Neuer A1-Chef setzt auf Versorgung durch Glasfaser © APA - Austria Presse Agentur
Neue Konkurrenz durch Internet via Satelliten treibt dem neuen Chef von A1 in Österreich keine Sorgenfalten auf die Stirn. Es gebe zwar Kunden, die auf Starlink umsteigen, etwa auf kroatischen Inseln, aber nicht im großen Maßstab. Sorgen hingegen macht Jiří Dvorjančanský der hohe Preisdruck kombiniert mit hohen Netzausbaukosten - das führe dazu, dass Österreich bei Glasfaser den Anschluss verliere. Dem Social-Media-Verbot für Jugendliche steht der CEO skeptisch gegenüber.
Österreich sei in Europa nach wie vor einer der Märkte mit dem höchsten Wettbewerbsdruck. Es gebe eine Vielzahl virtueller Mobilfunkanbieter mit einer sehr aggressiven Preispolitik. Dazu kämen im Festnetz neue Glasfaseranbieter, etwa aus dem Energiesektor, sagte Dvorjančanský in einem APA-Interview.
Was gut für die Kundinnen und Kunden ist, erschwert dem früheren Staatsmonopolisten am Heimatmarkt die Investitionen. Die Kosten für den Glasfaserausbau seien in Österreich mit 1.500 bis 6.000 Euro pro Haushalt um ein Vielfaches höher als etwa in Kroatien mit 300, Spanien mit 400 oder Frankreich mit 600 Euro pro Haushalt, so Dvorjančanský. Ein Grund für die höheren Kosten sei das Fehlen eines Registers für Straßenarbeiten.
"Hoher Druck auf unser Geschäft in Österreich"
"Diese Last, nun in Kombination mit der generellen geopolitischen Instabilität und wieder steigenden Zinsen, setzt unser Geschäft in Österreich einem hohen Druck aus", sagte der Tscheche, der im September 2025 von Marcus Grausam die Chefrolle in der Österreich-Tochter der teilstaatlichen Telekom Austria AG übernommen hat. Davor, nach einer einjährigen Auszeit für seine Familie, war Dvorjančanský fast ein Jahrzehnt Chef für die A1-Töchter in Kroatien und Mazedonien.
Für Dvorjančanský führt an Glasfaser kein Weg vorbei. Es sei die beste Option für zukünftige Entwicklungen. Symmetrischer Internetzugang sei weder mit Mobilfunk noch mit Satelliten möglich, könnte in Zukunft aber eine große Rolle spielen. Gerade in dicht besiedelten Gebieten und in Gebäuden stoße Mobilfunk schon jetzt an seine Grenzen. Er erwartet einen Mix aus Glasfaser und 5G, wobei in Städten Glasfaser die vorherrschende Technologie sein werde. Satelliten-basiertes Internet hält Dvorjančanský auch in Zukunft für eine Nischentechnologie für Gegenden ohne Mobilfunkabdeckung.
Neue Umsätze sieht Dvorjančanský bei Künstlicher Intelligenz (KI) und bei Cloudlösungen. KI werde nicht nur innerhalb des Unternehmens eingesetzt werden, sondern auch als Produkt für Kundinnen und Kunden angeboten werden, etwa bei KI-Architekturen. Es gebe bereits ein paar erfolgreiche Anwendungen, derzeit werde aber auch viel experimentiert. Er geht davon aus, dass A1 künftig mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötige, die sich mit KI auskennen, gleichzeitig könnten andere Jobs wegfallen.
In Sachen Cloud gebe es viele Kundinnen und Kunden, die ihre Abhängigkeit von den großen US-Anbietern reduzieren wollen, doch dabei handle es sich meist um langfristige Projekte, weil ein Umstieg von einem auf den anderen Tag nicht möglich sei.
Aufklärung über negative Folgen von Social Media besser als Verbot
Das von der Bundesregierung geplante Verbot für Social Media für Unter-14-Jährige sieht Dvorjančanský - selbst Vater zweier Söhne - zwiegespalten. "Ich muss zugeben - und ich glaube, unsere Branche hat das bereits anerkannt -, dass soziale Medien Auswirkungen auf die Lebensqualität haben." Die technologische Entwicklung biete großartige Chancen für die Gesellschaft, aber "es gibt Kinder, die unter dem übermäßigen Konsum von sozialen Medien leiden". Als Beispiel nannte er die "berüchtigten Kurzvideos, von denen wir wissen, dass sie die Konzentration wirklich beeinträchtigen".
Dvorjančanský bezweifelt allerdings, dass ein Verbot das Problem löst. Verbote seien in der Regel nicht sehr effektiv. Sein Rat ist, in Aufklärung, Sensibilisierung und Begleitung der Kinder und Familien zu investieren.