Vorreiter und Nachzügler

NEW BUSINESS Innovations - NR. 07/08, JULI/AUGUST 2026
V. l. n. r.: Hermann Erlach (General ­Manager Microsoft Österreich), Andreas Wagner (Geschäftsführer SAP Österreich), Robert Kaup (Geschäftsführer Tieto Österreich), Lukas Keller (Head of Business ­Development Tieto Österreich) © Lara Artis

Eine neue KI-Studie von Tieto zeigt, dass es in Österreich wenige Vorreiter, aber viele Nachzügler in Sachen künstlicher Intelligenz gibt.

Und sogar jede vierte Führungskraft sieht keine Wettbewerbsvorteile durch KI.

Die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft leidet unter hohen Arbeits- und Lohnstückkosten. Dazu droht die nahende Pensionierungswelle der Babyboomer, den Fachkräftemangel zu verschärfen. Die stärkere Automatisierung durch KI könnte für schlankere, effizientere und günstigere Arbeitsprozesse sorgen, um die Produktivität und Wertschöpfung der Unternehmen zu steigern.

Das haben auch die 100 – im Auftrag des Tech-­Consulting-Dienstleisters Tieto – befragten KI-Verantwortlichen und Führungskräfte in österreichischen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden erkannt: Die große Mehrheit, nämlich 61 Prozent der Befragten, befürchtet „verpasste ­Chancen für Effizienzsteigerung, Innovation und Reduktion von ­Betriebskosten“, wenn sie beim Einsatz von KI nicht mithalten. 

Aber welche Ziele verfolgen heimische Unternehmen aktuell mit ihrer KI-Strategie? Und wie weit fortgeschritten ist die Einbindung von KI in Kernprozesse und ihre gewinnbringende Nutzung im Arbeitsalltag bereits? Diese Ergebnisse sowie Strategien zur Lösung dieser Herausforderungen wurden im Rahmen eines Pressegesprächs gemeinsam mit den Partnern Microsoft und SAP Ende Mai vorgestellt.

Erst vier Prozent haben KI vollständig in Kernprozesse integriert
Die Studienergebnisse zeigen, dass es aktuell nur wenige KI-Vorreiter und viele Nachzügler gibt: Etwas mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen in Österreich sieht die KI-Integration in Kernprozesse als „sehr weit fortgeschritten“ oder „weit fortgeschritten“ an. Insgesamt haben aber erst vier Prozent der heimischen Unternehmen KI-Anwendungen vollständig in ihre Kernprozesse integriert. Nur acht Prozent der Befragten in Österreich wollen KI in sämtliche Kernprozesse des Unternehmens einbinden. Demgegenüber stehen 60 Prozent der Befragten, die ihre KI-Integration als „wenig fortgeschritten“ einschätzen.

„Wir erleben aktuell einen entscheidenden Wendepunkt: KI verändert nicht nur Effizienz, sondern wie Wertschöpfung grundlegend entsteht. Microsoft-Daten zeigen, dass bereits mehr als jede dritte Person in Österreich KI nutzt. Entscheidend ist jetzt, diese Dynamik konsequent und verantwortungsvoll in Wertschöpfung zu übersetzen, indem Unternehmen KI in ihre Kernprozesse integrieren und zum strategischen Rückgrat ihrer Geschäftsmodelle machen”, sagt Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich.

Zentrale Herausforderung
Der Wandel zu KI-Vorreitern wird derzeit jedoch noch von zahlreichen Herausforderungen ausgebremst, vor allem im Datenbereich: „Rechtliche Aspekte (z. B. Datenschutz)“ zählen für die Hälfte der Befragten zu den größten Herausforderungen, ebenfalls fast die Hälfte nennt „Datensicherheit/Cybersicherheit“. Zudem sieht jeder Fünfte Hürden bei „Datenverfügbarkeit, -qualität und -aufbereitung“. Das spiegelt sich auch beim Output wider: 44 Prozent der Befragten bekunden derzeit mangelndes Vertrauen in die Korrektheit KI-generierter Ergebnisse.

„Saubere Daten, integrierte Datenplattformen, eine klare Cloud-Strategie sowie Security und Compliance by Design sind ein Muss für eine erfolgreiche KI-Integration, da viele fortgeschrittene und agentische KI-Fähigkeiten nur in Cloud-Umgebungen verfügbar sind“, erklärt Robert Kaup, Geschäftsführer von Tieto Österreich, die wichtigsten Voraussetzungen. Darüber hinaus müssen Mitarbeitende bei der KI-Transformation aktiv begleitet werden, denn mehr als ein Viertel der Befragten ortet einen Mangel an fachlicher Expertise im Unternehmen, rund ein Viertel beklagt fehlendes Change & Adoption Management bei der KI-Einführung.

„Trotz aller Technologie sind die größten Hebel die strategische Verankerung in der Organisation und Skilling: Hier setzen wir an und unterstützen die Führungsebene nicht nur bei ihrer KI-Strategie, sondern begleiten den Wandel auch aktiv mit Schulungen für Mitarbeitende. Sonst bleibt KI oft im Pilotstadium stecken“, so Kaup.

Jede vierte Führungskraft sieht keine ­Wettbewerbsvorteile durch KI
Trotz aller Hemmnisse hat der Einsatz von KI in einigen Arbeitsbereichen bereits positive Ergebnisse generiert. Zu den Top-Anwendungen zählen laut den befragten Führungskräften „Wissensmanagement und interne Informationssuche“ sowie die „Steigerung der Effizienz“, wie z. B. durch die automatische Auslesung von Rechnungen oder Bestellungen. Wenig Vorteile beim KI-Einsatz erkennen sie hingegen für die „datengetriebene Entscheidungsfindung (z. B. Marktanalysen, Risikomanagement, Predictive Analytics)“: Nur elf Prozent nannten diesen Bereich, während er in Deutschland für 44 Prozent der Befragten zu den Top-Anwendungen von KI zählt.

Ebenso wenig wird KI für Innovations- und Geschäftsmodellentwicklung eingesetzt, nur jeder Zehnte sieht darin einen Nutzen. Überraschenderweise gibt zudem jede vierte Führungskraft in Österreich an, dass KI „in keinem Bereich“ positive Ergebnisse oder Wettbewerbsvorteile generiert hat. „Viele Unternehmen haben das volle Potenzial von KI als datengetriebener Motor der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit noch nicht ausgeschöpft. Entscheidend ist jetzt, rasch vom ‚proof of concept‘ zum ‚proof of value‘ zu kommen und KI überall dort einzusetzen, wo sie einen messbaren Mehrwert und einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung leistet“, betont Andreas Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich. „Und als nächstes Level müssen wir Unternehmen fit für die beginnende Revolution der KI-Agenten machen, die ganze Prozessketten autonom ausführen.“

Tieto verbindet 
Genau hier setzt Tieto an. Als „Frontier Firm“-Partner von Microsoft und „Silver Partner“ von SAP begleitet der Tech-Consulting-Dienstleister heimische Unternehmen verstärkt bei der Weiterentwicklung zu Vorreitern mit breitem KI-Einsatz – von der strategischen Ausrichtung über den Aufbau moderner Cloud- und Datenarchitekturen bis hin zur Operationalisierung komplexer Software-Ökosysteme.

Tieto agiert dabei technologieagnostisch und verbindet unter anderem SAP- und Microsoft-Technologien zu KI-basierten Gesamtlösungen, wie das Beispiel des international tätigen Industrieunternehmens Greiner aus Oberösterreich zeigt: Der Kunststoff- und Schaumstoffhersteller wickelt von jährlich rund 240.000 manuell erfassten Bestellungen künftig mindestens 50 Prozent mittels KI-Automatisierung ab. Im Zen­trum der Lösung steht das „Microsoft Document Intelligence Studio“, welches eingehende PDF-Bestellungen intelligent ausliest und die relevanten Daten in die Azure Cloud überträgt.

Mithilfe einer direkten Schnittstelle zu SAP werden die Aufträge automatisch im ERP-System erstellt. „Das zeigt, wie sich repetitive Prozesse schnell durch KI automatisieren lassen, um den manuellen Arbeitsaufwand deutlich zu senken und messbare Kosteneinsparungen zu erzielen“, so Kaup abschließend. (BS)