Frank Stronach könnte am Freitag sein Urteil erfahren © APA - Austria Presse Agentur

Im Prozess gegen den österreichisch-kanadischen Magna-Gründer Frank Stronach wegen mehrerer vorgeworfener sexueller Übergriffe könnte am heutigen Freitag in Kanada ein Urteil fallen. Fest steht bereits jetzt: Stronach muss sich vor dem Ontario Superior Court nur noch in fünf von ursprünglich zwölf Anklagepunkten verantworten. Der 93-Jährige bestreitet sämtliche Vorwürfe und hat sich nicht schuldig bekannt.

Der Fall gegen Stronach sieht heute grundlegend anders aus als noch zu Prozessbeginn im Februar. Standen anfangs zwölf Anklagepunkte im Raum, sind es, nachdem die Staatsanwaltschaft fünf Punkte zurückgezogen und Richterin Anne Molloy in zwei Punkten einen Freispruch signalisiert hat, nur noch fünf Anklagepunkte in Bezug auf drei Frauen, denen Stronach gegenübersteht.

Anklage bröckelte während Prozess

Die Vorwürfe gegen Stronach reichen fast 50 Jahre zurück und erstrecken sich in diesem Prozess über den Zeitraum von 1977 bis 1990. Bei einigen Frauen waren Unstimmigkeiten in ihren Aussagen letztlich ein Ausschlusskriterium. Stronachs Verteidigung warf der Staatsanwaltschaft zudem vor, die Frauen in Vorbereitungsgesprächen möglicherweise unzulässig beeinflusst zu haben, was die Staatsanwälte wiederum in Abrede stellten.

Mehrere der Frauen beschrieben laut kanadischen Medienberichten fast übereinstimmend, wie sie Stronach in seinem früheren Restaurant Rooney's kennengelernt hätten und wie er später in seinem Apartment am Harbourfront sexuell übergriffig geworden sei. Eine Frau behauptete, er habe sie in einem Hotel vergewaltigt, eine andere gab an, er habe versucht, sie in einer Wohnung in Midtown Toronto zu vergewaltigen.

Stronach selbst erschien zwar bei jedem Gerichtstermin, trat aber nie in den Zeugenstand, um sich selbst zu verteidigen, berichtet der kanadische Sender "CBC". Er wies die Vorwürfe stets zurück und erklärte sich in allen Anklagepunkten für nicht schuldig. Vor dem Gerichtsgebäude äußerte er sich demnach nur selten gegenüber den Medien und wiederholte dabei meist lediglich, dass "die Gerechtigkeit siegen werde".

Zweiter Prozess auf nächstes Jahr verschoben

Bei dem Verfahren in Toronto handelt es sich um den ersten von zwei Prozessen, denen sich der 93-Jährige stellen muss. Laut mehreren kanadischen Medien erhoben insgesamt dreizehn Frauen Vorwürfe gegen Stronach. Beim Prozess in Toronto ging es um die Vorwürfe von sieben der Frauen. Die übrigen Vorwürfe sollen nicht wie ursprünglich geplant heuer im Herbst in Newmarket (Ontario) behandelt werden. Der Jury-Prozess wurde auf Mai 2027 verschoben und soll vier Wochen dauern.

Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Vorwürfe etwa der versuchten Vergewaltigung bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor. Einige Vorfälle sollen sich demnach in Toronto ereignet haben, weitere in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Wahlkampf empörte er unter anderem mit der Forderung der Todesstrafe für "Berufskiller". Seine Partei löste sich nach wenigen Jahren wieder auf.