Händler erwarten Umsatzschub durch Sonntagsöffnung © APA - Austria Presse Agentur

WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik kann sich österreichweit eine Sonntagsöffnung bis zu zehnmal im Jahr "vorstellen". Zuletzt hatte der SCS- und Donau-Zentrum-Betreiber Unibail-Rodamco-Westfield jährlich sechs bis zehn Öffnungstage am Sonntag gefordert. Die Händler wünschen sich einen Umsatzschub für die Branche und verweisen auf flexiblere Sonntagsöffnungszeiten in manchen EU-Ländern. Seit 2015 sind hierzulande die Einzelhandelsverkaufsflächen um 3,5 Prozent zurückgegangen.

Dies geht aus einer aktuellen Analyse des Handelsberaters Standort + Markt im Auftrag der WKÖ-Bundessparte Handel hervor. "Die Daten zeigen keinen Absturz des stationären Handels, aber einen tiefgreifenden Umbau", sagte die Gesellschafterin von Standort + Markt, Brigitte Moser, am Mittwoch bei der gemeinsamen Studienpräsentation mit der Wirtschaftskammer. Der Handel verschwinde nicht aus Städten und Regionen, doch er konzentriere sich "stärker auf gute Standorte" und passe "seine Flächen und Konzepte an veränderte Konsumgewohnheiten an", so die Handelsexpertin.

Einzelhandelsflächen in Städten seit 2015 um 13 Prozent gesunken

Die heimischen Einzelhandelsverkaufsflächen stiegen im Zeitraum 2015 bis 2025 in Shopping-Centern um 2 Prozent und in Fachmarktzentren um 0,8 Prozent und gingen in sogenannten "City"-Lagen um 13 Prozent zurück. Die frei werdenden Einzelhandelsflächen in den Gemeinden und Städten seien teilweise von Betrieben im Bereich Gastronomie, Gesundheit, Dienstleistungen und Freizeit übernommen worden, sagte Standort + Markt-Geschäftsführer Hannes Lindner bei der Pressekonferenz. Die Innenstädte würden "nicht krachen", sondern "multifunktionaler", der Einzelhandel bleibe aber "Frequenzanker" in den Städten.

Der stationäre Mode- und Schuhhandel spürt besonders die Onlinehändler-Konkurrenz und ist teilweise auf Rückzug. In den Innenstadtlagen ging der Bekleidungsanteil laut Standort + Markt in den letzten zehn Jahren von 25,5 auf 21,2 Prozent zurück. Der Anteil an Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeit in den Städten erhöhte sich um 2,6 Prozentpunkte.

WKÖ-Handelsobmann: "Keine Radikallösung" für Sonntagsöffnung

Geöffnete Geschäfte am Sonntag würden laut Handelsvertretern auch die Stadt- und Gemeindezentren beleben. WKÖ-Vertreter Trefelik will "keine Radikallösung" bei der "hochemotionalen Debatte" um die Sonntagsöffnung. "Wir werden über die Regulatorik nachdenken müssen." In allen Bundesländern außer Wien ist für Händler derzeit eine Sonntagsöffnung in Tourismuszonen erlaubt. Außerdem wünscht sich der Handelsobmann eine Diskussion, ob Geschäfte am Samstag anstatt bisher bis 18.00 Uhr auch bis 21.00 Uhr offenhalten dürfen.

Die Gewerkschaft GPA ist generell gegen eine Liberalisierung der Öffnungszeiten im Handel und kritisiert die erneute Forderung nach einer Sonntagsöffnung. "Wer Sonntagsarbeit fordert, nimmt den Beschäftigten den einzigen verlässlich freien Tag und verschärft damit die ohnehin anspruchsvollen Arbeitsbedingungen weiter", so die für Handel zuständige GPA-Vertreterin Linda Keizer in einer Aussendung. Wer die Herausforderungen der Handelsbranche lösen wolle, müsse "bei fairen Arbeitsbedingungen ansetzen - und nicht beim freien Sonntag", sagte die Gewerkschafterin.

Der Konkurs des Möbelhändlers Kika/Leiner Anfang 2025 hat eine große Flächenlücke bei den Fachmarktzentren hinterlassen und die Nachnutzung der Kika/Leiner-Standorte beschäftigte österreichweit die Städte und Gemeinden. Der Flächenanteil des Einrichtungshandels in den Fachmarktagglomerationen ging seit 2015 von 32,4 auf 20,4 Prozent zurück. Der Rückgang ist hauptsächlich auf das Kika/Leiner-Aus zurückzuführen.

Reale Handelsumsätze in Österreich seit 2015 um 15 Prozent gestiegen

Die Standort + Markt-Auswertung umfasst auch eine Analyse der Umsatzentwicklung im Handel. Der Umsatz der Einzelhändler ist seit 2015 nominell um 49,4 Prozent gestiegen, inflationsbereinigt (real) aber nur um 15,2 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren ist der B2C-Onlinehandel nominell um 76,1 Prozent gestiegen. WKÖ-Handelsobmann Trefelik fordert von der Politik "faire Wettbewerbsbedingungen" im Hinblick auf Online-Handelskonzerne von außerhalb der EU und "ein Einbremsen der Kostenspirale" bei Energie und Mieten in Österreich.