Wifo: Energiepreise bremsen Österreichs Konjunktur nur kurz © APA - Austria Presse Agentur
Österreichs Wirtschaft soll trotz Iran-Krieg heuer real um 0,8 Prozent (IHS) bzw. 0,9 Prozent (Wifo) wachsen. Das Wifo bestätigte am Donnerstag die BIP-Prognose für das laufende Jahr, das IHS erhöhte die Wachstumsaussichten um 0,3 Prozentpunkte. "Das ist nicht stürmisch, das ist ganz passabel angesichts der Krisen", kommentierte Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr die Wachstumszahlen. Für IHS-Direktor Holger Bonin ist Österreichs Wirtschaft "noch einmal davongekommen".
Die Iran-USA-Verhandlungen über ein dauerhaftes Kriegsende haben zuletzt die Öl- und Spritpreise wieder stark sinken lassen. Die Unsicherheit sei aber weiter hoch, sagte Felbermayr bei der Präsentation der Konjunkturprognose am Donnerstag in Wien. Die heimische Inflation soll heuer 3,0 Prozent bzw. 3,2 Prozent betragen.
"Nur leichte Wachstumsdelle" wegen Iran-Krieg
Sollte der Iran-Krieg final zu einem Ende kommen, dann werde es nur "eine leichte Wachstumsdelle" geben, sagte der IHS-Direktor. Der Energie-Preisschock sei "nach derzeitigen Stand nicht so heftig ausgefallen wie beim Ukraine-Krieg". Mit dem Rückgang der Energiepreise werde die Konjunktur ab der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen, schreibt das Wifo in seiner aktuellen Konjunkturprognose. Das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnet im zweiten und dritten Quartal 2026 noch mit einer Stagnation der österreichischen Wirtschaftsleistung, die heimische Wirtschaft soll erst gegen Jahresende wieder an Fahrt gewinnen.
Die Realeinkommen in Österreich schrumpfen heuer aufgrund der hohen Inflation. Dies dämpft die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Wegen des schwachen Wachstums der Konsumausgaben wird für den Handel im laufenden Jahr nur ein leichtes Plus erwartet.
Aufwärtstrend für Österreichs Industrie und Exportwirtschaft
Für das kommende Jahr erhöhten die IHS-Wirtschaftsforscher ihre Wachstumsprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Wifo-Ökonomen erwarten für 2027 nun ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, um 0,2 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Prognose im April. Österreichs Industrie und Exportwirtschaft dürften bis Ende 2027 wieder am weltweiten Aufschwung teilhaben, erklärten die Wirtschaftsforscher.
Der Iran-Krieg und die gestiegenen Rohöl- und Erdgaspreise haben heuer von März bis Mai die Inflation in Österreich sprunghaft erhöht und die Unternehmens- und Verbraucherstimmung gedämpft. Seit Mitte Mai sinken die Öl- und Spritpreise wieder und näherten sich zuletzt dem Vorkrisenniveau wieder an. Die Institute gehen von einem deutlichen Rückgang der Inflation im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent (IHS) bzw. 2,4 Prozent (Wifo) aus.
Arbeitslosenzahlen sollen 2027 sinken
Die schwache Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen Jahren belastet den Arbeitsmarkt. Seit Frühjahr 2023 steigen die Arbeitslosenzahlen. Die nationale Arbeitslosenquote stieg von 6,3 Prozent im Jahr 2022 bis auf 7,4 Prozent im Jahr 2025. Im laufenden Jahr erwarten Wifo und IHS noch einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 7,5 Prozent. Im Jahr 2027 soll die Arbeitslosenquote dann auf 7,3 Prozent sinken.