++ ARCHIVBILD ++ Billigflieger kündigt Sparprogramm an © APA - Austria Presse Agentur

Europas größter Billigflieger Ryanair will wegen milliardenschwerer Mehrkosten für Kerosin den Rotstift ansetzen und kündigt Preiserhöhungen an. "Wenn es keine rasche Lösung des Nahost-Konflikts gibt, erwarten wir, dass die Preise für Kerosin bis weit in das Jahr 2027 hinein hoch bleiben werden", sagte Airline-Chef Michael O'Leary am Montag bei Vorlage der Quartalszahlen. Es werde zweistellige Preiserhöhungen bei Ryanair wie in der gesamten Branche in Europa geben.

Doch diese Erhöhung dürfte nicht reichen. "Alles ist auf dem Tisch", sagte Finanzchef Neil Sorahan der Nachrichtenagentur Bloomberg. Im Auge hat das Management Gehalts-Nullrunden für Mitarbeiter, eine Ausdünnung der Besatzungen und die Überprüfung der Verträge mit Flughäfen. Auch der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte die Kosten senken.

Aktie legt zu

An der Börse wurden die Neuigkeiten positiv aufgenommen. Die Ryanair-Aktie gewann in Dublin bis zum späten Vormittag 3,7 Prozent auf 23,75 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier jedoch ein Fünftel an Wert eingebüßt.

Aktien von Fluggesellschaften befinden sich in diesem Jahr stark unter Druck. Die Angriffe Israels und der USA auf den Iran haben die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht, und die extreme Verteuerung des Kerosins macht Airlines weltweit zu schaffen. Erste Gesellschaften haben wegen finanzieller Schieflagen bereits Gläubigerschutz beantragt.

Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro

Der irische Billigflieger Ryanair steckte die stark gestiegenen Kerosinpreise im wichtigen Sommerquartal von Juli bis September noch gut weg. Für das kommende Geschäftsjahr bis Ende März 2028 rechnet O'Leary jedoch mit Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro. Diese möchte er mit dem jetzt angekündigten Sparprogramm abfedern.

"Wir müssen uns wohl darauf einstellen, dass das Ölpreisniveau in den kommenden zwölf Monaten hoch bleiben wird", sagte Finanzchef Sorahan. "Wir werden also den Gürtel enger schnallen müssen." Nach Einschätzung von O'Leary dürften die Ticketpreise für Kurzstreckenflüge in Europa wegen der deutlich höheren Treibstoffkosten kräftig anziehen, doch dies allein werde die Mehrausgaben für Kerosin nicht decken.

Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2027 hat Ryanair den Kerosinbedarf nach eigenen Angaben zu 80 Prozent preislich gesichert. Für das laufende dritte Geschäftsquartal bis Ende Dezember berichtete das Unternehmen von einer starken Ticketnachfrage. Die Preise lägen moderat höher als ein Jahr zuvor. Viel hänge nun von den Buchungen etwa für die Weihnachtszeit ab. Für eine belastbare Gewinnprognose für das Geschäftsjahr sei es jedoch noch zu früh, da man die Entwicklung für die Zeit von Jänner bis März derzeit kaum einschätzen könne.

Quartalsgewinn um sechs Prozent gesunken

Im reisestarken Sommerquartal von Juli bis September erzielte Ryanair einen Umsatz von 5,7 Mrd. Euro, rund vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zwar wuchs das Passagieraufkommen um fünf Prozent auf 64,5 Millionen, doch buchten die Kunden ihre Reisen vergleichsweise spät.

Dieses Last-Minute-Geschäft mit Rabatten drückte auf die Ticketpreise; im ersten Geschäftshalbjahr sanken sie im Schnitt um vier Prozent. Ryanairs Treibstoffkosten stiegen im Sommerquartal jedoch um 13 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Entsprechend sank der Quartalsgewinn der Airline im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 1,6 Mrd. Euro. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres verdiente Ryanair unter dem Strich 2,15 Mrd. Euro und damit 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.