Iraks Wirtschaft ist in einer schweren Rezession © APA - Austria Presse Agentur

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat ihre Konjunkturprognose für 2026 für die Volkswirtschaften in ihrem Tätigkeitsgebiet auf 2,5 Prozent gesenkt. Wie die Entwicklungsbank am Donnerstag mitteilte, liegt die Erwartung um 0,6 Prozentpunkte unter der Juni-Schätzung. Hauptursache ist ein schwerer Wirtschaftseinbruch im Irak wegen des Iran-Krieges. Ohne Irak liegt das erwartete Plus bei 3,3 Prozent. Für 2027 wird eine Erholung auf 4,0 Prozent erwartet.

Der Einbruch im Irak (-12,0 Prozent für 2026 prognostiziert) ist laut dem Bericht "Regional Economic Prospects" auf den Zusammenbruch der Ölexporte infolge des von Israel und den USA begonnenen Krieges gegen den Iran und Störungen in der Straße von Hormuz zurückzuführen. Der Iran selbst gehört nicht zu den von der EBRD-Prognose erfassten Volkswirtschaften.

Aber auch abseits davon dämpften straffere Finanzierungsbedingungen, anhaltend hohe Inflation, die Dürre in Europa sowie die Schwarzmeer-Blockade infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine die Entwicklung. Zudem seien die europäischen Gasspeicher vor dem Winter schwach gefüllt und eine weitere Konjunkturabschwächung wichtiger Handelspartner wie Deutschland stelle ein zusätzliches Risiko dar.

Zentraleuropa zeigt sich robuster

Vergleichsweise widerstandsfähig zeigen sich Zentraleuropa und die baltischen Staaten. Für diese Region erwartet die EBRD für heuer ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent (nach 2,7 Prozent 2025), bevor es sich 2027 auf 2,5 Prozent abschwächt. Die öffentliche Investitionstätigkeit wurde durch die verstärkte Nutzung von EU-Aufbaumitteln vor der Ende August abgelaufenen Umsetzungsfrist gestützt.

Unter den einzelnen Ländern sticht Slowenien mit einem revidierten Plus von 3,6 Prozent heraus, begünstigt durch den Wiederaufbau nach den Überschwemmungen. Polen wächst voraussichtlich um 3,5 Prozent, während Ungarn auch dank freigegebener EU-Mittel auf 1,8 Prozent kommt. In der Slowakei wird ein Plus von 0,8 Prozent erwartet, in Tschechien von 2,2 Prozent.

Rumäniens Wirtschaft schrumpft

In der südöstlichen EU bremst eine Schrumpfung in Rumänien (-0,2 Prozent) wegen Konsolidierungsmaßnahmen und hoher Inflation das Wachstum der Teilregion auf 0,5 Prozent im Jahr 2026, während Bulgarien mit 2,7 Prozent solide bleibt. Der Westbalkan soll um 3,0 Prozent zulegen. Für die kriegsgebeutelte Ukraine revidierte die EBRD die Prognose für 2026 um 0,7 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent nach unten (2027: 2,5 Prozent). Das Wirtschaftswachstum in Russland kühlt sich weiter ab und wird für 2026 nur noch auf 0,5 Prozent geschätzt (nach 1,0 Prozent 2025). Für das Jahr 2027 rechnet die Entwicklungsbank für das gesamte EBRD-Gebiet nach dem irakischen Aufholeffekt wieder mit einem beschleunigten Gesamtwachstum von 4,0 Prozent. Der Irak soll 2027 um 14 Prozent wachsen, sofern die Handelsstörungen bis Jahresbeginn behoben sind.