Die Zahlen wurden am Rande der Biofach-Messe in Nürnberg vorgestellt. © APA - Austria Presse Agentur

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Das geht aus Zahlen der AMA-Marketing hervor, die am Rande der Biofach-Messe in Nürnberg präsentiert wurden. Die Österreicherinnen und Österreicher gaben 2025 fast 1,2 Milliarden Euro für Bioprodukte aus - ein Plus von 6,5 Prozent zum Vorjahr 2024. Die Branchenvertretung Bio Austria fordert in dem Kontext weitere Unterstützung für Betriebe, die auf Bio-Produktion umsteigen wollen.

Mengenmäßig fiel der Zuwachs 2025 mit 2,3 Prozent aber etwas geringer aus. Der Bio-Anteil an den Ausgaben im heimischen Lebensmittelhandel lag 2025 bei knapp 12 Prozent. Besonders hoch war die Bio-Rate beim Mehl mit gut 30 Prozent. Beim Fleisch ist der Bio-Anteil auf über 8 Prozent gestiegen, getragen von einem Plus beim Rind-, Kalb- und Hühnerfleisch. Bei Schweine- und Putenfleisch gab es hingegen einen Rückgang. Besonders beliebt seien die Bio-Produkte in den Städten. In Wien kommt der Bio-Anteil auf 15,4 Prozent, in Gemeinden mit weniger als 2.000 Einwohnern sind es 10,4 Prozent.

Sorgen wegen Förderstopp für Bio-Umstieg

Für Barbara Riegler, Obfrau von Bio Austria, zeigen die Zahlen, dass es genügend Nachfrage gibt und es "wieder neue Impulse" für den Einstieg in die Bio-Landwirtschaft brauche. "Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, laufen wir Gefahr, dass wir Marktchancen nicht nutzen". Aktuell können Betriebe, die auf biologische Produktion umsteigen wollen, keine entsprechenden Förderungen erhalten. An Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) richtete sie daher den Appell, hier "eine Lösung zu finden."

Die Grünen schlossen sich am Freitag dieser Forderung an und fordern finanzielle Hilfen von Bio-Bäuerinnen und -Bauern. "Während der Finanzminister offenbar auf einen fairen Beitrag der Superreichen verzichten kann, ist zur Unterstützung der Bio-Landwirtschaft kein Geld da", kritisierte die grüne Landwirtschaftssprecherin, Olga Voglauer, per Aussendung.

Einen Appell richtete die Bio-Austria-Obfrau in Nürnberg auch an die Abgeordneten des EU-Parlaments. Diese dürften in den kommenden Monaten über eine Lockerung der Gentechnik-Regeln abstimmen. Riegler hofft hier auf ein "Nein" der europäischen Volksvertretung. Für sogenannte Neue Genomische Techniken (NGT) soll es laut den Plänen, die bereits von den EU-Mitgliedstaaten abgesegnet wurden, weniger strenge Regeln geben. Diese Sorten sollen dem Gesetzesentwurf zufolge nur noch auf dem Saatgut als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden müssen. Befürworter erhoffen sich dadurch neue Sorten, die etwa besser mit Dürren zurechtkommen und weniger Dünger benötigen. Riegler fordert eine klare Kennzeichnung von Gentechnik und einen wirksamen Schutz vor Patenten.

Regionalität als zentrales Verkaufsargument

"Bio erweist sich als krisenresistent", sagte die Geschäftsführerin der AMA-Marketing, Christina Mutenthaler-Sipek, bei der Präsentation der Zahlen für 2025 in Nürnberg. Als einziges Land in der Europäischen Union (EU) habe Österreich das für 2030 ausgegebene Ziel von 25 Prozent biologischen Landwirtschaftsflächen erreicht. Zentrale Beweggründe für Verbraucherinnen und Verbraucher biologische Produkte zu kaufen, seien der Verzicht auf chemische Stoffe und Pestizide, das Tierwohl und die Regionalität. Besonders letzterer Faktor sei zunehmend wichtig geworden, habe eine von der AMA in Auftrag gegebene Studie gezeigt.

Gesundheitstrend als Treiber

Die Gründe für Biokauf gingen "mit den gesellschaftlichen Megatrends einher", so Mutenthaler-Sipek. Laut der AMA-Studie gab eine knappe Mehrheit der 1.500 Befragten an, Bioprodukte vorrangig aus Eigeninteresse, also mit Blick auf die eigene Gesundheit zu kaufen. Diesen Trend hin zu einem stärkeren Gesundheitsbewusstsein merken auch viele der 70 österreichischen Betriebe, die auf der Biofach-Messe ausgestellt haben. Die Teuerung und eine nachlassende Bedeutung von Nachhaltigkeit in der öffentlichen Debatte seien für den Biomarkt "schon ein Bremser" gewesen, erklärte Peter Stallberger vom Mehlhersteller GoodMills gegenüber Journalisten. "Der Gesundheitstrend wirkt dem aber entgegen."

"Der Gesundheitstrend hilft uns sehr", sagte auch Christoph Salomon vom Gemüsewürzehersteller "Doch! Geschmacks-Manufaktur". Das höhere Gesundheitsbewusstsein bei den Verbrauchern spielt auch für Getränkehersteller eine wichtige Rolle - wenn auch "Bio" hier weniger eine Rolle spielt. Bier (mit Alkohol) habe ein Plateau erreicht, meinte Philipp Geiger von der Tiroler Brauerei "Zillertal Bier" im Gespräch mit der APA. In seinem Unternehmen habe man in den vergangenen Jahren sowohl verstärkt auf Bio-Biere als auch auf alkoholfreie Alternativen gesetzt. Auch er glaubt, dass Regionalität als Verkaufsargument wichtiger ist als "Bio". Auch beim Getränkehersteller Höllinger habe man sich "bewusst hinpositioniert, auf "Genießen ohne Alkohol", wie Geschäftsführer Axel Fila erklärte.

Ein weiterer Trend sei auch jener hin zu weniger Fleisch, sagte Claudia Peischl vom Wiener Tofu-Hersteller "New Originals". Bei Tofu gebe es in Österreich wie in Deutschland zweistellige Wachstumsraten, während Analogfleischprodukte eher abnehmen würden. Peischl erklärt diesen Trend mit einem gestiegenen Anteil an "Flexitariern", also Menschen die ihren Fleischkonsum reduzieren wollen, ohne ganz darauf zu verzichten. Diese seien weniger auf einen möglichst originaltreuen Fleischersatz aus.