OMV meldet Gewinnsprung © APA - Austria Presse Agentur
Der heimische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat im zweiten Quartal 2026 seinen bereinigten operativen Gewinn um 65 Prozent auf 1,71 Mrd. Euro gesteigert. OMV-Chef Alfred Stern zeigt sich angesichts der geopolitischen Lage zufrieden, warnt im APA-Interview aber vor massiven Problemen in den weltweiten Lieferketten. Für Österreich sei die Versorgung jedoch gesichert, man fahre die heimischen Anlagen auf Hochtouren.
Das um Lagereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Sondereffekten (CCS) kletterte im Zeitraum April bis Juni auf 1.706 Mio. Euro. Der unbereinigte Nettogewinn des ersten Halbjahres (2,015 Mrd. Euro) ist hingegen durch Einmaleffekte massiv verzerrt: Während die Dekonsolidierung der Chemiesparte Borealis im Vorquartal hohe Buchgewinne brachte, drückten Restrukturierungen das Ergebnis des zweiten Quartals.
Größter Sprung im Chemiebereich
"Das ist schon ein großes Ergebnis", sagte Stern. "Wir haben das mehr als verdoppelt gegenüber dem Quartal letzten Jahres. Den größten Sprung haben wir im Chemieergebnis gemacht." Im Ausblick rechnet die OMV mit einem Brent-Preis von 85 bis 95 Dollar und einer Produktion von bis zu 290.000 Fass pro Tag, vorbehaltlich offener Seewege am Persischen Golf.
Getragen wurde der Gewinnsprung im abgelaufenen Quartal von massiven Zuwächsen in allen drei Konzernsparten. Im Geschäftsbereich Energy (Exploration & Produktion) kletterte das bereinigte operative Ergebnis um 50 Prozent auf 885 Mio. Euro, im Fuels-Segment (Raffinerien und Marketing) um 85 Prozent auf 446 Mio. Euro und in der Chemiesparte sogar um 115 Prozent auf 429 Mio. Euro.
Stern führt das starke Resultat auf das integrierte Geschäftsmodell zurück, gleichzeitig verwies er im APA-Interview auf die zweischneidigen Folgen der geopolitischen Krisen: "Natürlich ist das auch so, dass wir im Energiebereich und im Kraftstoffbereich von den höheren Preisen positive Effekte gehabt haben", erklärte der OMV-Chef. Gleichzeitig habe man im Nahen Osten Produktionsausfälle erlitten und durch Preisdeckel und regulatorische Eingriffe zusätzliche Kosten verzeichnet. "Das heißt, das Ergebnis wurde durch diese Dinge natürlich gedämpft, aber mehr als kompensiert durch die hohen Preise." Konkret profitierte der Konzern von einem um 53 Prozent auf knapp 104 Dollar pro Fass gestiegenen Brent-Ölpreis sowie einer verdoppelten europäischen Raffineriemarge.
Sorgen bereitet dem OMV-Chef jedoch das globale Marktumfeld. "Es haben sich irrsinnige Verwerfungen in den Lieferketten ergeben, und ich meine, dass noch immer unterschätzt wird, wie schwierig es eigentlich ist, dass wir die ganzen Mengen hierher kriegen", warnte Stern. "Weltweit fehlen uns nach wie vor insbesondere Mitteldestillate (Diesel und Heizöl, Anm.)."
"Verbrauchen, als ob die Welt komplett in Ordnung wäre"
Für die OMV liege der größte Fokus auf der Versorgungssicherheit, in Österreich gebe es keine Engpässe. "Wir verbrauchen, als ob die Welt komplett in Ordnung wäre. Das gelingt uns hier in Europa und Österreich sehr gut." Um das zu garantieren, wurde die Kapazitätsauslastung der Raffinerie Schwechat um sieben Prozentpunkte auf 90 Prozent hochgefahren: "Wir fahren dort auf Maximal, um dort die Versorgung auch aufrechtzuerhalten", so Stern. Man sei stolz, "dass wir in den letzten Monaten und auch im letzten Quartal jetzt alle unsere Kunden nahtlos, sowohl im Gasbereich als auch im Treibstoffbereich als auch mit dem Flugbenzin beliefern konnten."
Gravierende Verschiebungen verzeichnet die OMV am Gasknotenpunkt Baumgarten (CEGH). Durch die neuen geopolitischen Vorzeichen hätten sich die Flüsse umgekehrt: "Wir sehen jetzt nicht mehr Gasflüsse von Ost nach West, sondern wir sehen insbesondere Gas, das von Nordwesten, also von Deutschland nach Österreich kommt. Wir sehen jetzt aber umgekehrt Abflüsse durch Österreich Richtung Osten." Neue Quellen sollen die Lücken füllen: Die Gasförderung im heimischen Wittau werde helfen, die inländische Produktion "um 50 Prozent zu erhöhen".
Gas-Projekt Neptun Deep als "Meilenstein"
Als zentralen Meilenstein sieht Stern das Projekt Neptun Deep im Schwarzen Meer: "Das größte Öl- und Gasprojekt, das die OMV in ihrer Geschichte gemacht hat. Es wird zweieinhalb bis drei Prozent des europäischen Gasbedarfs produzieren. Das ist enorm. Rumänien wird zum Selbstversorger und Exporteur von Gas in Südosteuropa."
Den in der Bilanz ausgewiesenen Personalrückgang bei der OMV um fast 30 Prozent auf knapp 16.000 Beschäftigte erklärte Stern als primär bilanziellen Effekt: "Der Großteil von dem war natürlich die Dekonsolidierung der Borealis mit 7.000 bis 8.000 Mitarbeitern." Die Zahlung von 1,5 Mrd. Euro in das Joint Venture Borouge International erklärte Stern als Anteilserhöhung auf 50 Prozent. Das sei "kein Eintrittsgeld" gewesen.
"Der richtige Zeitpunkt für mich"
Seinem Abgang Ende August blickt Stern nach 19 Jahren im Konzern nüchtern entgegen: "Ich habe für mich einfach entschieden, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt für mich ist." Er wolle das Amt bis zum Schluss noch "ordentlich übergeben". Er sei mit dem Erreichten zufrieden "und werde das auch mit Zuversicht an die Emma Delaney übergeben".