Der Shopping-Komplex wurde 2012 eröffnet © APA - Austria Presse Agentur

Die ÖBB haben den Rückkauf des Bahnhofskomplexes Wien-Mitte beschlossen. Der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur AG hat am Freitag dem Deal zugestimmt, wie das Unternehmen mitteilte. Die prominente Liegenschaft wurde 2005 an die damalige BA/CA-Gruppe verkauft, die sie später selbst weiterverwertet hat. Verkäufer ist nun eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing. Die Übernahme umfasst auch das Shoppingcenter ("The Mall") und die Büroflächen.

Über den Kaufpreis wurde laut ÖBB Stillschweigen vereinbart. Der Vollzug der Transaktion ist - vorbehaltlich der Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde - für Ende Dezember vorgesehen. Damit würden Bahnanlagen und Immobilie nach über zwanzig Jahren wieder in einer Hand zusammengeführt, betonte man.

Viertgrößter Bahnhof Österreichs

Wien-Mitte ist gemessen an den Fahrgästen der viertgrößte Bahnhof Österreichs. Auch U-Bahn-Linien sowie der Flughafenzug CAT treffen dort aufeinander. Täglich halten laut ÖBB dort fast 600 Züge. Bahnanlagen und Gebäude seien baulich und technisch eng miteinander verbunden, hieß es. Anpassungen an Zugängen, Stiegen, Belüftung oder Leitungen müssten nun nicht mehr mit einem anderen Eigentümer abgestimmt werden.

Künftig könnten die ÖBB die Entwicklung des Standorts aus einer Hand steuern, betont man. Dies schaffe Handlungsspielraum für die kommenden Jahrzehnte, in denen die - derzeit in Modernisierung befindliche - S-Bahn-Stammstrecke mehr Züge aufnehmen werde. Die Funktion des Bahnhofs soll wieder stärker im Namen, an den Zugängen und in der Gestaltung der Immobilie erkennbar sein, wurde versprochen. Bestehenden Verträge mit Mietern gelten laut der Mitteilung unverändert weiter.

Vorgeschichte mit Welterbe-Debatte

Der Standort weist eine lange und bewegte Geschichte auf. 1848 wurde der Bahnhof als Bahnhof Hauptzollamt eröffnet. 1934 ging er in das Eigentum der Bahn über. Ab den späten 1950er-Jahren wurden über den Gleisen verschiedene Gebäude wie ein Bürotrakt und eine Markthalle errichtet. 2005 wurde die Liegenschaft veräußert.

Was folgten waren hitzige Debatten über die weitere Entwicklung des Areals. Der Umstand, dass dort bis zu 97 Meter hohe Hochhäuser geplant waren, sorgte für Kritik. Gewarnt wurde vor einem Verlust des UNESCO-Welterbeprädikats für die Innere Stadt. Letztlich wurden die Türme redimensioniert. 2007 war schließlich Spatenstich, 2012 erfolgte die Teileröffnung. Im April 2013 ging der Neubau vollständig in Betrieb.