschen an ungewöhnlichen Orten, die Überschreitung eigener Limits … Aber die dafür benötigte Auszeit war bisher beruflich nicht möglich.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Die neuen Herausforderungen, die kommen könnten. 

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie dann und ­warum?
Wohl am ehesten ein Adler – Stichwort: Der Überblick und die Entschlossenheit stehen über allem.


ZUR PERSON
Von der Chemie in die IT
Günther Schwaiger wurde 1966 in Waidhofen an der Ybbs geboren. Nach der Matura im Jahr 1984 studierte er Technische Chemie an der TU Wien und belegte parallel einige Semester Handelswissenschaften an der WU Wien. Noch während des Studiums orientierte er sich in Richtung IT, hielt Schulungen ab und startete bald eigene Softwareprojekte. Bereits 1994 begann Schwaiger mit der Entwicklung von Bausoftware. 1997 folgte die Gründung der Network Dimensions GmbH, unter deren Dach ab 1998 seine Vision der voll integrierten Bau-ERP-­Lösung MEGABAU auf Basis der damaligen Standardsoftware Navision (heute Microsoft Dynamics 365 Business Central) umgesetzt wurde. ­Günther Schwaiger ist seit 1995 verheiratet und Vater von zwei Kindern.