Thyssenkrupp könnte die Stahlsparte aus dem Konzern ausgliedern © APA - Austria Presse Agentur
Die Chefin der Krupp-Stiftung, Ursula Gather, hat sich hinter Überlegungen des Vorstands von Thyssenkrupp gestellt, die Stahlsparte zu verselbstständigen und aus dem Konzern auszugliedern. "Ich habe den Eindruck, dass es aktuell ein gutes Zeitfenster für einen solchen Schritt gibt", sagte Gather in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ).
Der mit der IG Metall geschlossene Sanierungstarifvertrag greife, die Beteiligung an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) sei verkauft worden und das Unternehmen dadurch einen großen Schritt vorangekommen. Hinzu komme, dass die europäische Stahlbranche mehr Schutz durch EU-Zölle erhalte und es auch beim Bau des klimafreundlicheren Stahlwerks in Duisburg Fortschritte gebe. "Diese Dynamik sollte genutzt werden."
Umbau zu Finanzholding
Gather ist seit 2013 Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Die Stiftung ist mit knapp 21 Prozent größter Einzelaktionär von Thyssenkrupp. Vorstandschef Miguel Lopez will den Ruhrkonzern in eine Finanzholding umbauen. Die Wasserstofftochter Nucera hat er ebenso an die Börse gebracht wie das Rüstungsunternehmen TKMS. Noch in diesem Jahr soll die Werkstoffhandelstochter Accelis folgen.
Anders als bei diesen Töchtern will Thyssenkrupp beim Stahl nicht die Mehrheit der Anteile behalten. Gather setzt dabei nicht auf Hilfe durch die Bundes- und Landesregierung NRW. "Es besteht der Plan, die Verselbstständigung aus eigener Kraft zu schaffen, und ich glaube, dass dies möglich ist." Die Stiftung unterstütze diesen Weg der Thyssenkrupp AG. "Und wenn wir – wie bei TKMS und Accelis – auch an einem verselbstständigten Stahlkonzern beteiligt sind, freut uns das." Pläne für einen Verkauf oder Zukauf der Beteiligungen hat die Stiftung Gather zufolge nicht. "Wir sind eine verlässliche, starke Aktionärin." Wenn Accelis an die Börse gehe, habe die Stiftung ein weiteres Papier im Portfolio. Die Stiftung wolle an Accelis langfristig beteiligt sein.