++ ARCHIVBILD ++ Stabiler Absatz trotz gestiegener Preise © APA - Austria Presse Agentur
Während der deutsche Schokoladehersteller Ritter Sport global in die roten Zahlen gerutscht ist, hat die österreichische Tochter 2025 ein kräftiges Umsatzplus erzielt. Die Erlöse stiegen im Vorjahresvergleich um 18 Prozent auf 25,3 Mio. Euro, wie Österreich-Geschäftsführer Wolfgang Stöhr am Mittwoch in Wien berichtete. Unmittelbare Auswirkungen der Konzernverluste auf den burgenländischen Produktionsstandort Breitenbrunn sieht der Manager "zum aktuellen Zeitpunkt" nicht.
Trotz der "Schokoladenkrise" mit massiv gestiegenen Rohstoffkosten blieben die Absatzzahlen von Ritter in Österreich relativ stabil. Die verkaufte Menge an Tafelschokolade blieb laut Stöhr in einem insgesamt rückläufigen Gesamtmarkt bei rund 10,5 Millionen Stück. Das deutliche Umsatzwachstum ist somit primär auf die gestiegenen Preise zurückzuführen. Ritter Sport hält damit in Österreich nach eigenen Angaben einen umsatzmäßigen Marktanteil von 6,8 Prozent und behauptet Platz drei am Markt.
Gesamtkonzern schreibt Verluste
Die Muttergesellschaft hatte Ende Jänner vermeldet, trotz eines Rekordumsatzes von 712 Mio. Euro wegen der explodierenden Kakaopreise in die Verlustzone gerutscht zu sein. Auf die Frage nach möglichen Sparmaßnahmen oder einem Stellenabbau im Werk Breitenbrunn (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) gab Stöhr am Mittwoch vorerst Entwarnung: Pläne für Personalkürzungen oder einen Einstellungsstopp gebe es in Österreich derzeit nicht. Breitenbrunn ist als Kompetenzzentrum für das gesamte vegane Sortiment und die Marke Amicelli (18,3 Mio. verkaufte Stück) essenziell für den Export.
Besonders im veganen Segment sieht sich Ritter Sport mit einem Marktanteil von 80,2 Prozent als klarer Marktführer in Österreich. Um diese Position zum zehnjährigen Jubiläum der veganen Sparte zu festigen, bringt das Unternehmen mit der Sorte "Vegan Tropical Coconut" erstmals eine fruchtige Variante in das rein pflanzliche Sortiment ein.
Protein-Schokolade für "Active Lifestyle"
Parallel dazu will der Hersteller den Trend zu gesunder Ernährung und Fitness ("Active Lifestyle") bedienen und lanciert derzeit eine neue Protein-Schokolade. Diese kommt in zwei Geschmacksrichtungen auf den Markt: "Crunchy Hazelnut" und "Crunchy Peanut". Beide Sorten enthalten jeweils 13,5 Gramm Protein aus Milch- und Mandeleiweiß. Dass diese Tafeln nur im kleineren 75-Gramm-Format erhältlich sind, sei keine versteckte Preiserhöhung ("Shrinkflation"), betonte Stöhr. Der Grund liege in der Rezeptur: Die enthaltenen Protein-Crisps seien sehr voluminös, aber leicht. Würde man versuchen, 100 Gramm in die quadratische Standardform zu pressen, wäre die Tafel laut Stöhr zu dick und "nicht mehr beißbar". Die klassische 100-Gramm-Tafel bleibe für das reguläre Sortiment als Standard erhalten.
Kakaopreis bleibt hoch
Die Situation an den Rohstoffmärkten bleibt unterdessen angespannt. Der Preis sei im November 2023 für etwas ein halbes Jahr auf das Fünffache explodiert, sagte Störh. Inzwischen sei der Kakaopreis wieder ungefähr um die Hälfte zurückgegangen. "Wir reden aktuell von grob viertausend bis viereinhalbtausend Pfund je Tonne - das ist der Rohstoff-Spotpreis." Da Ritter Sport langfristige Lieferverträge nutzt, sei die Versorgung zwar gesichert, eine Rückkehr zu günstigen Schokoladenpreisen ist laut Management aber nicht in Sicht.