N26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal in Wien © APA - Austria Presse Agentur

Die von den zwei Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete deutsche Smartphone-Bank N26 kehrt in das Heimatland der Gründer zurück. Am Donnerstag wurde der im April angekündigte Technologie- und Innovationsstandort in Wien nun offiziell eröffnet. Aktuell hat N26 hierzulande rund 15 Beschäftigte, bis Ende 2020 sollen es 100 Mitarbeiter sein.

Langfristig will die Online-Bank bis zu 300 Arbeitskräfte in seinem Büro im Wiener Start-up-Hub weXelerate beschäftigten. Der Standort in Wien soll damit nach Berlin mit über 1.000 Mitarbeitern und Barcelona mit 150 bis 200 Mitarbeitern das drittgrößte europäische Büro von N26 im nächsten Jahr werden. Der Wiener Tech-Standort soll sich vor allem um Security-Themen und Geschäftskunden-Anwendungen kümmern. "Es ist ein großer Moment wieder in Wien zu sein", sagte Mitgründer und CEO Stalf am Donnerstag vor Journalisten. Die Mitarbeitersuche werde aber "eine Herausforderung".

Die beiden N26-Gründer gingen im Jahr 2013 kurz nach Gründung ihres Start-ups von Wien nach Berlin. Anfang 2015 startete die Smartphone-Bank in Deutschland und Österreich, damals noch unter dem Namen Number26 und mit Nutzung der Vollbanklizenz von Wirecard. Mitte 2016 bekam das Fintech eine Banklizenz und benannte sich in N26 um.

Die mobile Bank hat bisher mehr als 670 Mio. Dollar (608 Mio. Euro) bei Investoren eingesammelt. Zu den Investoren der Bank gehören unter anderem der deutsche Versicherungskonzern Allianz, der chinesische Internetkonzern Tencent und GIC, ein Investmentfonds des Staates Singapur. Weitere Finanzierungsrunden sind noch notwendig. Man werde "noch sehr viel Kapital in den nächsten Jahren brauchen", sagte Mitgründer Tayenthal. Man investiere das Risikokapital in die Expansion, Kundenakquise und den Ausbau der Produkte.

Die Gründe für die Eröffnung des Büros in Wien sind laut N26-Chef Stalf die hohe Lebensqualität, die Verfügbarkeit von qualifizierten IT-Fachkräften in Österreich und den osteuropäischen Nachbarländern, die Internationalität der Stadt, die vergleichsweise erschwinglichen Lebenserhaltungskosten und die Universitäten. Die Bank zieht Arbeitskräfte aus ganz Europa und auch aus Übersee an, deswegen sucht N26 attraktive Standorte. Als Beispiel führte Stalf einen Österreicher an, der nun mit seiner Familie von Australien wegen eines Jobs bei N26 nach Wien gezogen ist.

Die Online-Direktbank ist derzeit in 26 Ländern aktiv. Im Juli startete N26 in den USA, im September in der Schweiz. Die Smartphone-Bank ist mit ihrem kostenlosen Girokonto inklusive Mastercard Debit rasant gewachsen. Die meisten Funktionen der N26-App sind auch auf dem Computer-Desktop verfügbar. Ziel von N26 sei es, die Bankdienstleistungen viel personalisierter und flexibler anzubieten als traditionelle Banken, so Stalf. Weil man die Bank auf "der grünen Wiese" gebaut habe, könne man im Vergleich zu traditionellen Finanzinstituten viel schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren.

N26 macht derzeit einen nicht näher bezifferten Verlust. Bei der Online-Direktbank kommen nach eigenen Angaben rund 30 bis 40 Prozent der Erlöse aus dem Transaktionsgeschäft. Wenn ein N26-Kunde mit der Karte zahlt, bekommt die Bank vom Händler eine kleine Gebühr. Für den Kunden ist es kostenlos. 30 bis 40 Prozent stammt aus dem Geschäft mit Premiumkonten. Der Rest der Einnahmen entfällt auf den Bereich Überziehungsrahmen und Sparprodukte.

Die Smartphone-Bank hat derzeit weltweit über 3,5 Millionen Kunden, zu Jahresbeginn waren es noch 1,8 Millionen. Jeden Tag kommen 10.000 Neukunden dazu. Die Online-Bank will in den nächsten Jahren international stark wachsen. Dann könnte ein Börsengang spruchreif werden. "Das ist frühestens ein Thema in drei bis fünf Jahren. Vielleicht dauert es auch acht Jahre", sagte Stalf im Gespräch mit der APA Ende September. Das Langfristziel von N26 ist laut Tayenthal weltweit 100 bis 300 Millionen Kunden zu haben.

Das langsame Kundenservice von N26 war in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik geraten. Man habe in dem Bereich "extrem nachgebessert", sagte Stalf. Der Großteil des Kundenservice läuft über einen Online-Chat, die Online-Direktbank hat keine eigenen Filialen. N26 hat laut Firmenangaben über 800 Kundenservice-Mitarbeiter, davon 400 eigene Mitarbeiter und 400 Beschäftigte bei externen Firmen. Die Bank bietet einen Rückrufservice und eine 24-Stunden-Hotline zu Kartensperrungen an. Für Premiumkunden gibt es noch zusätzlich eine Hotline für alle Fragen.