Arbeitsniederlegungen der Piloten und Flugbegleiter bis Mitternacht © APA - Austria Presse Agentur

Wegen der Streiks der Piloten und des Kabinenpersonals streicht die Lufthansa am Donnerstag fast 800 Flüge in Deutschland. "Betroffen sind rund 100.000 Fluggäste", teilte die AUA-Mutter mit. Der ganztägige Arbeitskampf der Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und UFO treffe die Passagiere extrem hart und unverhältnismäßig. "Wir gehen davon aus, ab Freitag weitestgehend wieder den normalen Flugplan anbieten zu können." Die AUA ist von den Streiks nicht betroffen.

Die Piloten pochen weiter auf ein Angebot der Lufthansa zu verbesserten Konditionen bei der betrieblichen Altersvorsorge und drohten mit weiteren Streiks. "Wenn es kein neues Angebot gibt, dann dreht sich die Eskalationsspirale natürlich immer weiter", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro in Frankfurt.

Personalvorstand Michael Niggemann wiederholte seine Kritik: "Wir brauchen den konstruktiven Dialog, nicht die Eskalation - nur so erzielen wir tragfähige Lösungen." Ein Streik helfe den Zukunftsperspektiven der Beschäftigten nicht und treffe vor allem die Fluggäste. "Alle Gewerkschaften tragen auch Mitverantwortung für die Zukunft unseres Unternehmens." Ziel sei eine Einigung für die Beschäftigten und die Zukunftsfähigkeit insbesondere der Lufthansa Classic. "Wir sind jederzeit dazu bereit und wollen die Gespräche mit Ufo und VC fortsetzen."

AUA und andere Lufthansa-Töchter nicht betroffen

Nicht von dem Streikaufruf betroffen sind neben den Flügen der ausländischen Gesellschaften Austrian Airlines (AUA), Swiss, Ita und Brussels Airlines auch die deutschen Lufthansa-Töchter Eurowings und Discover. Die AUA hatte im Vorfeld auf APA-Anfrage mitgeteilt, dass Fluggäste, die vom Streik betroffene Zubringer- oder Anschlussflüge mit Lufthansa haben, automatisch informiert und umgebucht werden sollen.

Die Gewerkschaft UFO will mit dem Streik bessere Arbeitsbedingungen und einen längeren Kündigungsschutz für das Kabinenpersonal bei der Kernmarke Lufthansa erreichen. Bei der mittelfristig vor der Schließung stehenden Tochter Lufthansa Cityline wolle man mit dem Management hingegen über einen Sozialplan reden, damit die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter eine Zukunftsperspektive hätten, sagte UFO-Tarif-Experte Harry Jaeger. "Da gab es null Gespräche bisher, da ist einfach nur nackte Blockade."

Zeitgleicher Streik laut Gewerkschaften Zufall

Der zeitgleiche Arbeitskampf mit den Piloten sei ein Zufall, den man aber begrüße. "Wir wollen das Management ärgern und nicht den Passagier." Jaeger rechnet mit einer hohen Streikbeteiligung bei den fast 20.000 Kabinen-Beschäftigten der Lufthansa und den rund 800 bei der CityLine. "Wir gehen sehr stark davon aus, dass Mann und Maus heute die Arbeit niederlegen."

Der VC-Präsident sagte, man habe sich zum Streiktermin nicht mit der UFO abgestimmt. Die Piloten fordern für die rund 5.000 Cockpit-Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente. Das Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Premium-Fluglinie ab. "Wir können eine Top-Versorgung nicht einfach nochmal verdoppeln", sagte Vorstand Niggemann jüngst. Die Altersvorsorge betrage derzeit rund 8.400 Euro pro Monat. Die VC hat nach eigenen Angaben ihre Forderungen reduziert, ohne dass die Lufthansa reagiert hätte. "Erstmal muss die Lufthansa sich dazu entscheiden, uns ein Angebot vorzulegen", sagte Piloten-Vertreter Pinheiro. Die VC habe als Gewerkschaft wenig andere Mittel als Streiks. "Ohne Arbeitskampf wäre das kollektives Betteln - und das machen wir nicht."