Julie Gruber, Geschäftsführerin Wolkenrot, im Porträt.

NEW BUSINESS - NR. 11, NOVEMBER 2026
»Heute denken wir oft kurzfristig und sind auf den eigenen ­Vorteil bedacht. Aber wir brauchen alle langfristigere ­Perspektiven, wie wir gemeinsam mehr erreichen können.« © Armin Bonelli

Mehr Zusammenhalt, weniger Ego: Sie bringt frischen Wind und neue ­Perspektiven ins HR-Business – Julie ­Gruber, Geschäftsführerin von Wolkenrot.

Wenn morgens oder abends die Wolken am Himmel in einem kräftigen Rot leuchten, kündigt dieser beeindruckende Anblick oft einen Wetterumschwung an. Solche Veränderungen gehören einfach dazu – zum Wetter wie zum Leben. Julie Gruber hat diese Wende­punkte nie gescheut, im Gegenteil: „In meinem bisherigen Berufsleben ­habe ich mich immer für einen Neuanfang entschieden, wenn der aktuelle Weg mich nicht zu meinen langfristigen Zielen führte oder nicht meinen Werten entsprach – selbst, wenn dies bedeutete, ein sehr erfolgreiches Unternehmen zu verlassen.“

Aufgewachsen in Klagenfurt, zog es sie nach der Matura an die Wirtschaftsuniversität Wien für das Studium der Handelswissenschaften. Schon ihr erstes Seminar zum Thema Personalmanagement genügte damals als Funke, um ihre Leidenschaft für die HR zu entfachen.

Nach ersten Karriereschritten in der Personalabteilung einer Bank in Italien und mehreren Jahren in der Personalberatung bei Wentner & Havranek in Wien, wo sie auch berufsbegleitend eine Ausbildung zur Psychotherapeutin absolvierte, machte sie sich als „One-Woman-Show“ selbstständig. „Darauf aufbauend gründete ich mit meinem Geschäftspartner mein erstes Unternehmen. Zehn Jahre lang haben wir sehr erfolgreich Personalmanagement-Dienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen angeboten“, erzählt Gruber.

Echtes Neuland betreten
Doch in ihr reifte schon länger der Gedanke, etwas Größeres aufzubauen. Sie wollte Interim-Management mit reinem HR-Fokus nach Österreich bringen. Gemeinsam mit Anita Stadlmann – mit der sie bereits im vorangegangenen Unternehmen zusammengearbeitet hatte – rief sie Wolkenrot ins Leben. Damit betraten die Gründerinnen echtes Neuland und sorgten für frischen Wind am Branchenhimmel.

„Damals wie heute ist uns wichtig, unsere Dienstleistung nicht nur auf dem Management-Level anzubieten, sondern in allen HR-Bereichen – von Administration über Interim-Recruiting bis zum Interim-Management. Heuer feiern wir unser zehnjähriges Jubiläum, haben mehr als 500 Mandate betreut und sind im Bereich Interim-HR Marktführer in Österreich“, schildert die Geschäftsführerin.

Doppelte Expertise
Das Fundament dieses Erfolgs bildet ein starkes Tandem. Die Geschäftspartnerinnen ergänzen sich perfekt. „Ich bin beispielsweise sehr kreativ und habe viele Ideen, Anita konkretisiert diese dann so, dass wir sie erfolgreich umsetzen können“, sagt Gruber und führt weiter aus: „Auch unsere Aufgaben und Zuständigkeiten sind klar verteilt: Ich verantworte die Geschäftsführung, ­Anita ist für die Finanzen sowie die interne Organisation zuständig. Vertrieb liegt uns beiden einfach im Blut, daher konzentriert sich Anita auf den Aufbau neuer Kontakte, während ich überwiegend unsere langjährigen Kontakte pflege.“ 

Während der Mitbewerb im DACH-Raum meist auf Expert:innen-Pools setzt, ging Gruber bewusst einen anderen Weg: Sie baute eine Community ausgewählter HR-Interim-Manager:innen auf. „Der Community-Gedanke und die gegenseitige Unterstützung sind uns sehr wichtig. Außerdem legen wir großen Wert auf Austausch und Fortbildung. Unsere Kolleg:innen sind zwar selbstständig, aber sie identifizieren sich stark mit uns – das ist bei anderen Interim-Anbieter:innen nicht so.“

Das Prinzip der Tandem-Führung setzt sich im bewährten Geschäftskonzept fort. Dabei teilen sich zwei Kolleg:innen ein Mandat – ein Ansatz, der nicht nur den Kundinnen und Kunden doppelte Expertise sichert, sondern auch maximale Flexibilität bietet. „Wir haben überwiegend Frauen im Team, vielen bietet das die Chance, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen“, betont die Personalexpertin.

Ihren eigenen Führungsstil beschreibt sie als fern von starren Hierarchien: ­Offenheit, Vertrauen, Transparenz und Kommunikation stehen an erster Stelle. „Mir ist sehr wichtig, dass alle an einem Strang ziehen“, so Gruber und weiter: „Ich bin überzeugt, dass Menschen richtig erfolgreich in ihrem Job werden, wenn sie diesen gerne machen und sich entfalten können.“

Stürmische Zeiten
„Wetterumschwünge“ beobachtet sie aktuell auch auf dem Arbeitsmarkt: Während manche Branchen unter akutem Bewerbermangel leiden, gibt es auf andere Positionen plötzlich wieder Hunderte Bewerbungen. Hohe Personalkosten fordern vor allem kleine und mittlere Unternehmen heraus. „Bei Wolkenrot zeigt sich das auch, weil wir aktuell weniger Recruiting-Projekte und mehr Restrukturierungsprojekte umsetzen“, berichtet Julie Gruber.

Wie wichtig ihr der Community-Gedanke auch ganz persönlich ist, bekräftigt Gruber mit einem abschließenden Appell: „Ich wünsche mir, dass es wieder mehr Gemeinschaft gibt, mehr Zusammenhalt und weniger Egoismus, den ich doch sehr stark spüre. Heute denken wir oft kurzfristig und sind auf den eigenen Vorteil bedacht. Aber wir brauchen alle langfristigere Perspektiven, wie wir gemeinsam mehr erreichen können.“ (RNF)


12 FRAGEN AN JULIE GRUBER

Was wollten Sie als Kind werden?
Als kleines Kind wollte ich Säuglingsschwester werden. Wir haben in der Nähe des Sanatoriums gewohnt, in dem auch ich geboren bin, und wir sind immer gern dorthin gegangen, um die kleinen Butzis anzuschauen – die fand ich sehr süß. 

Was bedeutet Glück für Sie?
Schöne, gute und tiefe Beziehungen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„Carrie Soto is Back“ von Taylor Jenkins Reid. Ich mag die Bücher der Autorin, die lesen sich schnell und einfach. Bei Büchern mag ich einfache Unterhaltung.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?
Mein Vater, weil er ein sehr bescheidener Mensch mit einem großen Herz war. Seine Ruhe und Empathie haben ihn zu etwas ganz Besonderem gemacht. Leider ist er vor Kurzem verstorben.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?
Little by little and without shortcuts – ein schönes Motto, das bedeutet, man muss den kompletten Weg gehen und kann nicht immer eine Abkürzung nehmen. Um weiterzukommen, muss man die gesamte Erfahrung machen.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?
Mit der Nummer eins im Damentennis oder noch lieber mit der Nummer eins im Herrentennis. Ich würde gern eines der großen Turniere spielen.

Was ist das Verrückteste, das Sie je in ihrem Leben getan haben?
Da gibt es viel. Ich bin oft sehr spontan, und wer mich kennt, weiß, ich mache viel Blödsinn. Ich bin auch nicht immer sehr vernünftig.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Ich glaube, dass ich Menschen viel geben kann.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Ich lache ganz viel und oft. Auch über meine eigenen Witze und meine verrückten Ideen.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?
Mir fällt grad nichts ein, wo ich sagen würde, das traue ich mich nicht. Ich würde jetzt nicht mein Leben aufs Spiel setzen, aber wenn mir spontan etwas einfällt, dann probiere ich das auch aus.

Was motiviert Sie, tagtäglich aufzustehen?
Ich stehe nie gerne auf, ich möchte eigentlich immer lieber liegen bleiben. Ich steh einfach auf und suche mir dann etwas, was mir guttut. In Italien fällt es mir leichter aufzustehen. Ich liebe es, im Urlaub morgens meine Laufschuhe anzuziehen und dann mit Musik im Ohr eine Runde am Meer zu drehen. 

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie dann und ­warum?
Das erste, was mir einfällt, ist eine Schnecke. Ich bin kein schneller Mensch, aber ein ausdauernder, und komme daher immer ans Ziel!


ZUR PERSON
Ein Herz für HR
Julie Gruber, geboren in Klagenfurt, ­absolvierte das Studium der Handelswissenschaften an der WU Wien – mit einer Spezialisierung auf Personalwirtschaft. Weitere Ausbildungen im Bereich Moderation, Coaching und Arbeit mit Gruppen sowie ein Psychotherapeutisches Propädeutikum ergänzen ihren Bildungsweg. Ihre berufliche Laufbahn begann Gruber als Personalistin in einem Finanzdienstleistungsunternehmen in Italien sowie in der Personalberatung bei Wentner & ­Havranek (heute Deloitte) in Wien. Später arbeitete sie als selbstständige Personalberaterin und gründete dann 2007 mit einem Geschäftspartner ihr erstes Unternehmen, die Personal-Basis Management GmbH. 2016 hob sie gemeinsam mit Anita Stadlmann die Wolkenrot Personalmanagement GmbH aus der Taufe.