Starke Buchungszahlen, schwache Erträge © APA - Austria Presse Agentur

Die Stimmung unter den heimischen Tourismusbetrieben ist einer Studie zufolge "gedämpft". Volle Betten, aber sinkende Margen sind das Problem, wie das Beratungsunternehmen Deloitte und die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) betonen. Trotz guter Auslastung sinken demnach bei vielen die Gewinne wegen gestiegener Kosten. Die Betriebe bewerten die wirtschaftliche Lage erneut schlechter als im Vorjahr, zeigt der Deloitte & ÖHV Tourismusbarometer 2026.

"Die allgemeine wirtschaftliche Lage in der Branche wird von den Tourismusbetrieben mit einer Note von 3,2 bewertet - damit hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahr nochmals verschlechtert", hält Andreas Kapferer, Partner bei Deloitte in Tirol, fest. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate seien durchwachsen: Fast jeder zweite Betrieb erwarte eine weitere Verschlechterung. "Das unterstreicht den wirtschaftlichen Druck."

Volle Betten, leere Kassen

Gute Buchungszahlen allein reichen den Angaben zufolge für viele Tourismusbetriebe längst nicht mehr aus, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Rückläufige Margen drückten auf den Ertrag. "Der Tourismus kämpft trotz guter Auslastung mit sinkenden Gewinnen", heißt es in der Studie, in der 230 Touristikerinnen und Touristiker aus ganz Österreich ihre Sicht auf die aktuelle Lage darstellen.

Das Umfeld sei "herausfordernd". Steigende Kosten, eine hohe Steuer- und Abgabenlast sowie die geopolitischen Unsicherheiten rund um den Krieg im Nahen Osten setzten die Ertragskraft vieler Betriebe weiter unter Druck. Die Branche befinde sich im Umbruch.

90 Prozent der Unternehmen rechnen angesichts der geopolitischen Lage mit einer weiteren Kostensteigerung. Gleichzeitig schauten die Gäste mehr aufs Geld. Vor allem bei Restaurantbesuchen, aber auch bei Wellnessangeboten und Upgrades werde gespart. "Bereits 63 Prozent der Betriebe berichten von rückläufigen Nebenausgaben", streicht ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer hervor.

Steigende Nächtigungen, sinkende Gewinne

Trotz steigender Nächtigungszahlen bleibt bei vielen Tourismusbetrieben laut Deloitte und ÖHV derzeit "deutlich weniger Gewinn übrig als erhofft". Bei jedem zweiten Betrieb habe sich der Gewinn in den vergangenen drei Jahren schwächer entwickelt als der Umsatz - "auf Dauer eine problematische Schieflage". Neben der Steuer- und Abgabenlast strapazierten hohe Betriebs-, Energie- und Personalkosten die Ertragslage spürbar.

Die Tourismusbetriebe reagieren darauf in erster Linie mit einer Optimierung ihrer Kostenstruktur (76 Prozent) sowie effizienteren Betriebsprozessen (56 Prozent). Mehr als zwei Drittel hätten ihr Geschäftsmodell bereits angepasst oder planten entsprechende Schritte in naher Zukunft.

Personalmangel etwas entschärft

Leicht entspannt haben dürfte sich hingegen der Arbeitskräftemangel: Für die Verfügbarkeit von Arbeitskräften vergeben die Betriebe die Schulnote 3,0 (Vorjahr: 3,3). 62 Prozent der befragten Tourismusunternehmen haben derzeit aber noch offene Stellen zu besetzen.

"Wenn die Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate negativ bewertet werden, wenn fast die Hälfte für die kommenden zwölf Monate skeptisch sind und kein einziges Unternehmen einen Lichtblick sieht, dann haben wir nicht ein Problem, sondern viele", vermerkte Gratzer. An einer Standort- und Strukturreform führe kein Weg vorbei, um wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wiederherzustellen.