»Unser Anspruch ist, Daten, Analytics und Technologie so zu verbinden, dass daraus ein konkreter Mehrwert für Unternehmen entsteht.« © CRIF
Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich, im Gespräch über Orientierung, Veränderung, Vertrauen, Resilienz, Prävention, positive Beziehungen und vieles mehr.
Frau Eisner-Schwarz, Sie haben im April 2025 die Geschäftsführung von CRIF Österreich übernommen. Was hat sich seitdem für Sie persönlich und für CRIF Österreich am stärksten verändert – und welche Themen haben sich als anders herausgestellt, als Sie ursprünglich erwartet hatten?
Das vergangene Jahr hat mir vor allem gezeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen unseres Geschäfts verändern. Wirtschaftliche Unsicherheit, Regulierung und der rasante Fortschritt bei KI greifen immer stärker ineinander. Für CRIF Österreich bedeutet das: Wir sind heute mehr denn je als strategischer Partner gefragt, der Daten, Technologie und Expertise zu konkreten Entscheidungsgrundlagen verbindet.
Für mich persönlich hat sich bestätigt, wie wichtig es ist, in einem anspruchsvollen Umfeld Orientierung zu geben und zugleich offen für Veränderungen zu bleiben. Darüber hinaus zeigt sich für mich deutlicher als erwartet, wie eng Cyberrisiken, Betrug und finanzielle Belastung zusammenhängen – hier möchten wir als CRIF Österreich ansetzen und das Bewusstsein für Prävention nicht nur bei Unternehmen, sondern insbesondere bei Konsumentinnen und Konsumenten schärfen.
Daten sind das Kerngeschäft von CRIF. Gleichzeitig wächst die Skepsis. Wie schafft man den Spagat zwischen datengetriebenen Geschäftsmodellen, Innovation und dem Vertrauen der Menschen?
Vertrauen ist die Voraussetzung für erfolgreiche datenbasierte Geschäftsmodelle. Entscheidend ist, dass Daten verantwortungsvoll, sicher und nachvollziehbar verarbeitet werden. Gleichzeitig ermöglichen Daten bessere Risikoeinschätzungen, helfen, Betrug und Überschuldung zu verhindern, und schaffen damit Sicherheit für Unternehmen und Konsument:innen. Innovation und der Schutz sensibler Informationen sind dabei kein Widerspruch – das haben EuGH und VwGH zuletzt bestätigt.
Wo sehen Sie den größten konkreten Nutzen von KI – und wo braucht es weiterhin bewusst den Menschen?
KI spielt ihre Stärke dort aus, wo große Datenmengen in kurzer Zeit analysiert und komplexe Muster erkannt werden müssen. Gerade im Risikomanagement und in der Betrugsprävention hilft sie dabei, Auffälligkeiten schneller zu identifizieren. Fairness, Nachvollziehbarkeit und Governance bleiben menschliche Aufgaben. Die Zukunft heißt deshalb nicht Mensch oder Maschine, sondern Mensch und Maschine. Technologie liefert Entscheidungsgrundlagen, die Verantwortung bleibt beim Menschen.
CRIF erwartet für 2026 bis zu 9.500 Privatkonkurse. Was sagt das über die finanzielle Resilienz der Bevölkerung aus – und welche Signale sollten Unternehmen daraus ableiten?
Im ersten Halbjahr 2026 gab es in Österreich 4.722 Privatkonkurse, ein Plus von 4,8 Prozent – 2026 droht der zweithöchste Wert seit zehn Jahren. Hohe Lebenshaltungskosten, steigende Arbeitslosigkeit und geringe finanzielle Reserven treffen zunehmend aufeinander. Für uns heißt das: Unternehmen bei der Risikoeinschätzung früh und verantwortungsvoll zu unterstützen sowie Finanzbildung aktiv zu fördern.
Betrug und Cyberkriminalität werden komplexer. Reicht klassische Betrugsprävention noch aus, oder müssen Unternehmen Risiken grundsätzlich anders denken?
Die klassische Betrugsprävention allein reicht nicht mehr. 2025 haben wir über 2,2 Millionen Dark-Web-Warnmeldungen registriert – so viele wie nie zuvor –, die Schwere der Vorfälle stieg um 22 Prozent. Gefährlich ist die Kombination gestohlener Daten, etwa E-Mail-Adresse und Passwort: Sie macht Angriffe gezielt und glaubwürdig, zunehmend auch mithilfe von KI. Identität, Cybersecurity sowie Betrugsprävention müssen daher zusammen gedacht werden und werden damit von einer operativen Aufgabe zu einem strategischen Bestandteil des Risikomanagements.
Sie betonen Vertrauen, Respekt und Offenheit. Wie übersetzt man diese Werte in einem daten- und technologiegetriebenen Unternehmen konkret in Führung und Kultur?
Positive Beziehungen sind für mich der Schlüssel für nachhaltigen Erfolg – extern wie intern. Vertrauen heißt, Verantwortung zu übertragen. Respekt heißt, unterschiedliche Perspektiven von Data Analytics bis Client Success zusammenzubringen. Offenheit heißt, Fehler und kritische Punkte früh anzusprechen.
Gerade in einem technologiegetriebenen Unternehmen ist das entscheidend. Nicht alles, was technologisch möglich ist, ist automatisch die richtige Entscheidung. Als Führungskraft sehe ich meine Aufgabe darin, klare Orientierung zu geben und gleichzeitig ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen Verantwortung übernehmen und Neues ausprobieren können.
Wie wird CRIF Österreich in fünf Jahren aussehen – und welche Rolle möchten Sie dabei spielen?
CRIF Österreich wird sich noch stärker vom Informationsanbieter zum integrierten Technologie- und Entscheidungspartner entwickeln. Unser Anspruch ist, Daten, Analytics und Technologie so zu verbinden, dass daraus ein konkreter Mehrwert für Unternehmen entsteht. Meine Rolle sehe ich darin, diesen Weg strategisch voranzutreiben, Menschen zusammenzubringen und Innovation mit Verantwortung zu verbinden. Ich möchte, dass wir Veränderungen nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten und damit Vertrauen und Sicherheit als Grundlage für Innovation und Wachstum schaffen. Dieses Zielbild knüpft auch an die aktuelle Positionierung der internationalen CRIF-Gruppe an. (BO)
INFO-BOX
Über CRIF
CRIF ist ein globaler Informationsdienstleister mit mehr als 70 Niederlassungen in über 35 Ländern auf vier Kontinenten. Im Fokus der Unternehmensgruppe stehen der Schutz und die Stärkung der lokalen Wirtschaft. CRIF setzt auf datenbasierte Lösungen für Identitäts- und Risikomanagement, Betrugsvermeidung und Nachhaltigkeit. Handel, Banken, Versicherungen, Zahlungsanbieter und damit auch Konsument:innen werden durch die Lösungen von CRIF geschützt und gestärkt. CRIF vereint das Beste aus zwei Welten: innovative Technologie mit vertrauenswürdigen Informationen sowie Analytics und Consulting. CRIF, lizenzierter Tool-Partner der GRI (Global Reporting Initiative), gestaltet die Zukunft von Unternehmen durch innovative Lösungen, die weit über eine umfassende wirtschaftliche Stärkung hinausgehen. Als Teil der CRIF-Gruppe ist CRIF Ratings eine von der ESMA zugelassene Ratingagentur.
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