Auszahlungen sollen ab Sonntag möglich sein © APA - Austria Presse Agentur

Die weltgrößte Kryptobörse Binance will nach dem Rekord-Diebstahl von Digitalwährungen im Wert von 6,3 Mrd. Dollar die Auszahlungen schrittweise wieder aufnehmen. Die erste Phase sollte noch am Sonntag beginnen und unter anderem Bitcoin, Ether und Dogecoin umfassen, wie das Unternehmen auf der Online-Plattform X mitteilte. Zuvor hatte das FBI am Samstag in den USA bekanntgegeben, dass Nordkorea hinter dem größten digitalen Finanzverbrechen der Geschichte stehe.

Binance habe mittlerweile 95 Prozent der gestohlenen Summe abgedeckt. Die verbliebenen fünf Prozent bestünden aus weniger liquiden Vermögenswerten, deren Ersatz länger dauern könne. Binance hatte nach eigenen Angaben intern rund 6,34 Mrd. Dollar (5,76 Mrd. Euro) an eigenen Mitteln zurückgelegt, um die Verluste zu decken. Die Plattform zählt laut eigenen Angaben 335 Millionen Nutzer.

FBI-Feststellungen

Die US-Bundespolizei FBI macht Nordkorea für den weltweit größten digitalen Raub verantwortlich. Eine staatlich unterstützte nordkoreanische Hackergruppe namens "TraderTraitor" stecke hinter dem Cyberangriff. Ermittler hätten beobachtet, wie Mitglieder der Gruppe die gestohlenen Vermögenswerte in die Kryptowährung Ether umtauschten. Das FBI erwarte weitere Geldwäsche.

Keine Stellungnahme aus Nordkorea

Von Nordkorea lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die stalinistische Regierung in Pjöngjang bestreitet seit Jahren Vorwürfe, staatliche Cyber-Einheiten für Spionage oder Finanzdiebstähle einzusetzen. US-Präsident Donald Trump hatte sich meist um ein gutes Verhältnis zum dortigen Diktator Kim Jong Un bemüht.

Es sei noch nicht sicher, ob Nordkorea in den Vorfall verwickelt sei, sagte Trump vor Journalisten. Sollte dies der Fall sein, werde man mit der Regierung in Pjöngjang darüber sprechen. Nordkorea bestreitet seit Jahren Vorwürfe, staatliche Cyber-Einheiten für Spionage oder Finanzdiebstähle einzusetzen.

Laut Erkenntnissen Analysefirma TRM Labs bewegten die Angreifer einen Großteil des Betrages von 6,36 Milliarden Dollar binnen 20 Minuten. Es sei der Angriff auf eine Digitalwährungsbörse mit dem größten Ausmaß gewesen. Bei der bisher schwerwiegendsten Attacke waren demnach Anfang 2025 rund 1,5 Milliarden Dollar in Digitalwährungen auf der Börse Bybit erbeutet worden. Auch dieser Angriff wurde der nordkoreanischen Hackergruppe zugeschrieben.

Laptop eines IT-Mitarbeiters als mögliches Einfallstor

Binance hatte von einem "komplexen Angriff" mit mehreren Einfallstoren gesprochen. Nach früheren Unternehmensangaben könnte die Attacke über den Laptop eines IT-Mitarbeiters erfolgt sein. Hinweise auf den Diebstahl privater Schlüssel für Krypto-Konten lägen bisher nicht vor.

Binance-Gründer Changpeng Zhao dankte den US-Behörden auf X für die Unterstützung bei der Verfolgung und dem Einfrieren der Vermögenswerte. Sie hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass der Bitcoin-Kurs nach dem Angriff nicht stärker eingebrochen sei.

TraderTraitor wird dem Hackernetzwerk Lazarus zugerechnet, das mit nordkoreanischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht wird. Lazarus wurde 2014 durch den mutmaßlichen Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures bekannt. Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter weitreichenden internationalen Sanktionen.

Laut einem Bericht der US-Armee aus dem Jahr 2020 zählt die nordkoreanische Cyberkriegseinheit "Büro 121" rund 6.000 Beschäftigte, die teilweise vom Ausland aus operieren. Nach Bekanntwerden des Binance-Angriffs verloren Bitcoin fast fünf Prozent, Ether knapp sechs Prozent und die Binance-Währung BNB fast zehn Prozent.