Powerduo der Energie

NEW BUSINESS Guides - UMWELTTECHNIK- & ENERGIE-GUIDE 2026/27
Laut einer Analyse wäre eine Verfünf­fachung von Österreichs Batteriekapazität nötig, um im ­Sommer an 60 Tagen den Abendbedarf vollständig mit ­gespeichertem Sonnenstrom zu decken. © Magnific/ursoialex

Batteriespeicher müssen als logischer Partner der Photovoltaik ins ­Zentrum politischer und regulatorischer Entscheidungsfindung rücken, fordert der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria.

Österreichs PV-Branche tritt in eine neue Phase: Mit mehr als 15 Prozent Anteil am heimischen Stromverbrauch hat sich die Photovoltaik längst als tragende Säule in Österreichs Energieversorgung etabliert. Doch um auch in den Abendstunden leistbare Strompreise zu haben und den Netzausbau zu reduzieren, muss der verstärkte Einsatz von Batterie­speichern als logischer Partner der Photovoltaik ins Zentrum politischer und regulatorischer Entscheidungsfindung rücken.

Fakten zählen hier mehr als Ideologien. Denn Energiekrisen sind keine vorübergehenden Probleme plötzlicher geopolitischer Konflikte, die genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Nein, sie sind die strukturellen Sollbruchstellen des fossilen Energiesystems. Dabei hat es Österreich selbst in der Hand, die Kontrolle über die eigene Energieversorgung zurückzuholen.

Das Fundament ist bereits gelegt: Rund zehn Terawattstunden (TWh) Sonnenstrom erzeugen Österreichs PV-Anlagen inzwischen pro Jahr, Tendenz rasant steigend. Mit über 62.000 neuen Anlagen und 1,6 Gigawatt Zuwachs im vergangenen Jahr schreitet der Ausbau voran. Die festgehaltenen Ausbauziele laut Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) von 21 TWh bis 2030 und 41 TWh bis 2040 sind realistisch. Doch nur, wenn die Branche die richtigen Rahmen­bedingungen vorfindet, statt ausgebremst zu werden.

Flexibilität ist die neue Anforderung an den Ausbau
Der heurige Hitzesommer verdeutlichte die aktuelle Dynamik am Strommarkt einmal mehr: So gab es Tage, an denen bis zu 38 Prozent der Stromerzeugung aus PV-Anlagen stammten. Damit wurde stundenweise der gesamte Stromverbrauch durch Solarstrom gedeckt. Danke, Sonnenstrom – denn die Wasserkraft litt in diesem Sommer stark. Dieses große Angebot drückte auch die Großhandelspreise zeitweise in den negativen Bereich. In den verbrauchsstarken Abendstunden schoss die Nachfrage jedoch wieder nach oben, denn diese Spitzen mussten häufig mit teuren fossilen Stromimporten ausgeglichen werden. 

Die Branche ist sich längst einig: Statt Strom aus Gaskraftwerken braucht es den gezielten Ausbau von Batteriespeichern. „Wir müssen PV und Stromspei­cher als kongeniales Duo der Energieversorgung der Zukunft denken. Der entscheidende Hebel liegt darin, Überschüsse einzu­fangen und dann verfügbar zu machen, wenn das System durch den erhöhten Verbrauch unter Druck gerät. Damit wird der heimisch erzeugte Sonnenstrom zur richtigen Zeit verfügbar und die Bevölkerung durch nachhaltig sinkende Strompreise spürbar entlastet“, erklärt Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Photovoltaic & Battery Austria (PV & B Austria).

Klare Spielregeln gefordert
Würde Österreich seine Batteriekapazität auf bis zu 16 Gigawattstunden verfünffachen, würde der tagsüber gespeicherte Sonnenstrom ausreichen, um an 60 Sommertagen den teuren Abendbedarf vollständig zu decken. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Fingreen, die im Auftrag von PV & B Austria durchgeführt wurde. Allein in den Sommermonaten ergäbe das eine Ersparnis von rund 150 Millionen Euro fürs Stromsystem.

Die technologische Umsetzungsgeschwindigkeit der Branche steht außer Frage. Was fehlt, sind verlässliche gesetzliche Vorgaben: „Photovoltaik und Stromspeicher bieten Österreich die Möglichkeit, in der Stromversorgung unabhängiger zu werden. Dazu braucht es allerdings von der Politik einerseits eine Speicheroffensive, die über ein bloßes Lippenbekenntnis hinausgeht. Außerdem muss die E-Control in ihrer Rolle als Regulator bei den Netzentgelten die praxistauglichen Rahmenbedingungen vorlegen. Wir sehen eine unsachliche Debatte – die auf wenig Fakten, aber viel Ideologie beruht – darüber, welche Speicher als netzdienlich gelten und somit bei den Netzkosten begünstigt werden“, betont Immitzer.

Entscheidend müsse sein, ob eine Batterie nachweislich das Stromnetz entlastet. Wenn ja, müsse dies in den Netzkosten honoriert sein. Dabei ist das Einsparungspotenzial an Netzkosten groß: 15 Milliarden Euro – also ein Drittel der geplanten Kosten für den Netzausbau. (RNF)