Anthropic für Investoren interessant © APA - Austria Presse Agentur
Amazon vertieft mit einer weiteren Milliarden-Investition die Allianz mit dem OpenAI-Rivalen Anthropic. In einem ersten Schritt wird Amazon 5 Milliarden Dollar (4,2 Mrd. Euro) in den Entwickler des KI-Chatbots Claude stecken, in weiteren Schritten könnten es bis zu 20 Milliarden Dollar mehr werden.
Zugleich wird Anthropic auf Amazons Chips mit dem Namen Trainium zurückgreifen, um seine KI-Modelle zu trainieren. Insgesamt will der Claude-Entwickler in den kommenden zehn Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar für Halbleiter und Rechenleistung von Amazon ausgeben. Der weltgrößte Online-Händler ist mit seiner Tochterfirma AWS der weltgrößte Anbieter von Cloud-Diensten. Zuvor war Amazon bereits ein führender Geldgeber von Anthropic mit Investitionen von acht Milliarden Dollar.
Streit mit Pentagon
Wenige Tage nach einem Treffen des Anthropic-Chefs Dario Amodei mit hochrangigen Regierungsvertretern kann sich der KI-Entwickler nun auch wieder Hoffnungen auf Staatsaufträge machen. "Wir hatten gute Gespräche", sagte US-Präsident Donald Trump am Dienstag in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC. Das Start-up befinde sich "auf einem guten Weg", und er sei offen für einen Deal. "Sie sind sehr schlau und können von großem Nutzen sein." Vorerst werde seine Regierung jedoch auf KI-Modelle anderer Anbieter zurückgreifen.
Vor einigen Wochen hatte Trump Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic untersagt. Zudem stufte das US-Verteidigungsministerium das Unternehmen als Sicherheitsrisiko ein. Vorausgegangen war ein Streit über den Einsatz der Anthropic-KI in Waffen. Das Startup weigerte sich, Sicherheitsvorkehrungen zu entfernen, und forderte Garantien, seine KI nicht für vollständig autonome Waffen oder zur Massenüberwachung im Inland einzusetzen. Anthropic kündigte Klage gegen die Entscheidung der US-Regierung an. Das US-Militär nutzt inzwischen die Technologie des Anthropic-Rivalen und ChatGPT-Entwicklers OpenAI.
Trumps versöhnliche Töne kommen für Anthropic zu einem kritischen Zeitpunkt. Das Unternehmen strebt ebenso wie OpenAI an die Börse. Einem Medienbericht zufolge wollen einige Investoren vorher noch bei Anthropic einsteigen. Bei einer solchen Finanzierungsrunde würde sich die Bewertung im Vergleich zu Februar auf 800 Milliarden Dollar verdoppeln.
Claude Mythos zu stark für breite Anwendung
Zuletzt demonstrierte Anthropic, wie wichtig Technologie des Unternehmens für die US-Regierung ist. Ein neues Anthropic-Modell mit dem Namen Claude Mythos Preview findet zum Teil seit Jahrzehnten unentdeckt gebliebene Schwachstellen in verschiedener Software. In den falschen Händen wäre es damit eine gefährliche Cyberwaffe - und könnte zugleich der US-Regierung einen Vorteil geben, eigene Programme zu härten und potenzielle Schwachstellen für Spionage im Ausland auszunutzen. Anthropic hat keine Pläne, Mythos Preview öffentlich zu machen.
Anthropic will aber europäischen Banken Insidern zufolge demnächst Zugang zu "Mythos" gewähren. Damit sollen sie Gelegenheit bekommen, ihre Computersysteme auf mögliche Schwachstellen zu testen und eventuelle Sicherheitslücken zu schließen. Über den genauen Zeitrahmen machten die Insider unterschiedliche Angaben, die von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen reichten. Einige US-Banken konnten die KI im Rahmen des "Project Glasswing" bereits einsetzen, um ihre IT-Systeme auf Herz und Nieren zu prüfen.
Experten befürchten eine Flut von Hackerangriffen mithilfe von "Mythos". So warnte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel vor den Risiken der Software. "Wir müssen den Missbrauch dieser Technologie verhindern." Die Bankenbranche gilt mit ihrer zum Teil veralteten IT-Infrastruktur als besonders anfällig für Angriffe durch KI. Regierungsvertreter der USA, Kanadas und Großbritanniens haben sich bereits mit führenden Bankern getroffen, um die von "Mythos" ausgehenden Bedrohungen zu erörtern.