Der Konflikt im Jemen hat die Spritpreise nach oben getrieben © APA - Austria Presse Agentur

Die vom Ölpreisschock getriebene Inflation im Euroraum ist im August nicht ganz so hoch ausgefallen wie gedacht. Die Verbraucherpreise stiegen um 3,2 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. In einer früheren Schätzzahl war von 3,3 Prozent für August die Rede.

Die Europäische Zentralbank hatte vorige Woche auf den Inflationsschub reagiert und die Zinsen um einen Viertelpunkt auf 2,5 Prozent hochgesetzt. Sie rechnet damit, dass die Gesamtinflation noch bis in die erste Jahreshälfte 2027 deutlich über dem Zielwert der Notenbank von 2,0 Prozent bleiben wird.

Preistreiber Energie

Energie ist der Preistreiber Nummer eins: Sie verteuerte sich im August um 14,3 Prozent zum Vorjahresmonat. Die EZB will verhindern, dass der Ölpreisschock das Preisgefüge durch sogenannte Zweitrundeneffekte nachhaltig durcheinanderwirbelt: Denn die vom Iran-Krieg in die Höhe getriebenen Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen bergen die Gefahr, dass es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt und sich die starke Teuerung festsetzt. An den Finanzmärkten wird darauf spekuliert, dass die EZB Ende des Jahres mit einer weiteren Zinserhöhung nachlegen wird.

Zweitrundeneffekte befürchtet

Chefvolkswirt Daniel Hartmann von der Bantleon AG sieht in zahlreichen Bereichen Aufwärtsrisiken: "So kommen bei Nahrungsmitteln die Zweitrundeneffekte - höhere Transport- und Verpackungskosten, teurere Agrarrohstoffe, Dürre - aus einem Energiepreisschock typischerweise erst mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten zum Tragen." Gleiches gelte für Transportdienstleistungen wie etwa Flugtickets, Kurierdienste, Taxis, Autovermietung, Nahverkehr oder Pauschalreisen. "Die Teuerungsrate der Eurozone könnte daher am Ende sogar bei über 4,0 Prozent landen", befürchtet der Experte.

In Österreich ist die Inflation nach nationaler Berechnungsmethode ebenfalls auf 3,2 Prozent gestiegen. Bei der EU-weit harmonisierten Berechnung (HVPI), wo etwa Versicherungen weniger stark ins Gewicht fallen und Gastronomiedienstleistungen stärker berücksichtigt werden, lag Österreich mit einer Rate von 2,9 Prozent um 0,3 Prozentpunkte unter dem Eurozonenwert. Auch hierzulande heizten vor allem die Preise für fossile Energieträger die Teuerung an.