Insolvenzen könnten höchsten Stand seit 14 Jahren erreichen © APA - Austria Presse Agentur

Unternehmensinsolvenzen gefährden nach Einschätzung des Kreditversicherers Allianz Trade dieses Jahr mehr als 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Das teilte die Allianz-Tochter mit, die gemeinsam mit Acredia einen Ausblick über internationale Insolvenzen veröffentlicht hat. Es handelt sich bei der Zahl um eine Hochrechnung, also eine Schätzung auf Datenbasis. In Österreich erwarten die Kreditversicherer ein weiterhin hohes Insolvenzniveau.

"Schon jetzt hat der Nahost-Konflikt auf Deutschland deutliche Auswirkungen, und auch der US-Handelskrieg ist längst nicht vorbei", sagte Milo Bogaerts, der Chef von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Österreich: Hohes Insolvenzniveau bleibt bestehen

In Österreich erwartet die Studie der Acredia Group in Zusammenarbeit mit Allianz Trade, dass das hohe Insolvenzniveau bestehen bleibt. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten die Kreditversicherer demnach rund 6.750 Insolvenzen (-1 Prozent), bevor sich 2027 mit etwa 6.300 Fällen (-7 Prozent) eine leichte Entspannung abzeichnen könnte.

In Deutschland rechnet der Kreditversicherer damit, dass die Zahl der Insolvenzen zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 24.650 Fälle zunehmen wird. "Das wäre der höchste Stand seit 14 Jahren", sagte Bogaerts. Laut dem Statistischen Bundesamt hatten die deutschen Amtsgerichte vergangenes Jahr 24.064 Fälle registriert - was einem deutlichen Plus um 10,3 Prozent entsprach.

Internationaler Anstieg um sechs Prozent erwartet

Alles in allem geht Allianz Trade davon aus, dass Unternehmensinsolvenzen international um sechs Prozent steigen werden - also stärker als in Deutschland. Die Experten hatten die Prognose wegen des Iran-Kriegs nach oben korrigiert. Der Konflikt verschärfe den Druck auf energieintensive Sektoren wie Transport, Chemie und Metall, sagte Firmenchefin Aylin Somersan Coqui.

Nächstes Jahr erwartet Allianz Trade in Deutschland eine Umkehr der Entwicklung: Die Insolvenzen sollen um zwei Prozent auf 24.150 Fälle zurückgehen. Nach Einschätzung des Versicherers werden kriegsbedingte Belastungen abnehmen und Konjunkturmaßnahmen die Wirtschaft ankurbeln.