420 KTM-Mitarbeitern wird geholfen © APA - Austria Presse Agentur

420 vom Motorradhersteller KTM entlassene Arbeitnehmer sollen mit 1,8 Mio. Euro aus Brüssel beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt werden: Das EU-Parlament hat am Donnerstag in Brüssel insgesamt 3,7 Mio. Euro Hilfen aus dem Europäischen Globalisierungsanpassungsfonds für Arbeitnehmer (EGF) gebilligt, um 836 Menschen in Österreich und Belgien (Firma Casa) zu unterstützen. Brüssel will Berufsberatung, Unterstützung bei der Jobsuche und Weiterbildung finanzieren.

Die geschätzten Gesamtkosten der Maßnahmen für KTM belaufen sich auf 3 Millionen Euro, 60 Prozent will die Kommission übernehmen und 40 Prozent (1,2 Millionen Euro) das österreichische Arbeitsamt. Die österreichischen Behörden begannen bereits im März 2025 mit der Unterstützung von Arbeitnehmern durch den Fonds; diese Kosten können rückwirkend bezahlt werden. Nach dem EU-Parlament muss noch der Rat der Mitgliedsländer den Vorschlag der Kommission final absegnen. Dann können die Gelder fließen.

Fonds kann bei mehr als 200 Entlassenen aktiviert werden

KTM und die Töchter KTM Components sowie KTM F&E hatten im November 2024 Insolvenz angemeldet, es folgte der Produktionsstopp bei KTM im Dezember und danach ein Sanierungsverfahren und die Übernahme durch den indischen Aktionär Bajaj. Die EU-Kommission hatte im November 2025 grünes Licht für die Kontrollübernahme gegeben. Für die diesen Februar erfolgte weitere Kündigungswelle wurden ein Sozialplan und ein Härtefonds eingerichtet.

Ziel des EGF ist, niedrigqualifizierte und benachteiligte Arbeitssuchende bei der Bewältigung neuer Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu unterstützen. Der EGF kann aktiviert werden, wenn ein einzelnes Unternehmen (einschließlich seiner Zulieferer und nachgelagerten Produzenten) mehr als 200 Mitarbeitende entlässt. Der Fonds verfügt im Zeitraum 2021-2027 über ein Jahresbudget von 35 Millionen Euro. Er kann 60 bis 85 Prozent der Kosten von Projekten finanzieren, die darauf abzielen, entlassenen Arbeitnehmern zu helfen, eine neue Stelle zu finden oder ein eigenes Unternehmen zu gründen.

EU unterstützt Österreich

"Die Insolvenz von KTM hat die Wirtschaftslandschaft in Oberösterreich erschüttert und uns vor Augen geführt, welche schlimmen Folgen unternehmerische Fehleinschätzungen haben können. Für viele früheren KTM-Mitarbeiter springt jetzt die EU ein und unterstützt Österreich dabei, diese Arbeitskräfte schnell wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren", sagt die oberösterreichische Europaabgeordnete Angelika Winzig, Wirtschafts- und Arbeitsmarktsprecherin der ÖVP im Europaparlament.

"Die Freigabe der Mittel aus dem Globalisierungsfonds zeigt deutlich, dass die Europäische Union den Menschen in schwierigen Zeiten zur Seite steht und genau dort hilft, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird. (...) So wichtig diese Unterstützung auch ist, zeigt sich einmal mehr, dass Gewinne allzu oft privatisiert werden, während Verluste meist kollektiv getragen werden müssen. Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sollten nur in Ausnahmefällen für unternehmerisches Versagen aufkommen müssen", betont SPÖ-EU-Abgeordnete und Mitglied des Beschäftigungsausschusses Evelyn Regner laut Aussendung.

Der Bundesvorsitzende der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), Reinhold Binder, kommentiert: "Mit dieser Entscheidung hat das EU-Parlament dazu beigetragen, Menschen, die ihren Arbeitsplatz bei KTM in Mattighofen verloren haben, wieder eine Perspektive zu geben. Österreich braucht Fachkräfte und wir können es uns nicht leisten, auf die Erfahrung und das Engagement dieser Menschen zu verzichten." Das Angebot von gezielten Weiterbildungs- bzw. Umschulungsmaßnahmen werde dazu führen, dass rasch wieder eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt erfolgen kann.