Umbau bei ProSiebenSat.1 © APA - Austria Presse Agentur

Der deutsche Medienkonzern ProSiebenSat.1 hält Insidern zufolge vorerst an seinen wichtigsten Online-Beteiligungen ParshipMeet und Flaconi fest. Für den Rest seines Digitalportfolios suche das von MFE kontrollierte Unternehmen jedoch Käufer, sagten drei Insider laut Reuters. Die Puls4-Mutter habe damit begonnen, potenzielle Bieter für andere Teile seines Digitalgeschäfts anzusprechen.

Dazu gehörten die Einkaufs-App Marktguru, die Mietwagen-Vergleichsseite billiger-mietwagen.de und der Erlebnisgeschenke-Anbieter Jochen Schweizer mydays. Als mögliche Käufer kämen sowohl Finanzinvestoren als auch Branchenunternehmen infrage, hieß es weiter. ProSiebenSat.1 und MFE lehnten einen Kommentar ab.

Neuer Mehrheitseigner Berlusconi gibt Umbau vor

Das Überprüfen des Digitalportfolios ist Teil eines Umbaus, den der neue Mehrheitseigner MFE-MediaForEurope vorantreibt. Die von der Familie des verstorbenen italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Gesellschaft will das Geschäft von ProSieben wieder auf das Kerngeschäft Fernsehen ausrichten und die Schulden des Konzerns senken. Die Online-Partnerbörse ParshipMeet und der Online-Kosmetikhändler Flaconi seien profitabel und sollen daher vorerst im Konzern verbleiben. Ein Verkauf dieser Firmenteile bleibe jedoch eine längerfristige Option, sagten die Insider.

Der neue ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani hatte im Februar vor Journalisten betont, beim Verkauf von Flaconi und Parship Meet wolle er behutsam vorgehen. Es gehe darum, "den maximalen Wert aus diesen Beteiligungen herauszuholen", sagte er. Vor der Übernahme hatte MFE einen schnellen Verkauf gefordert.

MFE hatte seinen Anteil an ProSieben seit 2019 ausgebaut und im vergangenen Jahr die Kontrolle über den bayerischen Konzern übernommen. Inzwischen hält das Unternehmen, das TV-Sender in Italien und Spanien betreibt, mehr als 75 Prozent der Anteile. ProSiebenSat.1, in Österreich gehören neben Puls4 auch Puls24, ATV und ATV2 zum Unternehmen, hatte seine Gewinnprognose für 2025 wiederholt gesenkt. Als Grund gilt der schwache Werbemarkt, der unter der Konjunkturflaute in Deutschland leidet.