Mehr Sicherheit durch strategisches Risikomanagement © shutterstock
CRIF Österreich registrierte im vergangenen Jahr 7.392 Firmeninsolvenzen und verzeichnete damit den höchsten Stand seit 2021. Ein Grund zur Vorsorge, rät Key Account Manager Dominique Don Giordano.
Lieferketten stehen unter Druck, geopolitische Entwicklungen verändern Märkte über Nacht, Insolvenzen treffen auch etablierte Partner und Compliance-Vorgaben werden komplexer. Das zeigen auch die Zahlen: 7.392 Unternehmensinsolvenzen zählte Österreich allein im Jahr 2025. Für international tätige Unternehmen wird es damit immer wichtiger, Veränderungen früh zu erkennen und aus Daten rasch belastbare Entscheidungen abzuleiten.
Im Gespräch erklärt Dominique Don Giordano, Key Account Manager bei CRIF, warum Digitalisierung im Risikomanagement vor allem eines leisten muss: mehr Klarheit in einer unsicheren B2B-Welt.
Wie schnell wird aus einem Geschäftspartner ein Risiko?
Schneller, als viele Unternehmen erwarten. Ein Geschäftspartner, der heute noch als verlässlich gilt, kann morgen bereits ganz anders bewertet werden müssen: durch Zahlungsschwierigkeiten, neue Eigentümerverhältnisse, regulatorische Auffälligkeiten oder Entwicklungen in einem Markt, die sich kaum vorhersehen lassen. Wer international neue Kunden gewinnen, Märkte erschließen oder bestehende Geschäftsbeziehungen ausbauen möchte, muss deshalb laufend wissen: Ist dieser Partner wirtschaftlich stabil? Gibt es Auffälligkeiten im Hintergrund? Bestehen Compliance-Risiken? Und verändert sich diese Einschätzung vielleicht schon nächste Woche wieder?
Welche Rolle spielen Daten in diesem Entscheidungsprozess?
Ohne belastbare Daten werden internationale Geschäftsentscheidungen schnell zur Bauchentscheidung. Entscheidend ist dabei nicht allein die Menge der Informationen, sondern ihre Einordnung. Denn viele Unternehmen haben nicht etwa zu wenige Daten, sondern zu viele aus zu vielen Quellen. Unterschiedliche Länder, Register, Aktualitätsgrade und Standards machen es schwer, rasch ein klares Bild zu gewinnen. Ein CFO, ein Risk Manager oder ein Einkaufsleiter braucht keine lose Datensammlung, sondern eine verständliche Entscheidungsgrundlage: Was bedeutet diese Information konkret für mein Risiko? Muss ich Kreditlimits anpassen? Brauche ich einen alternativen Lieferanten? Ist ein Markt attraktiv oder zu unsicher? Digitalisierung in der Berichterstellung hilft, solche Fragen schneller und klarer zu beantworten.
Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten blinden Flecken im internationalen Geschäft?
Aus meiner Sicht entstehen die größten blinden Flecken dort, wo Unternehmen glauben, bereits ausreichend informiert zu sein. Im internationalen Geschäft kann genau das gefährlich werden. Denn Informationen sind je nach Markt sehr unterschiedlich verfügbar: Ein Unternehmen wirkt in einem Land sehr transparent, während Eigentümerstrukturen oder wirtschaftliche Verflechtungen in einem anderen Markt deutlich schwerer einzuordnen sind. Fehlen Aktualität oder Vergleichbarkeit, werden Entscheidungen schnell riskant.
Ein zweiter blinder Fleck ist die Momentaufnahme. Viele Unternehmen prüfen Geschäftspartner zu Beginn einer Zusammenarbeit sehr sorgfältig, beobachten sie danach aber nicht weiter. Dabei können sich Bonität, wirtschaftliche Stabilität, Management, Eigentümerstrukturen oder Compliance-Risiken laufend verändern.
Der dritte blinde Fleck liegt in der Übersetzung von Daten in Entscheidungen. Am Ende zählt nicht nur, ob ein Bericht verfügbar ist, sondern was daraus folgt: Wird ein Kreditlimit angepasst? Braucht es eine alternative Lieferantenstrategie? Sollte ein Markt genauer beobachtet werden? Gerade KI-gestützte Auswertungen können helfen, komplexe Berichte zu vereinfachen und aus einzelnen Signalen konkrete Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.
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"Die größte Herausforderung liegt derzeit darin, dass Unternehmen nicht mit einem einzelnen Risiko umgehen müssen, sondern mit vielen gleichzeitig: gefährdete Lieferfähigkeit, mögliche Zahlungsausfälle, regulatorische Anforderungen, Wachstumsdruck, geopolitische Unsicherheiten, Sanktionen, Betrug, Scheinfirmen und eine steigende Zahl an Insolvenzen." Dominique Don Giordano, Key Account Manager CRIF
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Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für international agierende Unternehmen?
Die größte Herausforderung liegt derzeit darin, dass Unternehmen nicht mit einem einzelnen Risiko umgehen müssen, sondern mit vielen gleichzeitig: gefährdete Lieferfähigkeit, mögliche Zahlungsausfälle, regulatorische Anforderungen, Wachstumsdruck, geopolitische Unsicherheiten, Sanktionen, Betrug, Scheinfirmen und eine steigende Zahl an Insolvenzen.
Viele Organisationen erkennen, dass klassische Prüfprozesse dafür zu langsam sind. Wenn ein Lieferant ausfällt, ein Kunde zahlungsunfähig wird oder ein Partner plötzlich auf einer Risikoliste auftaucht, ist der Schaden oft bereits entstanden. Deshalb verschiebt sich der Fokus von der einmaligen Prüfung hin zu laufendem Monitoring, um Risiken früher zu erkennen, Handlungsoptionen offenzuhalten und Chancen rechtzeitig zu nutzen.
Wie sehen Sie die Zukunft des Risikomanagements in Unternehmen?
Aus meiner Sicht wird erfolgreiches Risikomanagement künftig daran gemessen, wie gut es Entscheidungen im Unternehmen unterstützt. Es geht nicht darum, immer mehr Daten zu sammeln, sondern die richtigen Signale rechtzeitig zu erkennen. Automatisierung, Echtzeitdaten und KI werden dabei zum Standard, weil sie Komplexität reduzieren und Informationen in konkrete Handlungsmöglichkeiten übersetzen. Wer Risiken früher erkennt, kann nicht nur Schäden vermeiden, sondern internationale Chancen nutzen. (PR)
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Über CRIF
CRIF ist ein globaler Informationsdienstleister mit mehr als 70 Niederlassungen in über 35 Ländern auf vier Kontinenten. Im Fokus der Unternehmensgruppe stehen der Schutz und die Stärkung der lokalen Wirtschaft. CRIF setzt auf datenbasierte Lösungen für Identitäts- und Risikomanagement, Betrugsvermeidung und Nachhaltigkeit. Handel, Banken, Versicherungen, Zahlungsanbieter und damit auch Konsument:innen werden durch die Lösungen von CRIF geschützt und gestärkt. CRIF vereint das Beste aus zwei Welten: innovative Technologie mit vertrauenswürdigen Informationen sowie Analytics und Consulting. CRIF, lizenzierter Tool-Partner der GRI (Global Reporting Initiative), gestaltet die Zukunft von Unternehmen durch innovative Lösungen, die weit über eine umfassende wirtschaftliche Stärkung hinausgehen. Als Teil der CRIF-Gruppe ist CRIF Ratings eine von der ESMA zugelassene Ratingagentur.
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