Der Sandoz-CEO forderte von der EU Gewährleistung von Markt-Fairness © APA - Austria Presse Agentur

Der CEO des Generikakonzerns Sandoz, Richard Saynor, fordert von der Europäischen Union die "Wiederherstellung von fairem Wettbewerb am Markt" ein. Vergleichbare Produkte aus China seien derzeit "um rund 90 Prozent günstiger", sagte Saynor am Donnerstag bei einem Pressegespräch am Tiroler Standort in Kundl. Wirtschaftsstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) verwies indes gegenüber der APA auf den "Industrial Accelerator Act" der EU zur Förderung der europäischen Industrie.

Diese von der Europäischen Kommission im März vorgestellte Maßnahme soll die öffentliche Beschaffung und Förderungen auf EU-Unternehmen lenken. "Wichtig ist nun, dass dieser Act auf EU-Ebene entsprechend umgesetzt wird", erklärte Zehetner in Kundl. Es gelte darauf zu schauen, dass man "beim Industrie-Thema souverän bleibt", führte die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium aus. Das bedeute auch, dass "ein Mindestmaß der Produktion in Europa bleiben muss." Und das wiederum heiße, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzen werde, "alle diesbezüglichen EU-Maßnahmen zu unterstützen". Bei der Beschaffung dürfe jedenfalls "nicht nur auf den billigsten Preis geschaut werden, sondern auch darauf, woher das Produkt kommt."

Auf Bundesebene wiederum würde die Regierung bei den gestiegenen Energiekosten der Industrie ansetzen. Das aktuell vorgelegte "Industriestrompaket" trage dazu bei, dass die "Elektrizitätskosten in den Jahren 2027 bis 2029 um insgesamt 750 Mio. reduziert werden". Auch Sandoz werde von diesem Paket profitieren, so die Staatssekretärin.

"Letzter Weckruf" an EU von Sandoz-CEO

Unabhängig von geplanten EU-Maßnahmen und dem Industriestrompaket hatte Sandoz-CEO Saynor zuvor bei dem Pressetermin einen dringenden Appell an die EU gerichtet. Es handle sich dabei um den "letzten Weckruf". Die EU müsse angesichts der "ultrabilligen" Hersteller aktiv werden, erklärte er und mahnte "Taten" statt Verständnis ein.

Auf EU-Ebene verstehe man das Anliegen von Sandoz zwar durchaus, aber es passiere zu wenig Konkretes. Während in China die Regierung die Generika-Produktion massiv unterstütze und damit die Preise am Weltmarkt "zerstört", sei das in Europa eben nicht der Fall. Er wolle jedoch festhalten, dass es ihm nicht um "EU-Gelder oder Staatsunterstützungen" gehe, sondern lediglich um "die richtigen Rahmenbedingungen", betonte Saynor. Dazu gehöre beispielsweise, dass "Europa mit einem Slot von rund 30 Prozent europäische Produkte priorisiert", so der Sandoz-CEO.

"Gesamte westliche Industrie" in Gefahr

Bei all diesen Forderungen glaube er unerschütterlich "an den Wettbewerb am Markt", strich Saynor heraus. Dennoch "kämpfen wir" und man brauche Unterstützung. Die Billigprodukte am Generikamarkt aus China seien nicht nur eine Gefahr für Sandoz, sondern für "die "gesamte westliche Industrie". Das Werk in Kundl sei dabei "das letzte seiner Art im Westen", zahlreiche andere Penicillin-Produktionsstätten hätten bereits geschlossen. Darunter befänden sich solche in Höchst in Deutschland oder in den USA. Deshalb sei man auch unter anderem mit den USA im Gespräch: "Ich bin sicher, wenn die USA die Wahl zwischen Österreich und China haben, entscheiden sie sich für Österreich."

Auch die österreichische schwarz-rot-pinke Bundesregierung adressierte der CEO auf Nachfrage. "Die Regierung könnte uns beispielsweise in Bezug auf die steigenden Energiekosten unterstützen", meinte der Manager. Die seien nämlich in letzter Zeit um stolze 173 Prozent gestiegen und die "Industriekosten" würden außerdem mit einem Plus von 31 Prozent zu Buche schlagen. Dazu komme noch eine anhaltend hohe Inflation.

80 Jahre Antibiotika-Produktion, Standort Kundl nicht gefährdet

Die Forderungen an die EU sowie die Bundespolitik stellte Saynor im Rahmen von Feierlichkeiten rund um 80 Jahre Antibiotika-Produktion in Kundl, an der neben Zehetner auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) teilnahm. Dort wurde 1946 der Grundstein für das Sandoz-Geschäftsmodell gelegt. Zuletzt war von einem Stellenabbau an diesem Standort die Rede gewesen und eine Schließung des Development Centers vorgenommen worden. Rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren von dieser Schließung betroffen. Für den "größeren Teil" dieser Beschäftigten habe man eine alternative Position finden können, hieß es im März dazu von Sandoz-Seite. Saynor betonte am Donnerstag jedenfalls, dass der Standort Kundl nicht gefährdet sei.

Sandoz hat seinen Hauptsitz in Basel in der Schweiz. Aktuell sind über 20.000 Personen bei der Gruppe beschäftigt. Im Jahr 2025 verzeichnete Sandoz einen Nettoumsatz von 11,1 Mrd. US-Dollar (9,54 Mrd. Euro). Die Geschichte von Sandoz geht bis ins Jahr 1886 zurück. Somit feiert das Unternehmen 2026 sowohl das 140 Jahr-Bestehen als auch 80 Jahre Antibiotika-Herstellung - und ebenfalls 20 Jahre Arbeit in der Herstellung von Biosimilars, also biotechnologisch hergestellten Nachahmerpräparaten.