Stronach selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe © APA - Austria Presse Agentur
Im kanadischen Prozess gegen Frank Stronach wegen mehrerer Vorwürfe sexueller Übergriffe wird am Donnerstag die Verkündung des Strafmaßes erwartet, allerdings unter veränderten Voraussetzungen. Im Juni war Stronach in zwei Fällen nicht rechtskräftig schuldig gesprochen worden, jedoch hob die Richterin den Schuldspruch wegen sexueller Nötigung nachträglich wieder auf. Die Verkündung bezieht sich demnach nur auf den Schuldspruch zum "unsittlichen Übergriff" (indecent assault).
Richterin Anne Molloy hob den Schuldspruch wegen sexueller Nötigung Wochen nach der Entscheidung auf, nachdem E-Mails der Rechtsvertretung einer der Frauen aus einem separaten Zivilverfahren vorgelegt worden waren. Stronachs Anwältin Leora Shemesh argumentierte, diese E-Mails widersprächen der Aussage der Frau im Strafprozess. Daraufhin erklärte Molloy das Verfahren hinsichtlich dieses Vorwurfs für ungültig. Die Staatsanwaltschaft legte gegen die Entscheidung laut mehreren kanadischen Medienberichten Berufung ein.
Ursprünglich war der austrokanadische Milliardär in dem Prozess mit zwölf Anklagepunkten konfrontiert gewesen. Die vorgeworfenen Taten reichten fast 50 Jahre zurück und erstreckten sich über den Zeitraum von 1977 bis 1990. Die Staatsanwaltschaft zog während des Verfahrens mehrere Punkte mangels ausreichender Beweise zurück. Am Ende blieben nur fünf Anklagepunkte von drei Frauen übrig. Drei weitere Vorwürfe einer Klägerin wurden schließlich fallen gelassen, da die Richterin "zu viele Unsicherheiten" für einen Schuldspruch sah. Stronach selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe.
Nächster Prozess im kommenden Jahr
Bei dem Verfahren in Toronto handelt es sich um den ersten von zwei Prozessen, denen sich der Magna-Gründer stellen muss. Laut mehrerer kanadischer Medien hatten 13 Frauen Vorwürfe gegen Stronach erhoben, beim Prozess in Toronto ging es um die Vorwürfe von sieben von ihnen. Die übrigen Vorwürfe sollen im Mai 2027 in einem Jury-Prozess in Newmarket (Ontario) behandelt werden.
Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 94-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Wahlkampf empörte er unter anderem mit der Forderung der Todesstrafe für "Berufskiller". Seine Partei löste sich nach wenigen Jahren wieder auf.