Besonders betroffen vom Fachkräftemangel ist der Tourismus © APA - Austria Presse Agentur
Rund ein Drittel der mittelständischen Betriebe in Österreich macht aufgrund des Fachkräftemangels weniger Umsatz oder kann nicht alle Umsatzpotenziale realisieren. Besonders betroffen davon ist der Gesundheits-/Life Science-Sektor, Tourismus und Immobilien/Baugewerbe. Das geht aus einer Umfrage des Unternehmensberaters EY hervor. Sechs von zehn befragten Unternehmen sehen den Mangel an Fachkräften als Risiko Nummer 1 für das eigene Wachstum.
Aufgrund der konjunkturellen Situation habe sich der Fachkräftemangel etwas abgeschwächt, wegen der demografischen Situation in Österreich bleibe das Thema in den kommenden Jahren weiterhin höchst akut, sagte EY-Partner Erich Lehner am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Die Demografie belastet den österreichischen Arbeitsmarkt, weil die Zahl der nachkommenden jungen Arbeitskräfte die Pensionswelle der Babyboomer-Generation - die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre - bei weitem nicht kompensieren.
Hälfte der befragten Betriebe haben unbesetzte Stellen
Für das EY-"Mittelstandsbarometer" wurden rund 500 mittelständische, nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Österreich repräsentativ befragt. Die telefonische Befragung hat das Marktforschungsinstitut Makam Research durchgeführt.
Bei rund der Hälfte der befragten Unternehmen sind derzeit Stellen unbesetzt. Fast alle Betriebe versuchen mit Maßnahmen den Fachkräftemangel zu entschärfen, dazu zählen der Ausbau der Aus- und Weiterbildung des bestehenden Personals, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und mehr Zusatzleistungen und Benefits für Mitarbeiter.
Zu wenige Maßnahmen gegen Fachkräftemangel
Viele Unternehmen wünschen sich im Bereich Fachkräfte mehr Maßnahmen der seit März 2025 im Amt befindlichen ÖVP/SPÖ/NEOS-Regierung. Rund ein Drittel der befragten mittelständischen Unternehmen ist mit den aktuellen Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels unzufrieden bzw. sogar sehr unzufrieden. 10 Prozent der Befragten bewerten die aktuellen Maßnahmen positiv. EY-Mittelstands-Experte Lehner erwartet, dass sich durch Künstliche Intelligenz (KI) der Fachkräftemangel in manchen Bereichen "etwas abmildern" wird. Dafür müssten die Unternehmen aber die Mitarbeiter im Bereich "rasch qualifizieren". Auch müsse man das Bildungssystem "relativ rasch" anpassen, weil manche Tätigkeiten durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden.
Mittelstand streicht weiter Stellen
Die befragten mittelständischen Unternehmen wollen in den kommenden Monaten Personal abbauen. Im Durchschnitt soll die Beschäftigung in den kommenden sechs Monaten um 3,5 Prozent sinken, geht aus dem EY-Mittelstandsbarometer hervor. 23 Prozent der befragten Betriebe wollen in den kommenden 6 Monaten zusätzliche Stellen schaffen, 18 Prozent wollen Stellen streichen. Am besten sind laut Umfrage die Beschäftigungsaussichten derzeit in Wien, deutlich weniger gut hingegen in Niederösterreich.