Mit der neuen Laserrohrschneidanlage macht Stihl Tirol einen weiteren Schritt in Richtung Effizienz und Automatisierung. © Stihl Tirol
Trotz des anspruchsvollen Marktumfelds konnte Stihl Tirol deutlich wachsen. Investitionen in Produktion, Technologie und neue Geschäftsfelder stellen die Weichen für die Zukunft.
Stihl Tirol blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen wie der Zollpolitik im großen Markt USA, einer vielerorts spürbaren Kaufzurückhaltung infolge der schwachen Konjunktur sowie negativer Wechselkurseffekte konnte das Unternehmen den Umsatz um 16 Prozent gegenüber 2024 steigern. Getragen wurde diese positive Entwicklung unter anderem von Einmaleffekten sowie dem erfolgreichen Hochlauf neuer Produkte.
Besonders gut entwickelte sich zudem der Vertrieb der Akku-Rasenmäher, Akku-Blasgeräte, Akku-Heckenschneider und Akku-Kompressoren. Die Zahl der Beschäftigten lag zum Jahresende 2025 bei 902 Mitarbeitenden, nach 927 im Jahr 2024. Mit Anfang 2026 hat Ralph Schmid die Geschäftsführung von Stihl Tirol übernommen. Er knüpft damit an die erfolgreiche Arbeit von Richard Felix im vergangenen Jahr an, warnt aber zugleich vor zu viel Optimismus aufgrund der guten Zahlen 2025.
„Das wirtschaftliche Umfeld bleibt sehr anspruchsvoll. Wie viele andere Industrieunternehmen ist auch Stihl Tirol von den Veränderungen am Weltmarkt und den Auswirkungen internationaler Krisen betroffen“, so Schmid. Er richtet den Blick klar nach vorne: „Nach vielen Jahren des Wachstums bei Stihl Tirol geht es jetzt darum, den Standort gezielt weiterzuentwickeln. Deshalb beschreiten wir den Weg der Konsolidierung. Mit klaren, zukunftsgerichteten Entscheidungen stellen wir sicher, dass Stihl Tirol auch in den kommenden Jahren ein starker Standort der Stihl Gruppe bleibt.“ Stihl Tirol befindet sich in einem umfassenden Transformationsprozess, der den Standort in den kommenden Jahren begleiten und verändern wird.
Dazu zählt auch die gezielte Neuordnung des Produktportfolios innerhalb der Stihl-Gruppe, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Im Fertigungsverbund der Stihl-Gruppe wird daher genauestens geprüft, an welchem der Produktionsstandorte in weltweit acht Ländern welches Produkt gefertigt wird. Bei Stihl Tirol sind und bleiben bodengeführte Gartengeräte wie Rasenmäher oder Garten-Häcksler sowie Schaftgeräte wie Akku-Freischneider oder Akku-Hochentaster die Kernkompetenzen.
Mit neuen Ideen und Weitblick in die Zukunft
Stihl Tirol investiert gezielt in Zukunftstechnologien, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern. Dabei prüft das Unternehmen laufend, in welchen Bereichen die Fertigungstiefe künftig weiter erhöht werden kann. Diese ist ein entscheidender Hebel: Sie macht Stihl Tirol technologisch unabhängiger, flexibler und schneller – und stärkt damit genau jene Fähigkeiten, die ein moderner Produktionsstandort heute braucht.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist die neue Laserrohrschneidanlage, mit der Stihl Tirol die Rohrbearbeitung auf ein neues technologisches Niveau hebt. Auf der Hightech-Anlage werden seit März 2026 Rohre für Schaftgeräte gefertigt. Die vollautomatische Anlage ermöglicht eine besonders präzise und geräuscharme Bearbeitung und wird durch moderne Robotik sowie eine automatisierte Verpackung ergänzt. Dadurch reduziert das Unternehmen Rüstzeiten und Ersatzteilkosten, schafft neue Gestaltungsspielräume für Musterteile und Entwicklungsprojekte und legt die Grundlage dafür, künftig alle Rohre für Schaftgeräte über diese Fertigungslinie abzuwickeln. Damit geht Stihl Tirol einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, effizienten und stärker automatisierten Fertigung.
Als neues Geschäftsfeld wird Stihl Tirol zukünftig außerdem vorhandenes Know-how und die bestehende hochwertige Infrastruktur über das eigene Unternehmen hinaus nutzbar machen. So sollen Einrichtungen, technische Möglichkeiten und Dienstleistungen auch externen Industriepartnern in der Region zur Verfügung stehen – etwa in den Bereichen Messtechnik, Prüfungen oder Entwicklung. Ziel ist es, hochmoderne Infrastruktur, beispielsweise Messräume für Schall oder elektromagnetische Verträglichkeit, für externe Anwendungen anzubieten und damit zugleich das lokale Industrienetzwerk zu stärken. Erste positive Gespräche mit interessierten Firmen zeigen bereits das Potenzial dieses Geschäftsfelds.
Kooperationen bringen Standort voran
Stihl Tirol setzt außerdem auf die enge Zusammenarbeit mit regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Die mehrjährigen Kooperationen mit der Unternehmerischen Hochschule MCI und der Fachhochschule Kufstein werden weitergeführt, da sie einen wichtigen Beitrag zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts leisten.
Im Rahmen der Kooperation mit dem Zentrum für Produktion, Robotik & Automatisierung der Unternehmerischen Hochschule MCI werden mehr als 20 Innovationsprojekte in den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung der Produktion umgesetzt. Besondere Schwerpunkte liegen unter anderem auf Produktionsautomatisierung, innovativen Montagekonzepten sowie KI-gestütztem Wissensmanagement in der Instandhaltung. Durch die Entwicklung technischer Lösungskonzepte und Funktionsprototypen konnten bereits innovative Prozesse und Anlagen realisiert werden.
Mit der FH Kufstein entstand ein Weiterbildungsprogramm zur gezielten Entwicklung von Führungskräften in Logistik und Produktion. Weitere wichtige Impulse setzte die Kooperation im Bereich der Mitarbeiter:innenschulung: Studierende des Masterstudiengangs ERP-Systeme & Geschäftsprozessmanagement erstellten ein umfassendes Schulungskonzept für Stihl Tirol. Ziel war es, praxisnahe Ansätze zu erarbeiten, mit denen Mitarbeitende effektiv auf komplexe Tätigkeiten vorbereitet werden können.
Dazu wurden Fertigungsprozesse und deren Dokumentation detailliert analysiert, erforderliche Kernkompetenzen ermittelt sowie der sinnvolle Einsatz von Visualisierungen, Videoschulungen und künstlicher Intelligenz geprüft. Anschließend wurden ein einheitliches Layout sowie Prozesse zur Weiterführung und Standardisierung der Mitarbeiterschulung entwickelt.
Bewährte Produktqualität
Unabhängige Tests bestätigen regelmäßig den hohen Qualitätsanspruch der Produkte aus Tirol. Möglich wird diese hohe Qualität nicht zuletzt durch das Engagement der Mitarbeitenden, die mit ihren Ideen und ihrer Einsatzbereitschaft den Standort täglich voranbringen. Im Rahmen des Formats „World Café“, einem moderierten Austauschformat für Vorarbeiter:innen, brachten die Teilnehmenden zahlreiche konstruktive Ideen zur Optimierung der Zusammenarbeit ein. Der offene Dialog ermöglichte einen bereichernden, abteilungsübergreifenden Austausch zwischen Produktion und Logistik und lieferte wertvolle Anregungen, um Schnittstellen zu verbessern und gemeinsame Herausforderungen gezielt anzugehen.
Auch alle anderen Mitarbeitenden waren 2025 wieder eingeladen, ihre Ideen für einen innovativeren und effizienteren Standort einzubringen. Mit rund 1.000 Einreichungen wurde dabei ein neuer Rekord erzielt. Die hohe Beteiligung zeigt, dass Weiterentwicklung und aktive Mitgestaltung bei Stihl Tirol fest verankert sind. Aus den Vorschlägen der Beschäftigten entstehen kontinuierlich neue Lösungsansätze, die den Arbeitsalltag erleichtern, Prozesse verbessern und den Standort langfristig stärken.
Gerade in herausfordernden Zeiten ist diese gemeinsame Bereitschaft zur Weiterentwicklung ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Das Engagement und die Arbeit der gesamten Belegschaft wurden auch in diesem Jahr besonders gewürdigt: Als Zeichen der Anerkennung erhielten die Mitarbeitenden erneut eine Anerkennungsprämie. Damit unterstreicht das Unternehmen die große Bedeutung von Einsatzbereitschaft, Verlässlichkeit und Teamgeist.
Darüber hinaus setzte Stihl Tirol 2025 zahlreiche Initiativen, die den Austausch, das Wohlbefinden und den Zusammenhalt der Mitarbeitenden fördern. Mit Angeboten wie dem Vortragsabend „Female Empowerment“, einem Selbstverteidigungskurs für Frauen, Sportkursen sowie Mental-Health-Seminaren wurden wichtige Impulse für ein gesundheitsförderndes und wertschätzendes Arbeitsumfeld gesetzt. Gemeinsame Veranstaltungen wie das jährliche Sommerfest auf der Festung Kufstein, der Skitag in Sölden sowie verschiedene Communities – von der Wandergruppe bis zum Fußball nach Feierabend – stärkten zusätzlich das Gemeinschaftsgefühl am Standort Langkampfen. (BS)