Schlechte Nachrichten für die Anrainer am Tiroler Grenzübergang Brenner. Im Vorjahr fuhren auf der Brennerstrecke dreimal so viele Lkw wie über alle Schweizer Alpenpässe. In Summe rollten 2,4 Millionen schwere Lkw und Sattelschlepper über den Brenner, rechnete der VCÖ vor. "Während der Alpentransit in der Schweiz gegenüber dem Jahr 2010 um 250.000 Lkw abgenommen hat, hat die Zahl der Lkw über den Brenner im gleichen Zeitraum um rund 550.000 zugenommen", so der Club.

Die von der EU beschlossenen künftigen Luftgrenzwerte seien nur mit verstärkten Maßnahmen zur Reduktion des Lkw-Transits erreichbar, betont der VCÖ in einer Aussendung. Der Kfz-Verkehr sei nämlich der Hauptverursacher von Mikroplastik, gerade auf Gebirgsstrecken sei der Abrieb besonders stark.

"Die EU möchte den Anteil des Schienengüterverkehrs bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Diesen Worten müssen auch Taten folgen, indem endlich Maßnahmen wie eine EU-weite Mindestmaut für Lkw eingeführt wird und die Mitgliedstaaten in die Pflicht genommen werden, die Verlagerung auf die Schiene voranzutreiben", hieß es vom VCÖ. Darüber hinaus sei es wichtig, verstärkte Lkw-Kontrollen durchzuführen.

Der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) sah sich indes durch die VCÖ-Zahlen in Sachen Tiroler Anti-Transitmaßnahmen in einer Stellungnahme gegenüber der APA "einmal mehr bestätigt". Der Transitverkehr habe trotz der Maßnahmen zugenommen. "Man stelle sich nun vor, welches Ausmaß die Belastung am Brennerkorridor angenommen hätte, gäbe es keine Notmaßnahmen", so Mattle. "Deshalb kann keine vernünftige politische Kraft in Europa ernsthaft glauben, dass Tirol und der Brenner die Aufhebung aller Anti-Transitmaßnahmen auch nur ansatzweise bewältigen könnten", warnte der Landeshauptmann. Italien und die Europäische Kommission müssten erkennen, dass der Schutz von Gesundheit, Umwelt und Infrastruktur schwerer wiege, wie die "Interessen der Frächter-Lobby", appellierte der Tiroler ÖVP-Landeschef.

"Der Brennerkorridor ist chronisch überlastet", die Brennerautobahn sei 70 Jahre alt und fuße auf Brücken, "die in die Jahre kommen". "Die Belastungsgrenze für Mensch, Natur und Infrastruktur ist erreicht", betonte Mattle. Die EU dürfe jedenfalls nicht einen "Verkehrskollaps" auf der Nord-Süd-Achse oder einen "Infrastrukturinfarkt" riskieren, schloss der Landeschef.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag im Streit um die Tiroler Anti-Transitmaßnahmen auf der Brennerstrecke den Weg für eine Klage Italiens gegen Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) frei gemacht. In einer Stellungnahme gab die Behörde der Kritik Italiens in markanten Bereichen recht, auf ein eigenes Vertragsverletzungsverfahren wurde aber verzichtet. Einige der Tiroler Maßnahmen würden den freien Warenverkehr einschränken. Italien reagierte erwartungsgemäß: Man klagt.

(APA)