KI-Boom erhöht den Strombedarf drastisch © APA - Austria Presse Agentur
Künstliche Intelligenz (KI) könnte einer Studie zufolge zum bisher wichtigsten Wachstumstreiber für die europäische Energiewirtschaft werden. Der rasante Ausbau von KI-Rechenzentren erhöhe die Stromnachfrage erheblich und sorge für zusätzlichen Rückenwind beim Ausbau erneuerbarer Energien, hieß es am Mittwoch in einer Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade gemeinsam mit Acredia.
Zugleich müsse die Branche einen schwierigen Spagat bewältigen: zwischen hohen Investitionen in neue Kapazitäten und dem Instandhalten bestehender Anlagen, anhaltenden Schwankungen der Strompreise sowie geopolitischen Risiken. "Denn während der steigende Anteil an Wind- und Solarenergie Europa unabhängiger von fossilen Energieimporten macht, bleiben die Märkte anfällig für Preisschocks infolge geopolitischer Konflikte." Dabei sei die Energiewende bei Batterien, Speichern, Solarmodulen und sonstigen Schlüsseltechnologien im Energiesektor weiter stark von China abhängig.
Erneuerbare Energien seien heute weit mehr als ein Instrument zur Dekarbonisierung, sagte Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Sie entwickeln sich zum strategischen Schutzschild gegen geopolitische Schocks und die Volatilität fossiler Energieträger." Der Iran-Krieg habe die Gaspreise erneut nach oben getrieben. Dass die Folgen für die europäischen Strommärkte dennoch viel begrenzter ausfielen als während der Energiekrise 2022, zeige: "Mit jeder zusätzlichen Kilowattstunde aus Wind- und Solarenergie ist Europa heute wesentlich widerstandsfähiger gegenüber abrupten und starken Ausschlägen der Energiepreise."
Abhängigkeit von China als Problem
Dem KI-Boom stehen dem Branchenreport "Energie & Solar" zufolge jedoch erhebliche Hürden gegenüber. Bevor die Branche von der zusätzlichen Nachfrage profitieren könne, seien enorme Investitionen in Netze und Speicher nötig. Gleichzeitig führten Netzengpässe und fehlende Speicherkapazitäten dazu, dass überschüssiger Strom oft nicht wirtschaftlich genutzt werden könne. "Paradoxerweise geraten dadurch gerade jene Erlöse unter Druck, die für die Finanzierung der Energiewende benötigt werden", sagte Allianz-Trade-Branchenexperte Guillaume Dejean. Dies führe zu Phasen mit niedrigen oder negativen Strompreisen.
Als größte strategische Schwachstelle der europäischen Energiewende bezeichnet die Studie die hohe Abhängigkeit von China. Überwiegend von dort stammten Solarmodule, Batterien, Energiespeicher und viele kritische Vorprodukte. Misserfolge beim Aufbau heimischer Produktion verstärkten diese Abhängigkeit. "Die Sicherung von Lieferketten für Schlüsseltechnologien wird damit ebenso wichtig wie der Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten selbst", sagte Bogaerts.