Die OeNB mahnt zur Wachsamkeit © APA - Austria Presse Agentur

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat den heimischen Banken im aktuellen Finanzmarktstabilitätsbericht ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Bankensektor bewies im OeNB-Stresstest seine Risikotragfähigkeit. Verbesserungspotenzial sehen die Notenbanker aber bei der Vergabe von Immobilienkrediten, der Profitabilität und bei Strategien für Cybersicherheit und neue Geschäftsmodelle.

Die Immobilienbranche und der Bausektor boomen in Österreich seit Jahren: Mehr als die Hälfte des Wachstums der Unternehmenskredite 2017-18 entfiel auf immobilienbezogene Branchen. Die Wohnungsimmobilienpreise haben sich in Wien laut OeNB-Daten seit dem Jahr 2008 mehr als verdoppelt, außerhalb von Wien sind sie um mehr als 80 Prozent gestiegen. "Die Immobilienpreise sehen wir uns sehr, sehr genau an", sagte OeNB-Gouverneur Robert Holzmann bei der Präsentation des Finanzmarktstabilitätsberichts am Montag in Wien.

Eine Überhitzung des heimischen Immobilienmarktes ortet die Nationalbank aber nicht. "Wir sehen derzeit keine Immobilienpreisblase. Eine Blase identifizieren wir in Österreich nicht und schon gar nicht ein potenzielles Platzen einer Blase", sagte OeNB-Vize-Gouverneur Gottfried Haber. Auch das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) habe noch keine weiteren Maßnahmen bei Immobilienkrediten empfohlen.

Die Kapitalisierung der heimischen Banken (CET1) würde im Stresstest-Szenario der OeNB von zuletzt 15,5 Prozent auf 11,1 Prozent bis Ende 2021 sinken und bei einer normalen wirtschaftlichen Entwicklung laut Prognose auf 17,8 Prozent steigen. Vor der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 lag die Kapitalisierung des österreichischen Bankensektors im Schnitt bei rund 7 Prozent. Die Nationalbank sieht durch den Stresstest die Risikotragfähigkeit des österreichischen Bankensektors bestätigt, warnt aber vor zyklischen und strukturellen Risiken.

Die Banken sollten "sicherstellen, dass sie genug Handlungsspielraum für einen potenziellen Abschwung haben", schreiben die Notenbanker im Finanzmarktstabilitätsbericht. Für die Banken sei das niedrige Zinsniveau weiterhin eine Herausforderung. Auch hätten Investoren wegen der Niedrigzinsphase ihr Risikoexposure erhöht. "Rückläufige Kreditrisiko- und Laufzeitprämien bergen die Gefahr einer verzerrten Bepreisung von Risiken", warnen die Notenbanker.

Wegen der Konjunktureintrübung und "Bedenken bezüglich eines Aufbaus von Preisblasen in gewissen Marktsegmenten" will die OeNB ihre "aufsichtliche Wachsamkeit" erhöhen. Um die Finanzmarktstabilität zu verbessern, empfiehlt die Notenbank den heimischen Banken vier Maßnahmen: Die Kreditvergabestandards - insbesondere bei Immobilienkrediten - in Österreich und Ost- und Südosteuropa sollten unbedingt eingehalten werden. Um die Profitabilität während eines möglichen Abschwungs zu sichern, müsse außerdem die Kosten-Ertrag-Relation der Banken verbessert werden. Die OeNB empfiehlt den Banken eine Balance zwischen Dividendenausschüttung und interner Kapitalgenerierung zu schaffen, um potenzielle Risiken aus dem starken Kreditwachstum - vor allem in Südosteuropa - tragen zu können. Außerdem müssten neue Strategien im Bereich neue Geschäftsmodelle und Cybersecurity entwickelt und umgesetzt werden.