80 Mitarbeiter werden in Wattens gekündigt © APA - Austria Presse Agentur

Nach dem im November angekündigten Abbau von rund 400 Arbeitsplätzen durch den Tiroler Kristallkonzern Swarovski an seinem Hauptsitz in Wattens steht die Zahl jener Mitarbeiter fest, die tatsächlich gekündigt werden: "Weniger als 80 Personen" müssen "aktiv abgebaut" werden, teilte der Konzern am Montag auf APA-Anfrage mit. 85 Prozent der Positionen hätten hingegen durch Pensionierungen und mit "partnerschaftlichen freiwilligen Abgängen" gelöst werden können.

Diese gemeinsame Lösung hätten "sehr verantwortungsvolle und vernünftige Gespräche mit dem Management, den Vorsitzenden unseres Betriebsrats und mit dem gesamten Belegschaftsteam" ergeben, erklärte Wattens-Standortleiter Jérôme Dandrieux: Die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiter würden morgen, Dienstag, informiert. Bereits bei Bekanntgabe des Stellenabbaus Anfang November hatte es seitens der Verantwortlichen geheißen, dass noch nicht klar sei, wie viele Kündigungen letztlich ausgesprochen werden. Dies hänge davon ab, wie viele Mitarbeitende freiwillig das Unternehmen verlassen würden, verlautete es. Etwas mehr als zwei Monate später herrscht nunmehr offenbar Klarheit darüber.

Gleichzeitig wurde erneut auf den mit dem Betriebsrat ausgearbeiteten Sozialplan verwiesen, der pro Betroffenem zwei bis sieben Monatsgehälter sowie jeweils 11.000 Euro für eine Arbeitsstiftung vorsehe. Bei den Mitteln in der Stiftung handelt es sich ausschließlich um solche des Unternehmens, wurde zudem gegenüber der APA betont. Aktuell sind rund 2.480 Mitarbeiter in Wattens tätig. In Zukunft sollen es rund 2.100 sein.

"Klares Bekenntnis" zu Standort, 150 Mio. Euro an Investitionen

"Es ist ein schwerer Tag für mich in meiner Verantwortung für den Standort Wattens und alle Menschen, die hier arbeiten", betonte Dandrieux. Es sei ihm "sehr bewusst, dass hinter jeder Kündigung Menschen stehen. Wir haben diese Entscheidungen proaktiv und in größter Verantwortung unseren Mitarbeitenden gegenüber getroffen." Die Maßnahmen seien "unerlässlich", um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Swarovski zu sichern "und unseren Standort zu schützen", sagte der General Manager in Wattens und Chief HR Officer. Zugleich gab Dandrieux einmal mehr ein "klares Bekenntnis" zum Standort Wattens ab: "Der Standort Wattens ist ein grundlegender Pfeiler der LUXignite-Strategie, die weiterhin starke und konstante Ergebnisse zeigt." Aus diesem Grund werde Swarovski in den nächsten vier Jahren 150 Mio. Euro in den Standort investieren, wurde erinnert, da das Unternehmen "entschlossen bleibt, Wattens als globales Zentrum für Handwerkskunst, Technologie und Innovation zu bewahren."

Als Grund für die Maßnahmen war im November das für den Standort wichtige, aber schwächelnde B2B-Geschäft genannt worden. Man sprach bei einem Pressegespräch von einer "paradoxen Situation". Der Konzern weise dank des gut laufenden Schmuckgeschäfts zwar "robuste Zahlen" auf, aber in Wattens werde vorwiegend für Geschäftskunden produziert, argumentierte die Swarovski-Spitze. Dabei sei man abhängig von äußeren Umständen, hieß es. So war etwa von "keiner guten Perspektive in China und in der Luxusindustrie" die Rede.

Auch die Autoindustrie, für die Swarovski zunehmend Aufträge erfülle, sei in einer schwierigen Situation. Zudem wurden die hierzulande herrschenden, nachteiligen Rahmenbedingungen ins Treffen geführt. In Österreich zu produzieren sei schwierig, hohe Lohn-, Energie- und Rohstoffkosten müssten vom Unternehmen getragen werden. Erschwerend hinzukommen würden die globalen Umstände inklusive der "unvorhersehbaren Zollpolitik der USA".

Vor allem die Landes-Opposition sowie Arbeiterkammer übten daraufhin scharfe Kritik. Unter anderem wurde die "Bankrotterklärung für die Strategie der Konzernführung" gegeißelt.

Größerer Stellenabbau bereits 2020

Bereits in den vergangenen Jahren hatte der weltweit agierende Konzern stetig seinen Mitarbeiterstand am Hauptsitz reduziert. Im Jahr 2020 waren 1.200 Beschäftigte betroffen, zuvor hatten noch 4.600 Menschen in Wattens gearbeitet. Der Stellenabbau inmitten der Corona-Pandemie hatte damals hohe Wellen geschlagen - auch in der Landespolitik. Eine Arbeitsstiftung sowie ein Sozialplan wurden daraufhin eingerichtet.

Doch nicht nur wegen des Stellenabbaus war der Kristallkonzern in die Schlagzeilen geraten. Auch die Konzernführung und die wirtschaftliche Situation - nicht zuletzt aufgrund der Coronakrise - waren im Fokus. Ein teils vor Gerichten und in den Medien ausgetragener Streit war indes im Sommer 2025 für beendet erklärt worden. Die Gesellschafter einigten sich einstimmig auf die Schaffung eines "integrierten Kristallkonzerns". Die neue DSW Kristall AG & Co KG ist eine 100-Prozent-Tochter der Schweizer Swarovski International Holding (SIH). Der Wattener Betrieb und damit alle Mitarbeitenden wurden in den neuen Konzern eingebracht. Die Unternehmenszahlen hatten sich indes zuletzt wieder etwas verbessert: Der Umsatz im Geschäftsjahr 2024 stieg gegenüber dem Jahr davor von 1,8 auf 1,9 Mrd. Euro.