Nothegger kämpft weiter um die Zukunft © APA - Austria Presse Agentur

Das Ringen um die Zukunft der insolventen Tiroler Transportfirma Nothegger mit Sitz in St. Ulrich am Pillersee (Bezirk Kitzbühel) geht weiter. Am Montag fand am Landesgericht Innsbruck die erste Prüfungstagsatzung statt. Dabei wurden 388 Forderungen in Höhe von rund 36,4 Mio. Euro gestellt. 15,4 Mio. Euro davon wurden anerkannt, der Rest bestritten. Der operative Betrieb konnte bisher aufrechterhalten werden, das Unternehmen strebt eine Sanierung an.

Das hatte Senior-Chef Karl Nothegger bereits im April öffentlich erklärt. Man wolle einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren einbringen und die Arbeitsplätze erhalten. Dieser dürfte bzw. sollte innerhalb der kommenden 14 Tage gestellt werden, erfuhr die APA. Der Fortbetrieb solle durch "zusätzliches Kapital" aus dem Familienbereich gesichert werden können, hatte Nothegger erklärt. Das Unternehmen beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter - weitere rund 200 Lkw-Fahrer sind bei einer Schwestergesellschaft beschäftigt.

Der Kreditschutzverband KSV1870 in Tirol berichtete indes am Montag nach der Prüfungstagsatzung, dass von der Familie Nothegger eine Fortführungskaution in Höhe von rund 1,4 Mio. Euro "kurzfristig beigebracht" worden sei. Zudem sei es gelungen, Liquidität im Ausmaß von einer Million Euro durch eine "rasche Abschichtung einer Beteiligung" zu generieren. Parallel dazu seien diverse Verrechnungskonten, die Ansprüche des Unternehmens von mehreren hunderttausend Euro gegen Personen im Nahbereich der Eigentümer aufwiesen, zügig ausgeglichen worden. Gleichzeitig rechnete man aber auch damit, dass die festgestellten Forderungen noch deutlich ansteigen werden. Weitere Forderungen würden demzufolge in einer nachträglichen Tagsatzung geprüft.

Weiter angespannte Liquiditätssituation, nächste Wochen entscheidend

Dass der operative Betrieb bisher fortgeführt werden konnte, sei ein "erster Schritt in die richtige Richtung", hieß es vom Leiter des KSV1870 in Tirol, Klaus Schaller, der darauf verwies, dass man einen großen Teil der betroffenen Gläubiger in diesem Verfahren vertrete. "Trotz aller Widrigkeiten" sei es der Insolvenzverwalterin bisher gelungen, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Aber gleichzeitig verdeutlichte der KSV1870: Die Liquiditätssituation bleibe angespannt, weil die Insolvenzverwalterin auf Zahlungen der Nothegger-Kunden angewiesen sei und sich deren Zahlungsverhalten nur sehr eingeschränkt beeinflussen lasse. Die aktuell aus der Fortführung offenen Kundenforderungen würden sich auf mehr als 6 Mio. Euro belaufen.

Die nächsten Wochen würden zeigen, ob eine Einigung mit den Gläubigern gefunden werden könne. Ein konkrete Einschätzung sei derzeit kaum möglich und somit auch der Fortbestand der Arbeitsplätze nicht gesichert. Die Nothegger-Verantwortlichen müssten in den kommenden Wochen belastbare Unterlagen vorlegen. Man werde in den Verhandlungen jedenfalls auf einen "spürbaren Sanierungsbeitrag" aus der Sphäre der Eigentümer bestehen, machte der KSV1870 klar. In dieselbe Richtung ging die Stellungnahme des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV). Die Sanierungsquote dürfte nach aktuellem Stand nicht aus dem operativen Geschäft erzielbar sein, hieß es von dort. Es werde also eine finanzielle Unterstützung von dritter Seite benötigt.

Das Nothegger-Vermögen sei indes in Relation zu den Verbindlichkeiten "recht überschaubar". Bei Insolvenzeröffnung hatte es geheißen, dass das Unternehmen als Aktiva wohl seinen umfangreichen Fuhrpark einbringen werde können. Die firmeneigenen Fahrzeuge wurden auf 9,7 Mio. Euro geschätzt, zudem gibt es fremdfinanzierte bzw. Leasingfahrzeuge im Wert von 7,4 Mio. Euro. Die Betriebsliegenschaft wurde mit 1,9 Mio. Euro eingestuft. Zudem bestünden Beteiligungen an verbundenen Unternehmen wie der Firma Nothegger Immobilien GmbH sowie Wertpapiere.

Größte Tiroler Firmenpleite in vergangenen 15 Jahren

Die Insolvenz des Traditions-Familienunternehmens bzw. der Nothegger Transport Logistik GmbH hat es jedenfalls in sich. "Sie ist im Hinblick auf die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter die größte Unternehmensinsolvenz in Tirol seit 15 Jahren", sagte KSV1870-Leiter Schaller.

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hatte im März wegen Verbindlichkeiten von etwa 3,2 Mio. Euro einen Konkursantrag über Nothegger gestellt. Im Zuge des Insolvenzeröffnungsverfahrens sollen zwar immer wieder Teilzahlungen geleistet worden sein, die Entkräftung der Zahlungsunfähigkeit sei aber nicht gelungen.

Nothegger soll während der Corona-Pandemie die Möglichkeit der Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen "großzügig in Anspruch genommen" haben. Zuletzt soll die Rückzahlung angestanden und die Firma soll nicht in der Lage gewesen sein, für diese gestundeten Beiträge "entsprechende Vorsorge zu treffen". Senior-Chef Karl Nothegger beklagte indes die äußerst schwierige wirtschaftliche Lage und einen großen Kostendruck - letzteren vor allem auch aufgrund der politischen Rahmenbedingungen.