Gruze verteidigte Verkaufsbedingungen samt Gegengeschäft © APA - Austria Presse Agentur
Im Prozess rund um die pleitegegangene Immobiliengruppe Wienwert wird am Montag der mitangeklagte Unternehmer Klemens Hallmann zum Immobiliendeal "Getreidemarkt 10" befragt. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft ihm vor, er habe im Wissen um die wirtschaftliche Notlage der Wienwert dieser eine Liegenschaft in der Wiener Innenstadt abgekauft und sich zugleich von der Wienwert eine andere Liegenschaft in Tulln deutlich über Wert abkaufen lassen.
Aus Sicht der WKStA hat Hallmann durch Kenntnis der wirtschaftlichen Notlage des Unternehmens nachteilige Vertragsbedingungen diktieren können. Den Gläubigern der Wienwert soll so ein Schaden von knapp 4 Mio. Euro entstanden sein. Hallmann bestreitet die Vorwürfe.
Gruze verteidigte Verkaufsbedingungen samt Gegengeschäft
Beim vergangenen Verhandlungstermin hatte der Hauptangeklagte Ex-Wienwert-Chef Stefan Gruze den Millionendeal verteidigt und erklärt, das geplante Gegengeschäft in Tulln sei von ihm selbst ausgegangen, nicht von Hallmann.
Dem ehemaligen Wienwert-Vorstand Gruze wirft die WKStA indes vor, die im Eigentum einer Wienwert-Tochter gestandene Immobilie Getreidemarkt 10 unter Wert verkauft zu haben. Der Verkauf sei unter enormen Zeitdruck geschehen, um damit eine bald fällig werdende Anleihenverbindlichkeit der Holdinggesellschaft zu finanzieren. Gruze soll als gleichzeitiger Geschäftsführer der Tochterfirma den Verkaufserlös nicht ausreichend besichert als Darlehen an die bereits zahlungsunfähige WW Holding AG vergeben haben.
Gruze relativierte am vergangenen Freitag die Vorwürfe. Der Verkauf der Immobilie sei entlang der Fortbestehensprognose der Wienwert erfolgt. Mit dem Darlehen der Wienwert-Tochter an die Holding habe er den Aufsichtsrat befasst, Sicherheiten seien Anteile an der neuen Wienwert AG gewesen. Laut WKStA soll die Wienwert AG zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits zahlungsunfähig gewesen sein. Der Ex-Wienwert-Chef hat sich zu Prozessbeginn der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen schuldig bekannt, den Hauptvorwurf des Anlagebetrugs jedoch zurückgewiesen.
Nebenschauplatz im Großprozess
Der millionenschwere Deal um den Getreidemarkt 10 ist ein Nebenstrang im Großprozess. Die Causa Wienwert dreht sich in erster Linie um die Schädigung von Anlegern. Gruze und seine Vorgänger sollen Wienwert als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen beworben, dabei aber gleichzeitig dessen Zahlungsunfähigkeit verschwiegen haben. Laut Anklage beläuft sich der Schaden auf rund 41 Mio. Euro, mehr als 1.800 Anleger sind demnach betroffen. Für sämtliche Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.